Die EU und „Made in Germany“
Geprüft und für deutsch befunden

„Made in Germany“ gilt als Garant für Qualität. Doch bislang gab es keine klaren Regeln für das Siegel. Die Europäische Union hat nun Vorgaben durch die Hintertür eingeführt. Was Deutsche fürchten, freut Italiener.
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DüsseldorfDie Schweiz nimmt es genau: Eine Schweizer Uhr darf sich nur dann „Swiss made“ nennen, wenn das Uhrwerk zu mindestens 50 Prozent aus Schweizer Teilen besteht, dort „eingeschalt“ wird und die Endkontrolle in der Schweiz stattfindet.

Jenseits der Landesgrenze sieht das anders aus. Wenn „Made in Germany“ auf Produkte gedruckt werden soll, gibt es keine eindeutige Vorgabe. Auch wenn eine Maschine oder ein Kleidungsstück zu mehr als 90 Prozent im Ausland gefertigt wurden, kann es die wertvolle Herkunftsbezeichnung „Made in Germany“ tragen – solange die wenigen letzten Prozent der Fertigung in Deutschland erledigt wurden. Lediglich in Einzelfällen haben Gerichte eine zu großzügige Interpretation abgestraft.

Während in der Schweiz der dort vorgeschriebene Anteil von 50 Prozent heimischer Produktion der Uhrenwerke immer wieder einmal als zu lasch kritisiert wird, wehrt sich die deutsche Industrie gegen eine ähnliche Regelung auf EU-Ebene für deutsche Produkte. Das Europäische Parlament hat am Dienstag die Initialzündung dafür gelegt. Deutsche Wirtschaftsverbände hielten das für einen Kollateralschaden einer eigentlich auf besseren Verbraucherschutz zielenden Verordnung.

Die Parlamentarier haben einen Vorschlag der Kommission angenommen, einheitliche Standards für „Made in ...“-Auszeichnungen festzulegen. Der Vorschlag wurde mit 485 Stimmen Ja-Stimmen. 130 waren dagegen und 27 Enthaltungen. Mit dem Regelpaket sollten eigentlich Probleme bei der Bestimmung des Ursprungslands fehlerhafter oder gefährlicher Produkte vorgebeugt werden. Doch die Verordnung bezieht sich bei der Definition des Ursprungsland eines Produkts auf die Zollregeln der Europäischen Union.

Danach stammen Waren aus dem Land, „in dem sie der letzten wesentlichen, wirtschaftlich gerechtfertigten Be- oder Verarbeitung unterzogen wurden“. Fertigung in Osteuropa, Verpackung und Produktkontrolle in Deutschland? Aus „Made in Germany“ müsste „Made in Czech Republic“ oder „Made in the EU“ werden.

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Industrieverbände fürchten höhere Kosten

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  • Es ist schwierig, dieses komplexe Thema medial sauber darzustellen. Selbst Experten –oder solche, die sich dafür halten- haben Verständnis- und Darstellungsprobleme. Auch dieser Artikel enthält Fehler: Auslandsproduktion mit Kontrolle und Verpackung reicht auch heute schon nicht aus und wäre illegal. Nach meinen 25 Jahren Erfahrung mit dem Thema gehen sehr viele deutsche Unternehmen verantwortungsvoll mit "Made in..." um und labeln freiwillig und richtig, übrigens nicht nur Länder mit (angeblich) positivem Image. Problem ist aber der bürokratische und organisatorische Aufwand, der zum Nachweis der Einhaltung der neuen Vorschrift erforderlich wird-das ist Bürokratieauf- nicht -abbau. Neben der deutschen Neigung, sich mit Vorschriften und Gesetzen gerne selber zu geisseln, kommt eine intensivere Kontrolle durch Behörden hinzu als in and. Mitgliedstaaten. Die sind da oft großzügiger: nicht alles was mit "Made in Italy" gekennzeichnet ist, kommt auch daher-nutzt man noch Karte des Römischen Reichs ?. Und nicht alles wird dort unter westeuropäischen Normalbedingungen hergestellt (ich erinnere an Chinesen, die unter widrigen Bedingungen in der Textilindustrie arbeiten). Wie ein "Made in China" die Rückverfolgbarkeit (als Begründung der Vorschrift) verbessern soll, ist mir auch unklar. Die Befürworter sollen wenigstens ehrlich sein und klar sagen, dass sie die "Made in EU"-Kennzeichnung als Marketingmaßnahme sehen und damit automatisch andere diskriminieren wollen. Außerdem leben wir vom Export und wenn Exportmärkte dem Beispiel folgen und ebenfalls Regeln einführen -die sicher von EU-Regeln abweichen - entsteht ein neues Handelshemmnis, weil Ware je nach Exportmarkt unterschiedlich gelabelt werden müsste. Nach meiner Meinung hängt die Qualität eines Produktes nicht vom Ursprung, sondern vom Hersteller ab. PS: ich bin mir ziemlich sicher, dass das noch verpönte „Made in China“ bald die gleiche historische Entwicklung nimmt wie einst das „Made in Germany“ in UK.

  • Ich wundere mich schon lange, wo so überall Made in Germany draufsteht, obwohl in Deutschland immer weniger produziert wird. Offenbar wird dieses Siegel vermehrt zu Täuschungszwecken eingesetzt.

    Insofern ist der Widerstand der Verbände gut zu verstehen, die Täuschung erfolgt ja nicht zufällig sondern hat ein System.

    Strenge Gesetze, am besten noch enger definiert als in der Schweiz, wären genau das Richtige, es diesen Betrügern schwerer zu machen die Verbraucher zu belügen.

  • "Made in Germany" muss nicht unbedingt sein. Gestern fuhr ich auf der Autobahn hinter einem LKW, auf dessen Hecktür geschrieben stand "Kitchen .... german made" (also: in D hergestellte Küchen). So geht es doch, oder?

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