Die Karstadt-Krise
„Das Ziel ist der Zusammenschluss mit Kaufhof“

Bei Karstadt hat es keine Neuausrichtung gegeben, glaubt der Experte für Warenhäuser Rainer Bartle. Im Interview spricht er über die Zukunft der Kaufhauskette. Er fürchtet einen weiteren Stellenabbau.
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Handelsblatt: Sehen Sie momentan bei Karstadt die strategische Neuausrichtung?

Rainer Bartle: Nicht wirklich. Nur wenige Häuser wurden bis jetzt renoviert - und wenn, nur punktuell. Im Sortiment gibt es ein paar neue Modemarken, die kennt aber in Deutschland kaum jemand. Definitiv mehr kommen muss auch bei Werbung und Marketing, da passiert viel zu wenig. Gespannt bin ich auf die Häuser in Düsseldorf und Nürnberg, die im September neu eröffnet werden.

Rund 400 Millionen Euro sind für die Modernisierung der Häuser vorgesehen. Genug?

Ich schätze den Bedarf auf deutlich mehr als 500 Millionen Euro. Alles andere reicht nur für Kosmetik. Zudem soll das Geld aus dem Cash-Flow kommen, was ich - vor allem nach dem Auslaufen des Sanierungstarifvertrages - für nicht machbar halte. Viele sehen Nicolas Berggruen als Karstadt-Retter, de facto ist er bei seinem Einstieg kaum Risiko eingegangen.

Was hat Berggruen mit Karstadt vor?

Das Ziel ist der Zusammenschluss mit Kaufhof, da sind sich in der Branche fast alle einig. Wir haben in Deutschland rund 240 Karstadt- und Kaufhof-Häuser. Davon kann auf Dauer maximal die Hälfte überleben. Karstadt-Chef Andrew Jennings hat nur eine Aufgabe: die Braut hübsch zu machen.

Jennings sagte in einem Interview mit der „FAZ“, alle Häuser würden gegenwärtig „einen positiven Ergebnisbeitrag“ liefern.

Das ist ein dehnbarer Begriff. Die Frage ist doch, ob sie alle profitabel wirtschaften - daran habe ich große Zweifel.

2000 Stellen sollen bis Ende 2014 abgebaut werden. Werden weitere gestrichen?

Ja, damit ist leider zu rechnen.

Was halten Sie von Jennings' Argument, Karstadt befinde sich auch im wirtschaftlich schwierigen Umfeld der Euro-Krise?

Das ist ein Ablenkungsmanöver. Es gibt in Europa kein Land, in dem die Konsumenten weniger von der Schuldenkrise betroffen sind als in Deutschland. In Spanien oder Italien wäre das ein Argument, hier nicht.

Welche Kunden zieht es in die Häuser?

Wofür steht Karstadt? Warum sollte ich dort einkaufen? Diese Fragen kann ich nicht beantworten, und ich denke, so geht es vielen Menschen. Zu P & C geht man wegen der Auswahl, zu C & A wegen der Preise, zu H & M wegen der Trends - und zu Karstadt?

Gibt es noch erfolgreiche Kaufhausketten?

Ja, etwa Corte Inglés in Spanien, Printemps in Frankreich oder Macy's in den USA. Dort ist die Auswahl riesig, das Sortiment wechselt ständig. Die Trends werden schnell erkannt, sogar selbst gesetzt. Werbung positioniert das Kaufhaus als Marke.

Kirsten Ludowig
Kirsten Ludowig
Handelsblatt / Stellvertretende Ressortleiterin Unternehmen & Märkte

Kommentare zu " Die Karstadt-Krise : „Das Ziel ist der Zusammenschluss mit Kaufhof“"

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  • Das ganze Karstadt-Insolvenzverfahren war letztlich ein krasses Mißmanagement des zuständigen Insolvenzverwalters und somit ein Armutszeugnis für die deutsche "Sanierungskultur". Aber Hauptsache, Görg und Co haben kräftig kassiert.

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