Diamantenhandel
Die Spur der teuren Steine

Noch dominieren die Diamantenhändler aus Antwerpen den Weltmarkt. Doch Zwistigkeiten, neue Konkurrenten und ein Hollywood-Film nagen an ihrer Vormachtstellung. Diamanten sind unvergänglich, vergänglich aber sind die Strukturen im weltweiten Geschäft mit Diamanten. Ein Handelsblatt-Report.

ANTWERPEN. Der Portier im Erdgeschoss drückt die Sechs auf der silbernen Plakette vor dem Aufzug, lächelt und verbeugt sich leicht. Oben angekommen, wandelt der Gast über Boden-Mosaikfließen und vorbei an holzvertäfelten Wänden und einem goldgerahmten, großen Ölgemälde eines indischen Tempels. Gesunde, grellgrüne Pflanzen schmücken die Flure. Leise Musik wabert durch die Gänge.

So sieht die Zentrale von Eurostar aus, einem der größten Diamantenhandelsunternehmen der Welt. Der Firmensitz liegt im Diamantenviertel von Antwerpen. 80 Prozent aller weltweit verkauften Rohdiamanten werden in der belgischen Stadt gehandelt. In Antwerpen schlägt das Herz des globalen Diamantenhandels. Eurostar allein macht hier jährlich eine Milliarde Umsatz mit den kleinen, glitzernden Steinen.

„Genau deshalb haben wir hier unser wichtigstes Büro neben Bombay“, sagt Hausherr Kaushik Mehta. „Antwerpen bringt politische sowie wirtschaftliche Stabilität.“ In einer Ecke seines Büros stehen eine kleine Miniwaage und ein Mikroskop – die wichtigsten Werkzeuge eines Diamantenhändlers wie Kaushik Mehta. Der CEO von Eurostar legt seine großen, weichen Hände auf die Schreibtischplatte und lässt den Blick durch den Raum schweifen.

Seriös und gediegen, zurückhaltend und vornehm, mit einem Hauch von Luxus – so präsentiert sich die Gilde der Diamantenhändler seit jeher gern. Verzierten doch einst Könige ihre Kronen mit ihren edlen Steinen, und ist ein Diamantring für viele moderne Frauen noch immer der beste Beweis dafür, dass der Verehrer es auch wirklich ernst meint. Ein Diamant ist schließlich, so warb die Zunft lange Jahre, „unvergänglich“.

Vergänglich aber sind die Strukturen im weltweiten Geschäft mit Diamanten. Nicht nur haben sich in Antwerpen die Machtverhältnisse in den vergangenen Jahren verschoben, was zu erbitterten Kämpfen zwischen Alteingesessenen und Neuen geführt hat. Auch fürchtet die Stadt, das ihr neue Handelszentren anderswo in der Welt den Rang ablaufen. Und schließlich ist da „Blood Diamonds“, der neue Hollywood-Film mit Superstar Leonardo DiCaprio, der an unappetitliche Aspekte des Diamantengeschäfts erinnert, die Händler wie Eurostar-Chef Kaushik Mehta längst als überwunden ansehen.

Dass sich die Dinge geändert haben in Antwerpen, ist im einst prestigeträchtigen Diamantenviertel am Hauptbahnhof an jeder Ecke spürbar: keine Straße ohne verfallene Häuser oder leere Läden. Der Putz an vielen Häusern bröckelt, das Kopfsteinpflaster ist aufgebrochen. Nichts ist mehr zu spüren vom Flair der kleinen Schleifereien und der Miniunternehmen, die früher zu einem großen Teil in den Händen jüdischer Familien lagen.

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