Die Konsumneigung dürfte sich so weiter abschwächen
Deutsche scheuen den Kauf auf Pump

Schlechte Nachrichten für den Einzelhandel: Die Bereitschaft deutscher Verbraucher, Anschaffungen per Kredit zu finanzieren, sinkt. Das ergab eine repräsentative Online-Umfrage des Aachener Marktforschungsinstituts Dialego im Auftrag des Handelsblatts.

DÜSSELDORF. Danach wollen knapp 34 Prozent der Bundesbürger den Umfang ihrer Kreditverpflichtungen künftig reduzieren, die Hälfte von ihnen sogar auf Null. Zusätzliche Ratenkredite planen dagegen nur sechs Prozent. Ein Wachstum auf Pump, das zuletzt die USA und Großbritannien erlebte, wird es damit in Deutschland nicht geben.

Die Konsumneigung dürfte sich so weiter abschwächen, denn Löhne und Gehälter klettern derzeit kaum. Mehr noch als die Touristik oder den Telekommunikationsmarkt trifft dies den klassischen Einzelhandel: Dort gehen die Erlöse schon seit 2001 kontinuierlich zurück – im vergangenen Jahr allein um 1,6 Prozent. 2005, schätzt der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels, wird die Branche mit 362 Mrd. Euro Umsatz gerade einmal den Stand von 1992 erreichen.

Am Geiz der Deutschen liegt dies nur bedingt. Zwar verfügt jeder deutsche Haushalt im Schnitt über ein Geldvermögen von 100 700 Euro, wie der Bundesverband Deutscher Volks- und Raiffeisenbanken errechnet hat. Dem stehen Verbindlichkeiten von 39 800 Euro gegenüber. Zudem wandert immer mehr Geld in Versicherungsanlagen und Investmentfonds für die Alterssicherung.

Auch von einem „Angstsparen“ kann kaum die Rede sein. Mit einer Sparquote von 11,1 Prozent, die lediglich 0,3 Prozent höher als im Vorjahr war, lag Deutschland 2004 gerade einmal im europäischen Mittelfeld. Anfang der neunziger Jahre hatte sie hier zu Lande sogar die 13-Prozent-Grenze überschritten, ohne dass es zu einer Nachfrageschwäche im Handel gekommen war.

Trotz der angespannten Finanzlage vieler Haushalte bleiben die Deutschen bei den von Banken und Einzelhändlern angebotenen Konsumentenkrediten vorsichtig. „Die Ausfallquote ist mit 2,5 Prozent nur gering“, kommentiert Schufa-Vorstandschef Rainer Neumann die derzeitige Verschuldungssituation.

Laut Dialego-Umfrage nutzen aktuell lediglich 26 Prozent der deutschen Verbraucher eine Ratenzahlung für Konsumentenkredite – vorzugsweise sind das Kunden im Alter zwischen 30 und 49 Jahren. Anderseits: 25 Prozent würden nach eigenen Angaben niemals einen Kredit aufnehmen.

Der Hauptanlass für die Verschuldung ist der Autokauf. Ihn nannten 52 Prozent der Kreditnehmer als Grund für die Verschuldung, gefolgt vom Möbel- und Einrichtungskauf (23 Prozent) sowie dem Erwerb von Computern und Unterhaltungselektronik (jeweils 17 Prozent).

Neben Banken, die mit 43 Prozent den Löwenanteil der Kreditverträge stellen, kommen daher als Kreditvermittler zunehmend auch Autohäuser ins Spiel. Bei ihnen unterschrieben 28 Prozent der von Dialego befragten Schuldner ihren Ratenvertrag. 21 Prozent von ihnen kaufen im Versandhandel auf Pump.

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