Die P&G-Konkurrenz will Marktanteile ergattern
Professionelles Salongeschäft verspricht hohe Renditen

Die wichtigste EU-Hürde ist genommen: Künftig ist Procter & Gamble durch die Übernahme des Darmstädter Wella-Konzerns die weltweite Nummer zwei im Friseurgeschäft. Das margenstarke Salongeschäft verspricht – anders als das Massengeschäft im Handel – hohe Renditen.

FRANKFURT/MAIN. 13,5 % Ebit-Marge konnte Wellaim vergangenen in diesem Bereich Jahr realisieren.

Ob das so bleibt, ist abzuwarten: Mitbewerber sehen gute Chancen, ihre Position im Markt auszubauen. „P&G wird eine Weile damit beschäftigt sein, Wella vernünftig zu integrieren und das Geschäft mit den Profis richtig zu verstehen“, meinte kürzlich der L’Oréal-Vizepräsident in einem Interview mit der „Wirtschaftswoche“. L’Oréal führt den internationalen Friseurmarkt mit 1,9 Mrd. Euro Umsatz vor Wella (1,6 Mrd. Euro) an. In Deutschland liegt L’Oréal aber mit 21 % Marktanteil (Umsatz) deutlich hinter den Darmstädtern. Wella hält hier rund die Hälfte des Marktes. P&G hat jedoch bisher zu verstehen gegeben, das Friseurgeschäft von Wella so weiterführen zu wollen wie bisher.

Die Analysten von JP Morgan erwarten dennoch eine Verlangsamung des Absatzwachstums bei Wella, weil das Salongeschäft nun nurmehr ein Business neben anderen in einem Großkonzern ist. Reinhold Wild, der in Deutschland die Marke Paul Mitchell vertreibt, sieht das ähnlich: „Wenn der Hauptanbieter ein bisschen die Leidenschaft verliert, besteht die Gefahr, dass der Friseurmarkt insgesamt verliert.

Gleichzeitig haben aber die anderen dann gute Chancen, Marktanteile zu gewinnen“, sagt Wild. Er leitete mehr als 20 Jahre Goldwell, die Nummer drei im deutschen Markt, bevor er 1993 mit seinem eigenen Unternehmen den Vertrieb von Paul Mitchell in Deutschland übernahm. Er vertreibt die hochpreisige Marke Paul Mitchell exklusiv an Friseure und hält mittlerweile mit rund 10 Mill. Euro Umsatz knapp 2 % des Marktes. In den nächsten fünf Jahren soll der Umsatz auf 35 Mill. Euro steigen, die Wachstumsrate für das erste Halbjahr 2003 liegt bei 10 %.

„Das Friseurgeschäft ist kein Massengeschäft, das man mit Werbedruck öffnen kann. Der Friseur will als Künstler angesprochen, will gehätschelt werden, und das ist mit Sicherheit eine ganz andere Welt als die, die Procter & Gamble kennt“, meint Wild. Die Nähe und exklusive Ansprache der Friseure sind auch für Rainer Tschersig, Leiter des weltweiten Friseurgeschäftes Henkel, die Erfolgsfaktoren für das professionelle Geschäft. International ist Henkel/Schwarzkopf die Nummer drei im Friseurgeschäft mit 350 Mill. Euro Umsatz, wie JP Morgan schätzt. Allerdings mit großem Abstand zu Wella und L’Oréal. Das veranlasst Branchenvertreter wie Analysten immer wieder zu Spekulationen darüber, ob Henkel nun sein Friseurgeschäft verkauft oder sich durch Zukäufe verstärkt. „Schwarzkopf Professional hat seinen Umsatz seit 1996 mehr als verdoppelt und ist in der gegenwärtigen Größe absolut überlebensfähig“, kommentiert Henkel dieses Thema offiziell.

Auch wenn L’Oréal, Goldwell und Henkel sich offiziell nicht dazu äußern, wie sich ihrer Ansicht nach die Wella-Übernahme auf den Friseurmarkt auswirken wird, werden die möglichen Szenarien durchgespielt. Aus Sicht von Christian Müller, Chefredakteur des Brancheninformationsdienstes „Friseur Intern“, hat P&G derzeit zwei Optionen: Entweder konzentriert das Unternehmen die Marke Wella auf das professionelle Friseurgeschäft, was weniger Umsatz aber mehr Rendite bedeuten würde. Oder die Marke Wella bleibt im Salonmarkt und wird zudem im Endverbrauchergeschäft gestärkt. Dort ist Wella bislang nicht unter den Top-10-Marken präsent. Die Zuwendung zum Endverbraucher dürfte den Wella-Friseuren allerdings nicht gefallen. Sie wollen ihre Exklusivität wahren und mit dem Produktverkauf selbst verdienen.

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