Die Deutsche Bahn setzt auf Größe und verstärkt ihre Marktmacht in Europa durch weitere Zukäufe
Railion bedrängt private Güterbahnen

Die Konkurrenten der Deutsche-Bahn-Tochter Railion AG beobachetn die fortschreitende europäische Expansion des Schienencarriers und seine damit wachsende Marktmacht. Sie fürchten, dass der Wettbewerb im Güterverkehr auf der Schiene vorbei sein könnte, ehe er richtig angefangen hat.

DÜSSELDORF. Diese Befürchtung hegen neben mittelständischen Konkurrenten der zu Stinnes Logistic gehörenden Deutsche-Bahn-Tochter Railion AG auch unabhängige Verkehrsexperten. Mit Spannung erwartet die Branche, welches Unternehmen sich den millionenschweren Großauftrag der RAG AG über den bislang in Eigenregie betriebenen Kohleverkehr auf der Schiene sichern kann.

In der europaweiten Ausschreibung geht es um ein Transportvolumen von fast 50 Millionen Tonnen im Jahr und um den Betrieb des Werksbahnverkehrs in derzeit sechs Bergwerken und einer Kokerei – einschließlich der Übernahme von knapp 1 000 bisherigen RAG-Eisenbahnern. Für die kleinen Wettbewerber der Staatsbahn, die im Schienengüterverkehr ihren Marktanteil gerade auf zusammen zwölf Prozent ausgebaut haben, ist der Happen viel zu groß. „Die Ausschreibung ist von vornherein schon in Richtung einer Railion definiert“, sagt Raimund Stüer, Geschäftsführer der im Kombinierten Verkehr fahrenden TX Logistik AG.

Dass die Deutsche Bahn sich den Kohleverkehr europaweit sichern will, ist in der Branche ein offenes Geheimnis, auch wenn es dazu aus der Stinnes-Zentrale lediglich heißt: „Kein Kommentar.“

Mit großen Partnern versucht ein Kleiner gleichwohl, ins Geschäft zu kommen: Die Güterbahn Rail4Chem, als Tochter der BASF und dreier Speditionen vor drei Jahren gegründet und ursprünglich auf Chemietransporte spezialisiert, hat ein „Kohlekonsortium“ auf die Beine gestellt – mit dem Speditionskonzern Rhenus und der Polnischen Staatsbahn PKP. Rhenus bringt Größe und Logistik in die Partnerschaft, die polnische Bahn die notwendigen Kohletransportwaggons, beschreibt Rail4Chem-Geschäftsführer Matthias Raith das gemeinsame Wagnis. Für ihn stehen die Zeichen auf Sturm – nach ersten Pleiten bei kleinen Bahnen befürchtet Raith: „Die Privatszene schrumpft.“ Und schickt gleich das Schreckgespenst der „Re-Monopolisierung“ hinterher.

Auch Rolf Bender, Geschäftsführer der kommunalen Bahngesellschaft Häfen und Güterverkehr Köln AG, ist trotz seiner Partnerschaft mit der Cargo-Tochter der Schweizerischen Bundesbahnen alles andere als glücklich: „Der Markt im Eisenbahngüterverkehr in Deutschland sucht dringend nach Alternativen zum Monopolanbieter Railion“, sagte Bender kürzlich auf einer Fachtagung der Deutschen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft im Bundesverkehrsministerium.

Auf derselben Veranstaltung berichtete Martin Henke, Geschäftsführer Güterverkehr beim Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), es gebe „erhebliche Anzeichen“ für eine Konsolidierung bei den Güterbahnen. Es könne durchaus sein, dass die Kleinen in der Folge wieder Marktanteile verlieren.

Seite 1:

Railion bedrängt private Güterbahnen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%