Die neuen Weltkonzerne: Wipro
Bereit für die ganz großen Aufträge

Der indische IT-Dienstleister Wipro ist einer der Offshoring-Pioniere des Landes. Jetzt will der Konzern nicht mehr nur die einfachen Dienstleistungen anbieten, sondern wie die Großen der Branche ganze Prozesse übernehmen. Hält der kometenhafte Aufstieg damit weiter an?

DELHI. Indien bringt derzeit neue Weltmarktgrößen in Branchen von Stahl bis Auto hervor. Die Initialzündung für die Internationalisierung der Firmen des Landes ging jedoch von Unternehmen wie Wipro und Infosys aus – diese IT-Dienstleister setzen etablierte westliche Anbieter wie IBM, Accenture und EDS inzwischen heftig unter Druck.

Die hungrigen Tiger aus Bangalore wachsen viel schneller, sind deutlich profitabler und jagen den alteingesessenen Champions immer größere Stücke vom Weltmarkt-Kuchen ab. Wipros Gewinnmarge etwa ist mit 24 Prozent dreimal höher als die von Marktführer IBM. Auch beim Umsatz nehmen die Inder mit Raketentempo Kurs auf die vorderen Weltränge: Indiens drittgrößte IT-Firma nach Tata CS und Infosys hat ein Vierteljahrhundert gebraucht, um eine Mrd. Dollar zu erlösen. Für die zweite Umsatz-Milliarde genügten zwei weitere Jahre. Nur ein Jahr später, im Ende März ablaufenden Geschäftsjahr, wird die dritte Milliarde geknackt. „Wir werden bald in derselben Liga spielen wie IBM“, sagt Wipro-Chairman Azim Premji selbstbewusst. „In spätestens drei Jahren schaffen wir es von heute Rang 16 unter die Top Ten der Branche.“ Längerfristig sieht er indische Firmen in den elitären Klub der ersten fünf einbrechen. Bei der Marktkapitalisierung ist sein Unternehmen mit 18 Mrd. Dollar längst unter den zehn größten. Die Börse schaut in die Zukunft und untermauert mit ihrer Bewertung Premjis Zuversicht.

Wipro profitiert von einem Trend, der die Technologiebranche von Grund auf umkrempelt: der Verlagerung von Arbeit in Billiglohnländer. Im Auftrag von Kunden wie Microsoft, Nokia, Sony, Tui und Continental programmieren 66 000 Mitarbeiter Software, warten Computernetze oder übernehmen Bürodienste wie Buchhaltung und Personalverwaltung. Dieses Jahr dürften 20 000 hinzukommen. Dann ist Capgemini eingeholt. „Wir werden noch lange aggressiv wachsen, denn der Markt ist immens und erst zu einem Bruchteil ausgeschöpft“, sagt Premji. Zudem vergrößere sich die Palette an Offshore-Diensten rasant.

Daran hat der IT-Pionier großen Anteil. Früher und konsequenter als Lokalrivalen wie Infosys hat er auf Ingenieurdienste gesetzt. Wipro entwickelt zum Beispiel Produkte im Auftrag von Autozulieferern und Telekomausrüstern wie Cisco, Lucent und Nortel. 16 500 Ingenieure arbeiten in diesem Bereich. Das macht die Inder zum weltgrößten Anbieter externer Entwicklungsarbeiten. „Wir haben die kritische Masse für Großaufträge und können Entwicklungsrisiken für Kunden mittragen“, sagt Premji.

Es dauerte, bis Branchenriesen den Emporkömmling ernst nahmen. Inzwischen wehren sie sich heftig und kopieren sein Billiglohn-Modell. IBM hat sein Personal in Indien seit 2004 auf 45 000 verfünffacht. Für Accenture soll das Land dieses Jahr mit 35 000 Mitarbeitern zum größten Standort weltweit aufrücken und die USA überholen. „Die Unterschiede zwischen Anbietern aus Indien und dem Westen werden bald völlig eingeebnet“, prognostiziert Premji und meint sowohl Geschäftsmodelle als auch Kosten.

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