Die Anbieter diskutieren stärker über Aufspaltung und Privatisierung
Messen suchen Wege aus der Krise

Die Messegesellschaften prüfen verstärkt Möglichkeiten für eine strategische Neuausrichtung. Zwar rechnet die Branche in diesem Jahr mit einem Ende der Talfahrt, doch nach wie vor plagen sie Nachfrageschwäche und Überkapazitäten.

DÜSSELDORF. Daher müssten, so meinen Experten, die Messen durch veränderte Strukturen und Strategien wieder auf einen nachhaltigen Wachstumskurs gebracht werden.

Branchenkenner weisen dabei insbesondere auf die Möglichkeiten der Privatisierung. Dabei könnten die Messen in Besitzgesellschaften, die für das Management der Infrastruktur wie zum Beispiel der Hallen zuständig wären, und Betriebsgesellschaften für die eigentliche Messeorganisation, aufgeteilt werden. Dies liege auch im Interesse der Kommunen, sagte Frank Matern von der Unternehmensberatung McKinsey kürzlich auf dem deutschen Messeforum in Wiesbaden. Die Messeimmobilien und der Standort würden so attraktiver für andere Betreiber, die operative Gesellschaft erfolgreicher durch den Wegfall der Standortbegrenzung.

Für Professor Jörg Beier, Leiter des Studienschwerpunktes Messewirtschaft an der Berufsakademie Ravensburg reicht es aber aus, wenn die Unternehmen in öffentlicher Hand bleiben und private Veranstalter für das operative Geschäft mit ins Boot holen. Die Flächen sollten aber kostendeckend weitervermietet werden, rät Beier.

In benachbarten Ländern wie der Schweiz sind bereits Schritte in Richtung Privatisierung gemacht worden. So will die Messe Schweiz AG mit dem privaten Messeveranstalter Reed zusammenarbeiten. Dabei sollen die konkurrierenden IT-Messen „Orbit“ sowie „Internet-Expo“ zusammengelegt werden und unter dem Namen „Orbit-iEX“ eine neue Informationstechnologie- Plattform bilden.

Unter Branchenkennern gilt die projektbezogene Zusammenarbeit als richtungweisend. So schätzt Urs Seiler vom Schweizer Branchenblatt Expodata: „Es ist davon auszugehen, dass der hier gesetzte Trend weitere Kreise ziehen wird, denn auch an andern Orten, etwa in Deutschland, bestehen Überkapazitäten, das heißt zu viel Fläche und zu viel Veranstaltungen zum gleichen Thema oder für die gleiche Branche.“ Dieser Auslastungsdruck könnte sich noch verstärken, denn derzeit ist im Deutschen Messewesen offenbar Expansion statt Konsolidierung angesagt. So wollen die Messeplätze bis Ende 2008 rund 950 Mill. Euro in die „qualitative und quantitative Optimierung“ ihrer Gelände investieren, berichtet der Messeverband Auma.

Das kann nach Meinung von Insidern künftig zu noch heftigerem Gerangel um Veranstaltungen führen. Auch Michael von Zitzewitz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Frankfurt, sieht einen verschärften Kampf um Themen. Der Wettbewerb werde deutlich aggressiver werden. Dies sei aber nicht eine Folge von zu viel Markt, sondern von zu wenig Markt. Aus regionalen Standortinteressen würden überflüssige Hallen-Kapazitäten entstehen. „Diese Hallen müssen gefüllt werden, koste es, was es wolle.“ Eine Privatisierung der Messen würde den Steuerzahler entlasten und für mehr Effizienz im Messegeschäft sorgen, sagt der Frankfurter Messechef.

Dagegen hält die Messe Düsseldorf von einer Privatisierung nicht viel. Eine Geländegesellschaft könne, so Messechef Werner M. Dornscheidt, auf Dauer nicht profitabel arbeiten und nur der operative Teil langfristig Gewinne erwirtschaften. „In der Konsequenz ist das ein Nullsummenspiel.“

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