Die Ausgliederungspläne verunsichern auch die Kunden
„Bei Karstadt finde ich immer was Passendes“

„Für mich wäre es eine Katastophe, wenn es Karstadt hier nicht mehr gäbe“, gesteht eine Kundin. Sie kauft hier fast jeden Tag ein: Große Ausweichmöglichkeiten hat sie nicht. Sie müsste ansonsten viele kleine Läden abklappern, was viel Zeit und Mühe kostet.

HAMBURG. Träge hängen die blauen „Karstadt“-Fahnen der Hamburger Filiale an der Eppendorfer Landstraße herunter. Der rote Klinkerbau wirkt durch den prasselnden Regen trübe und düster. Diane Stüger, Hausfrau und Mutter zweier Söhne, zwängt sich aus ihrem Auto. Sie hat Glück. Die Betriebsversammlung ist nach eineinhalb Stunden um 10.30 Uhr zu Ende, die Türen sind wieder offen. „Für mich wäre es eine Katastophe, wenn es Karstadt hier nicht mehr gäbe“, gesteht die junge dunkelhaarige Frau. Sie kauft hier fast jeden Tag ein: Große Ausweichmöglichkeiten hat sie nicht. Sie müsste ansonsten viele kleine Läden abklappern, was viel Zeit und Mühe kostet.

Die Eppendorfer Filiale ist einer von sechs Standorten, die der angeschlagen Konzern ausgliedern und später möglicherweise verkaufen will. Bundesweit sind es 77, die weniger als 8 000 Quadratmeter Verkaufsfläche haben und damit für den Konzernvorstand langfristig zu klein sind. Betroffen hiervon sind in Hamburg die Standorte Bramfeld, Neugraben, Langenhorn, Fühlsbütteler Straße sowie die Filiale im Einkaufszentrum Hamburger Straße. Insgesamt betreibt Karstadt hier 14 Standorte.

Unter den 160 Angestellten der Filiale in Eppendorf herrscht Bangen und Hoffen. „Die Zeche zahlen immer die Mitarbeiter“, raunt ein Verkäufer verärgert nach der ansonsten ruhig verlaufenen Betriebsversammlung. „Das Schlimme ist, wir wissen nicht, was langfristig aus unseren Arbeitsplätzen wird.“

Holger Diener bleibt hingegen gefasst und ruhig. Der Betriebsratschef hockt im Restaurant im dritten Stock mit einigen Mitarbeitern zusammen, andere sind bereits in ihren Abteilungen. „Wir sind der Meinung, dass wir nicht zu den Häusern gehören, die ausgegliedert werden sollten. Wir haben hier eine Käuferschicht, die ein hohes qualitatives Niveau besitzt“, besänftigt er. So biete der Standort unter anderem eine attraktive Lebensmittelabteilung.

Auch Abteilungsleiter Stefan Lux, zugleich stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, blickt optimistisch in die Zukunft. „Wir werden jetzt richtig Gas geben.“ Denn so sei die Filiale auch für einen neuen Investor interessant, falls Karstadt den Standort irgendwann aufgeben sollte. Davon will Antje Leinemann, Geschäftsführerin in Eppendorf, nichts wissen. „Wir sind noch da, und wir bleiben auch hier.“ Verärgert weist sie Gerüchte zurück, dass ihr Haus, wie viele andere, möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt verkauft werden soll.

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