Die Pläne von René Benko
Kann Karstadt diesen Männern vertrauen?

René Benko übernimmt den deutschen Warenhausriesen Karstadt – und muss nun retten, was zu retten ist. Der Österreicher ist eine schillernde Figur, genauso wie seine Mitstreiter. Kann das gutgehen?
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DüsseldorfDie vielen Enttäuschten, die er hinterlässt, werden sagen: Es ist das erste Mal, dass Nicolas Berggruen etwas für Karstadt macht. Der baldige Ex-Eigner des Warenhauskonzerns gibt seine Anteile ab, sein Nachfolger wird René Benko. Als Berggruen die Kette 2010 für einen symbolischen Euro übernahm, galt er noch als großer Retter. Doch die Ernüchterung setzte schnell ein: Berggruen verkaufte Warenhäuser, vernichtete nach Angaben der Gewerkschaft Verdi rund 2000 Arbeitsplätze und zog auch noch Geld aus dem klammen Unternehmen, indem er sich von Karstadt für die Namensrechte bezahlen ließ. Er war kein Retter, sondern die Form von Investor, die den Namen Heuschrecke verdient.

Schon Anfang der kommenden Woche soll Benko die Karstadt-Filialen übernehmen. Der offizielle Kaufpreis: ein Euro. Berggruen ließ mitteilen, er wolle damit „den Weg frei für einen Neuanfang“ machen. Schon länger war bekannt, dass Benko und der Diamantenhändler Steinmetz die Option haben, das Karstadt-Kerngeschäft für einen Euro zu übernehmen. Diese Option haben sie nun offenbar gezogen. Doch was der Neuanfang bringt, das hängt entscheidend von fünf Herren ab.

„Ich habe immer einen Plan“, sagte René Benko einmal in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „News“. Das klingt gut, das klingt nach einem Lichtblick, einem Hoffnungsträger. Auch Gewerkschaften und Mitarbeiter hoffen, dass endlich jemand Karstadt saniert. Doch als Lichtgestalt taugt Benko nicht. Er hat genauso wie das Team, das ihn berät und geschäftlich unterstützt, zwei Seiten. Eine energische und erfolgreiche und eine dunkle, die ihn und seine Mitstreiter immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt gebracht haben.

Die Biografie von Benko ist so geschaffen, dass sie zunächst einmal nach der klassischen „Vom Tellerwäscher zum Millionär“-Geschichte klingt. Ohne Schulabschluss verließ er schon mit 17 Jahren die Schule, war dann als Handwerker tätig, bevor er anfing, Immobilien aufzukaufen – und damit ein Vermögen machte. Privat soll er 850 Millionen Euro besitzen. Das Immobilienvermögen seiner Signa-Gruppe soll sogar bei sechs Milliarden Euro liegen, heißt es auf der Webseite der Firma. Doch sein Geld hat Benko vor allem mit Immobilien gemacht – nicht mit Einzelhandel.

Dabei kam der österreichische Millionär mit der Justiz ins Gehege. Im Jahr 2012 wurde er zu zwölf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Der Vorwurf: Korruption. Erst Anfang der Woche bestätigte der Oberste Gerichtshof (OGH) in Österreich das Urteil. Benko und sein Steuerberater sollen versucht haben, verbotenerweise in einem Steuerverfahren in Italien zu intervenieren. Auf Benkos Initiative hin sollte der damalige kroatische Ministerpräsident Ivo Sanader ein beschleunigtes Verfahren mit positivem Ausgang bewirken. Benko sprach schon 2012 von einem Fehlurteil – der OGH sah das anders. Obwohl Benko nach außen die zentrale Figur bei Signa ist, fungiert er formal nur als Beiratsvorsitzender ist damit im Zweifelsfall aus der Schusslinie. Ein Sprecher betont, dass im Beirat alle wichtigen Entscheidungen getroffen werden.

Kommentare zu " Die Pläne von René Benko: Kann Karstadt diesen Männern vertrauen?"

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  • Na das ist ja mal wieder eine feine Gesellschaft. Symptomatisch für die heutige Zeit wo mit Hilfe von der Arroganz der Unfähigen (und daher Destruktiven) Werte vernichtet und nur Schulden angehäuft werden. Nur Wiedeking sollte sich vor sehen und nicht auf Raten dieser Herren eigenes Kapital belasten. Ich hoffe für ihn dass er sich da nicht verrent. Wiedeking ist, verglichen mit den anderen Herren, ein ehrlicher und integrer Mann. Und zu den Vorwürfen der Kursmanipulation der VW Aktien nur soviel: Der Aktienkurs der VW Aktie war am Ende durch die Decke gegangen weil Leerverkäufer (Hedgefonds) ihre zuvor leerverkauften Aktien nicht zurück kaufen konnten, da nur noch wenige überhaupt zum verkauf auf den Markt waren. Also waren sie gezwungen sich zu überbieten um nicht Vertragsbrüchig zu werden. Im Gegenteil gereichte dies letztendlich auch für Porsche zum Nachteil zumal Herr Wolfgang Porsche (wohl auch um seinen Vetter Ferdinand Piech zu übertrumpfen), in seinem Bestreben die Beherrschungsquote von 75% schnellstmöglich zu erreichen, den Fehler begangen hat die dafür noch notwendigen und zu diesen Zeitpunkt überteuerten Aktien mit Hilfe von Bankkrediten zu erwerben. Es entbehrt also jeder Logik dass Herr Wiedeking mit Vorsatz die VW Aktienkurse manipuliert haben sollte. Aus welchen Grund hätte er dies tun sollen?

  • Sehr geehrte Frau Paff.
    Ich hatte oft mit dem Laden zu tun, tot sage ich.
    Die Karstadt-Immobilien waren wichtig, mit denen wurden
    Bilanzen kreiert. Im weiteren Verlauf hat das Herr Middelhof
    verstanden und den Laden ausgeschlachtet.

  • @ Hein Bloed
    Sie scheinen auch so ein Oberschlaule zu sein.
    Karstadt hat phasenweise super Gewinne abgeworfen. Todesstoß war die verschlafene Umstellung auch auf Online Handel.

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