Deutschlands zweitgrößte Drogeriemarktkette bekommt Attacken von Verfolger Rossmann zu spüren
Preiskrieg belastet dm-Drogerien

Die Preisscharmützel mit dem Wettbewerber Rossmann bremsen die Wachstumsdynamik der Drogeriemarktkette dm. Während der zweitgrößte Anbieter hinter Schlecker seine Erlöse in den beiden vorhergehenden Jahren im zweistelligen Prozentbereich steigerte, muss sich die Karlsruher dm nun für das Geschäftsjahr 2003/04 (bis 30.9.) mit einem Plus von 8,5 Prozent auf 2,2 Mrd. Euro begnügen. Für das kommende Jahr peilt dm-Chef Götz Werner nur noch einen Zuwachs von sieben Prozent an.

HB cs DÜSSELDORF.Auch wenn dies angesichts der Konsumflaute im Einzelhandel immer noch ein beachtlicher Wert ist, scheint das stürmische Wachstum der vergangenen Jahre vorerst beendet. „Das Vordringen von Rossmann in unsere Stammregionen geht nicht spurlos an uns vorbei“, kommentierte dm-Geschäftsführerin Petra Schäfer gestern die verschärfte Wettbewerbssituation. Verhalten fiel deshalb die Ergebnisprognose aus, die Schäfer gestern der Presse präsentierte: „Für das laufende Geschäftsjahr haben wir uns eine Marge von 1,0 Prozent zum Ziel gesetzt.“ 2002 hatte dm 1,4 Prozent geschafft, 2003 lag sie bei 2,1 Prozent.

Im vergangenen Jahr hatte Rossmann das Filialnetz der Tengelmann- Drogerietochter kd übernommen, was die Nummer drei der Branche auf einen Schlag in das Verkaufsgebiet von dm katapultierte. Bis dahin hatten sich dm und Rossmann die Regionen in den alten Bundesländern säuberlich untereinander aufgeteilt, so dass ihnen als ernst zu nehmender Wettbewerber in ihren Verkaufsgebieten allein der Ehinger Marktführer Schlecker blieb.

Doch mit dem Burgfrieden zwischen dm und Rossmann ist es seit der kd-Übernahme dahin. Um dm den derzeitigen Marktanteil von knapp 19 Prozent streitig zu machen, setzt Rossmann – mit einem Marktanteil von 14,5 Prozent – auf eine aggressive Preispolitik. Stichproben an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg wiesen nach, dass einzelne Artikel innerhalb von neun Wochen bis zu dreimal reduziert wurden, nachdem sie Rossmann zuvor immer wieder auf das alte Preisniveau gebracht hatte.

Doch nicht nur solche Preistaktiken machen dm zu schaffen. Seit dem Einstieg der finanzstarken Hutchison-Whampoa-Tochter A.S. Watson rechnet die Branche damit, dass sich Rossmann schon bald einen weiteren Wettbewerber einverleiben wird.

Doch dm gibt sich längst noch nicht geschlagen. Gestern eröffneten die Karlsruher ihre erste Filiale am einstmals exklusiven Rossmann- Standort Berlin. Weitere Läden stehen in Hannover und Nienburg an der Weser vor der Eröffnung – in unmittelbarer Nähe der Burgwedeler Rossmann- Zentrale.

Anders als Schlecker, der allein in diesem Jahr bereits über 500 neue Filialen in Deutschland eröffnete, auf vergleichbarer Fläche jedoch zuletzt kräftig Umsatz verlor, wächst dm mit Augenmaß. Im abgelaufenen Geschäftsjahr fügten die Karlsruher ihren 660 deutschen Standorten gerade einmal 42 neue hinzu. Damit wächst dm aber nur scheinbar langsamer als sein Erzkonkurrent: Jeder Laden von dm-Chef Götz Werner setzt im Durchschnitt sechsmal so viel um der seines Widersachers Anton Schlecker.

Für dm ist der Markt zudem noch längst nicht gesättigt. Die Drogeriemärkte schafften es erneut, auch in den bestehenden Läden die Erlöse um 2,5 Prozent zu steigern. Clevere Marketingaktionen wie ein Bonusprogramm für junge Eltern oder der Einsatz der Payback-Karte unterstützten das Wachstum.

Im laufenden Geschäftsjahr plant dm in Deutschland 78 Neueröffnungen. Die Investitionssumme von 50 Mill. Euro werde allein aus den eigenen Geschäftseinnahmen finanziert, kündigte dm-Geschäftsführerin Schäfer an.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%