Die StiWa muss schneller werden
Stiftung Warentest: Die fünfte Gewalt

Zu ihrem 40. Geburtstag steckt die Stiftung Warentest in einer Midlife Crisis. Die Auflage der "Test"-Hefte bricht ein, die Probleme steigen, an die Bundeszuschüsse zu kommen. Eine Handelsblatt-Reportage.

BERLIN. Viermal jährlich pilgern sie samstags früh in ein etwas schäbiges Industriegebiet in Berlin-Schöneberg, vorbei an Schrottautos und stillgelegten Bahngleisen. Studenten, Rentner, aber auch Führungskräfte. In der Hand halten sie ihre Bibel. Die hat um die hundert Seiten und heißt „Test“. Heute sind sie 250, um mitzubieten beim Auktionshaus Karner & Co. Die Kinderwagen zu Anfang gehen etwas zäh. Bei E-Herden schnellen die Gebote ruckzuck auf 380 Euro hoch. Höhepunkt sind zwei Nikon Spiegelreflexkameras: Bei 760 tickt der kleine Hammer aufs Pult. Hinter seinem Laptop lächelt Karner-Geschäftsführer Raik Petzold zwischen langen Koteletten zufrieden. Es läuft gut, wie eigentlich immer. „Alles, was von der Stiftung Warentest kommt, geht bombig weg.“

An diesem Samstag lässt sich die Stiftung Warentest feiern – sie wird 40, erwachsen zur fünften Gewalt im Staate, nach Regierung, Parlament, Gerichten und Medien. Jeder kennt sie, fast jeder folgt ihrem Urteil. Gegen sie wird oft geklagt, fast immer vergeblich. Doch wie andere Vierzigjährige, so haben auch die Stiftung Symptome einer Midlife-Crisis erfasst. Überholte Strukturen, latente Überheblichkeit, sinkende Einnahmen, aggressives Vorgehen gegen Konkurrenten – das gute Image der Tester der Republik ist angekratzt.

Berlin-Tiergarten, Lützowplatz, zu Besuch beim Chef. Haben Sie Macht, Herr Brinkmann? „Ich würde lieber von Verantwortung sprechen“, sagt der hoch aufgeschossene Westfale. Als Vorstand führt der 57-Jährige seit 1995 die Geschäfte der Stiftung Warentest. Aus den Fenstern seines Büros im sechsten Stock des klobigen Zweckbaus, in den die Stiftung 1968 einzog, blickt er zu einer anderen Macht hinüber: der CDU-Zentrale.

„Die Arbeit macht Spaß, besonders wenn sich etwas zum Positiven verändert“, sagt der Stiftungschef. So wie 2003, als Deutsche-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn sein neues Preissystem nach einem vernichtenden Urteil der Tester komplett zurückziehen musste. Auch als fünf entrüstete Bahnvorstände in Brinkmanns Konferenzsaal so laut brüllten, dass der Pförtner kam, um nach dem Rechten zu sehen, blieben die Tester hart. „Wir sind der Schild des Verbrauchers“ gegen das Über-den-Tisch-gezogen-Werden, sagt Brinkmann.

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