Deutschlandchef Göttgens wechselt zu Mercedes
Stühlerücken bei BBDO

Überraschender Wechsel an der Spitze von Deutschlands größter Werbeagenturgruppe BBDO: Nach nur eineinhalb Jahren an der Spitze verkündet CEO Olaf Göttgens seinen Wechsel zu Daimler-Chrysler. Sein Nachfolger bei BBDO Deutschland wird ab Februar 2006 der Chef der Media-Agentur OMD, Klaus-Peter Schulz. OMD gehört wie BBDO zur börsennotierten US-Holding Omnicom.

FRANKFURT. In der Branche schlug die Nachricht gestern wie eine Bombe ein. „Das kommt absolut überraschend“, sagte ein Manager einer großen deutschen Agentur. Ein anderer sagte, ganz Wettbewerber: „Für BBDO ist das eine Katastrophe.“

In der Agenturgruppe steht seit 1999 bereits der fünfte Führungswechsel an: Der 39-jährige Göttgens hatte im April vergangenen Jahres das Ruder bei BBDO übernommen, als das designierte Deutschland-Führungsduo André Kemper und Hubertus von Lobenstein nach nur neun Monaten an der Spitze der Werbeagentur BBDO Campaign an Negativschlagzeilen und dem mangelnden Rückhalt der Partner der Agentur-Gruppe scheiterten.

Göttgens, der zuvor das Consulting-Geschäft von BBDO aufgebaut hatte, ordnete und straffte die Organisation, baute die Kreativ-Teams aus und berichtete zur Jahrespressekonferenz im März von wachsenden Umsätzen – auch wenn Deutschland Insidern zufolge innerhalb des Omnicom-Konzerns nach wie vor hinterherhinkt. Absolute Zahlen veröffentlicht die Gruppe nicht mehr.

Auch für die etwa 3 600 BBDO-Mitarbeiter kam der Wechsel gestern völlig überraschend. Nach dem ersten Schock schieden sich dann, je nach Sympathie, die Geister: Für die einen geht Göttgens mindestens ein Jahr zu früh, andere setzten bereits auf Schulz. Sie trauen ihm zu, den Moloch BBDO Germany mit seinen zahlreichen Tochterfirmen in den unterschiedlichsten Kommunikationsdisziplinen zu mehr Wachstum zu führen. Schließlich hat Schulz, der zwar meist zurückhaltend auftritt, aber durchaus bestimmend sein kann, die Omnicom-Tochter OMD auch in den vergangenen Jahren der Werbekrise profiliert und zum am schnellsten wachsenden Medianetwork in Deutschland gemacht: Laut Branchenreport Recma soll OMD, die Nummer drei im Markt, in diesem Jahr um 16 Prozent wachsen – der Markt dagegen nur um knapp sieben.

In der kreativen Szene ist Schulz eher unbekannt, nicht aber im Mediabusiness und bei Werbekunden. Er arbeitete für Kraft Foods, wechselte 1996 zu Sat 1 und wurde 2000 CEO der fusionierten Vermarktungsgesellschaften von Sat 1 und Pro Sieben. 2001 dann wechselte er zu OMD. Sein Nachfolger bei der Mediaagentur wird der 37-jährige Managing Director Manfred Kluge.

BBDO-intern gilt Schulz unter allen Agentur-Führungskräften als die beste Wahl, wenn es darum geht, Kunden von Allianz bis Oetker bei der Stange zu halten und die Gruppe zusammenzuhalten. Schulz will bei BBDO strategisches Wissen mit Media-Wissen verbinden. „Die Frage, wie die Marke zum Verbraucher kommt, ist entscheidend“, sagte Schulz dem Handelsblatt. „Hier müssen wir unseren Kunden kreative Antworten geben.“

Mit dem Managementwechsel steigen auch die Chancen von BBDO, den Mercedes-PKW-Etat zu gewinnen, um den Göttgens jahrelang geworben hat. Omnicom-Chef John Wren hat jetzt beste Verbindungen ins Haus. Schließlich wird Göttgens Chef der Marken-Kommunikation Mercedes-Benz PKW.

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