Die Industrie wirft der Bahn zunehmend schlechte Zahlungsmoral vor
Bahn erwartet keine neuen Bilanzrisiken

Die Deutsche Bahn erwartet keine neuen Bilanzrisiken durch den Streit über Rechnungen und Nachforderungen der Bauindustrie. Das Verhältnis zwischen Bahn und Bauindustrie ist seit längerem angespannt.

HB BERLIN. „Es hat immer Nachforderungen gegeben, und wir werden wohl immer damit leben müssen“, sagte ein Bahn-Sprecher am Dienstag zu einem Bericht der „Financial Times Deutschland“. Die Zeitung hatte von Forderungen in Höhe von 711 Millionen Euro berichtet, für die die Bahn keine Vorsorge getroffen habe und die daher ein Risiko für die Bahn-Bilanz darstellten. Der Sprecher bestätigte die Summe, verwies aber darauf, dass diese Lage seit Jahren bestehe.

„Bei Aufträgen von rund 9 Milliarden Euro jährlich sind immer Projekte strittig“, sagte der Sprecher. Die 711 Millionen Euro seien Forderungen seit dem Jahr 2000, die in ähnlicher Form auch schon vergangenes Jahr bestanden hätten. „Sie sind strittig oder noch nicht verhandelt.“ Rund 30 Prozent der Forderungen würden im Schnitt von vornherein abgelehnt. Rückstellungen müssten erst nach einer Einigung auf Nachzahlungen gebildet werden.

Die Zeitung hatte berichtet, die Forderungen stellten ein dreistelliges Millionen-Risiko dar und gefährdeten einen Börsengang. Der Bahn-Sprecher wies dies zurück. „Es wird über Jahre immer wieder Einigungen geben und immer wieder strittige Forderungen“, sagte er.

Das Verhältnis zwischen Bahn und Bauindustrie ist seit längerem angespannt. Die Industrie wirft der Bahn zunehmend schlechte Zahlungsmoral vor, die Bahn verweist auf Korruptionsfälle und ungerechtfertigte Nachforderungen bei Bauprojekten. Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums bestätigte, das Ressort habe sowohl von der Bauindustrie als auch von Bahnchef Hartmut Mehdorn Briefe mit gegenseitigen Vorwürfen erhalten. Das Ministerium sehe hier aber keinen Handlungsbedarf. „Die Bahn agiert am Markt und muss sich selbst mit ihren Vertragspartnern auseinandersetzen.“ Die Bahn hatte vor wenigen Wochen ihren von Mehdorn für 2006 geplanten Börsengang bis 2008 verschoben.

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