Die großen Gesellschaften fliegen zurück in die schwarzen Zahlen
Asiens Fluglinien lassen ihre schwerste Krise hinter sich

Asiens Fluggesellschaften werden bis zum Ende des Jahres wieder Gewinne einfliegen. „Schneller als es die Chefs im Frühjahr noch zu träumen wagten, haben die Fluglinien die schwerste Krise ihrer Geschichte überstanden“, beobachtet Peter Neglin, Luftfahrtanalyst bei JP Morgan in Hongkong. Die Lungenseuche Sars aber auch der Krieg im Irak und die Furcht vor Terroranschlägen hatten die meisten Fluggesellschaften der Region Asien und Pazifik tief in die roten Zahlen gestürzt.

DÜSSELDORF. Die glänzendste Leistung aller Airlines der Region hat Thailands nationales Flaggschiff Thai Airways International abgeliefert. Sie steigerte im Geschäftsjahr 2002/03 (30.9.) den Reingewinn um knapp ein Viertel auf 12,4 Mrd. Baht (269 Mill. Euro). Taiwans führende Fluggesellschaft China Airlines (CAL) flog im dritten Quartal 2003 zurück in die Gewinnzone. Der Reingewinn von mehr als 1,3 Mrd. NT-$ (32 Mill. Euro) glich den Verlust des ersten Halbjahres mehr als aus.

Aus Hongkong meldet Cathay Pacific Airways, eine der leistungsstärksten Fluglinien Asiens, eine zarte Hoffnung an: eine schwarze Null zum Jahresende. „Alle unsere Flugzeuge sind zurück am Himmel“, freut sich Teresa Gomes-Zimmermann von Cathay in Frankfurt. Allerdings muss die Airline noch mit verbilligten Tickets nachhelfen. Aber: „Die Geschäftsleute fliegen wieder, die Touristen zögern noch“. Im Klartext: Die profitable Business-Klasse auf den Asienrouten ist voll. Auf dem Höhepunkt der Sars-Krise hatte Cathay 50 Maschinen stillgelegt. Tief war die stolze Fluglinie gestürzt: in einen Verlust von 1,2 Mrd. HK-$ (129 Mill. Euro) im ersten Halbjahr 2003. Im Vorjahreszeitraum hatte sie noch 1,4 Mrd. HK-$ Gewinn eingeflogen.

Cathays schärfster Konkurrent Singapore Airlines (SIA), die nationale Ikone des Stadtstaates, dürfte 2003/04 (31.3.) mit einem Reingewinn von 600 Mill. bis 800 Mill. S-$ (290 Mill. bis 387 Mill. Euro) abschließen, schätzen in Singapur Analysten. Morgenluft schnuppert Malaysia Airlines (MAS), nachdem sie im zweiten Quartal zurück in den Gewinn flog. Malaysias nationale Fluglinie hatte sich erst mühsam aus ihrem chronischen Defizit seit der Asienkrise 1997 herausgearbeitet.

Der Markt in China wächst wieder

Auch der Megamarkt der Volksrepublik China wächst wieder: Air China, die größte internationale Fluglinie der Roten Mandarine, wird nach eigener Einschätzung 2003 mit einem Reingewinn abschließen und damit den Verlust des ersten Halbjahres von 2 Mrd. RMB (214 Mill. Euro) ausbügeln. Air China und die Konkurrenten China Southern Airlines und China Eastern Airlines, die Großen Drei im Reich der Mitte, fliegen wieder im vollen Betrieb. Das Management konnte sogar das Angebot von Discounttickets abbauen.

Doch das neue Wachstum dürfe nicht zur Sorglosigkeit verführen, warnt Peter Harbison, Geschäftsführer des Zentrums der Luftfahrtindustrie Asien-Pazifik (Capa) in Sydney: „Airline-Manager, die jetzt nicht Kosten und überholte Strukturen aggressiv stutzen, legen die Saat für zukünftige Turbulenzen“. Zu den Lektionen aus der Sars-Krise zählt er die „Notwendigkeit des Managements, extrem flexibel zu sein“, zumal die ersten Billigflieger die ersten Erfolge verbuchen. Flexibilität fordert er aber auch im Personalmanagement: „Um Gehaltskürzungen schnell realisieren zu können“.

An diesem Ratschlag haben sich die Top-Manager der SIA, über Jahrzehnte eine der gewinnstärksten Fluglinien der Welt, bislang die Zähne ausgebissen. Zwar hatten die SIA-Piloten kräftige Einschnitte akzeptiert, inzwischen winken sogar Rückvergütungen. Dennoch liegt Streik in der Luft: Mehr Freiheit beim Heuern und Feuern wollen sie der Unternehmensspitze nicht zugestehen. Schon droht Singapurs stellvertretender Premierminister Lee Hsien Loong und künftiger Regierungschef des Stadtstaates, dessen gelenkte Demokratie keine echte Koalitionsfreiheit kennt: „Wollen die Piloten etwa die Regierung herausfordern?“

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