DHL, DPD, Hermes

Paketboten im Dauerstress

280 Päckchen am Tag, genervte Kunden, schwere Lieferungen: Für Paketzusteller wie Hans-Joachim Harnagel ist die Weihnachtszeit purer Stress. Wie bleibt er da ruhig? Auf Tour mit einem Paketboten.
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DHL-Bote Hans-Joachim Harnagel nimmt ein Paket vom Fließband. 280 Pakete und Päckchen liefert Harnagel danach während einer Tour durch die Innenstadt von Braunschweig an die Empfänger aus. Quelle: dpa
DHL-Paketzustellung in Braunschweig

DHL-Bote Hans-Joachim Harnagel nimmt ein Paket vom Fließband. 280 Pakete und Päckchen liefert Harnagel danach während einer Tour durch die Innenstadt von Braunschweig an die Empfänger aus.

(Foto: dpa)

BraunschweigAn einem kalten Vorweihnachtsmorgen nimmt Hans-Joachim Harnagel sein erstes Paket des Tages in die Hand. Es ist 8 Uhr. Mit einem Scanner liest er den Barcode ab, hebt die Lieferung von einer langen Rutsche, die von der Hallendecke fast bis zu seinem Postauto führt, und stellt sie im Wageninneren ab. Für den Paketboten an der DHL-Zustellbasis in Braunschweig beginnt nun der Arbeitstag. Das Päckchen hat da schon einen weiten Weg hinter sich.

Noch in der Nacht wurde es im Paketzentrum in Magdeburg in ein Postauto geladen und nach Braunschweig gefahren. Um 4 Uhr morgens haben Mitarbeiter den Lastwagen ausgeräumt und das Paket auf ein langes Fließband gelegt. Darauf ging es mit rasender Geschwindigkeit durch einen Scanner, dann durch die ganze Halle, und schließlich die Rutsche hinunter bis an den Platz von Hans-Joachim Harnagel. Im Sekundentakt kamen Pakete hinzu. Sie alle lädt Harnagel nun nach und nach in den Postwagen. „280 Sendungen sind es heute“, sagt der 58-Jährige. „In normalen Zeiten sind es höchstens 200.“

Doch die Vorweihnachtszeit ist keine normale Zeit. Bis zu 16.000 Pakete werden an Spitzentagen derzeit in Braunschweig umgeschlagen – fast doppelt so viele wie sonst. „Bundesweit sind es im Moment rund 8,5 Millionen Pakete, die DHL transportiert“, schätzt der Leiter der Zustellbasis, Uwe Bergmann. Das seien fast vier Millionen mehr als in ruhigeren Zeiten.

Und die Zahlen wachsen durch den rasant zunehmenden Internethandel jedes Jahr weiter. Die DHL-Konkurrenten DPD und Hermes haben in der Vorweihnachtszeit nach eigenen Angaben bundesweit jeweils mehr als zwei Millionen Pakete täglich ausgeliefert. „Dieser Allzeitrekord steht exemplarisch für das beste Weihnachtsgeschäft der Unternehmensgeschichte“, sagt DPD-Sprecher Frank Vergien. „In der Spitze verzeichnet DPD dann rund 50 Prozent mehr Zustellungen als an einem durchschnittlichen Tag des Jahres.“

Hilfe, mein Paket ist weg! Was tun?
Online-Shopping-Boom
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Die Schattenseiten des Online-Handels
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Die Deutschen klicken und bestellen...Plus 120 Prozent beträgt das Wachstum des Paketvolumens seit 1995. Experten rechnen bis 2025 nochmal mit einer Verdopplung auf dann 6 Milliarden transportierte Pakete alleine in Deutschland! Da ist es kein Wunder, dass die ein oder andere Sendung auf dem Weg verloren geht...

Bestellte Ware zurückschicken
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Dazu kommen die Pakete im Rückwärtsgang: Schätzungen darüber, wie viele Rücksendungen es in Deutschland pro Jahr insgesamt gibt, variieren. Eine Studie im Auftrag des Bundesverbandes des Versandhandels kommt auf 144 Millionen. Forscher der Universität Bamberg gehen von fast 290 Millionen aus.

Blöd für die Händler
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Laut einer Studie des Beratungsinstituts ibi Research der Universität Regensburg kalkulieren 40 Prozent der Kunden die Rücksendung sogar gleich beim Kauf mit ein. Der Service geht für die Händler gehörig ins Geld. Im Schnitt kostet sie eine Retoure 20 Euro pro Sendung. Zudem ist jeder zehnte Rückläufer nicht mehr verkäuflich, weil die Ware beschädigt, verschmutzt oder inzwischen veraltet ist, was besonders Saisonware wie Kleidung oder Garten- und Outdoorartikel betrifft.

Teure Rücksende-Mentalität
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Und so verbringt Mancher übers Jahr gesehen wohl mehr Zeit am Postschalter als in Umkleidekabinen von herkömmlichen Geschäften. Die Retourenforscher der Universität Bamberg haben Folgendes ausgerechnet: Reiht man die fast 290 Millionen Retourenpakete eines Jahres aneinander, würden sie fast dreimal die Erde umrunden. Die Rücksendungen verursachen so viel Klimagift wie 1.400 Autofahrten von Hamburg nach Moskau. Pro Tag.

Missbrauch...
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Jede fünfte Retoure bewerteten die von den Forschern befragten Onlinehändler als „missbräuchlich“, ein Begriff, der in diesem Zusammenhang jedoch missverständlich ist. Denn: Aus juristischer Sicht gibt es beim Widerrufsrecht gar keinen Missbrauch, da der Verbraucher laut Gesetz zwei Wochen nach Erhalt der Bestellung Zeit hat, die Ware ohne Angabe von Gründen an den Händler zurückzuschicken. Genau das tun viele Kunden mit Vorsatz, weil es so einfach und meist kostenlos ist.

Vorfreude aufs Paket
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Doch was, wenn das im Netz bestellte Paket nicht ankommt? Was ist, wenn es unterwegs verloren geht? Wir haben die wichtigsten Fragen für Sie beantwortet.

Für die Zusteller bedeutet das vor allem Stress. „Den Kunden haben wir versprochen, dass alle Bestellungen, die bis zum 22. Dezember eingehen, pünktlich bis Weihnachten ausgeliefert werden“, sagt Bergmann von der DHL-Zustellbasis in Braunschweig. 25 zusätzliche Aushilfskräfte wurden deshalb für die Weihnachtstage eingestellt. Auch Paketbote Harnagel hat heute einen Kollegen, der ihm bei der Auslieferung hilft. „Sonst wäre das schlichtweg unmöglich“, sagt er.

Trotzdem komme es häufiger vor, dass Kunden sich beschwerten, etwa, weil angeblich nicht geklingelt wurde. „Der Stress ist halt riesig. Aber man kann ja inzwischen auch online angeben, wann man sein Paket haben will.“

„In der Branche herrscht jetzt ein Riesenpersonalmangel“
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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • @Peter Spiegel
    Inzwischen habe ich schon zwei Doppelgänger hier in den Kommentarbereichen. Bin mal gespannt, wieviele das noch werden...viel Feind - viel Ehr ;)
    Und noch eines, wer mich hier schon länger kennt, der weis, wie ich etwas Schreibe und Formuliere...also, der weis, wie der "Richtige" Mark Hoffmann gestrickt ist.
    Ich werde nie aufhören zu kommentieren. der Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr ist meine persönliche Verpflichtung, was auch sonst.
    Schade ist nur, dass man am Wochenende nicht kommentieren darf
    Danke!

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