Die Verkehrspolitiker sind über Hartmut Mehdorn empört – Die Aufgabe des Bahn-Chefs wird nicht leichter
„Das Vertrauen ist schwer gestört“

Für Hartmut Mehdorn wird es ungemütlich. Zwar bemüht sich die Bundesregierung auch nach der Absage an sein Projekt „Börsengang 2006“, Zweifel an ihrem Vertrauen in den Bahn-Chef zu zerstreuen. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) versicherte ihm volle Rückendeckung: Die Deutsche Bahn AG sei unter Mehdorns Führung „auf einem wirklich guten Gleis“, betonte er.

dc/doe/huh BERLIN. Das politische Klima, in dem er seine Ziele für das Staatsunternehmen vertreten muss, wird aber künftig noch rauer sein als ohnehin: Sein Kredit bei den Abgeordneten im Bundestag, die über die Zukunft der Bahn nach wie vor ein gewichtiges Wort mitzureden haben, ist aufgebraucht. Ebenso wie die Verkehrsexperten von CDU und FDP, Dirk Fischer und Horst Friedrich, machte gestern Grünen-Fachpolitiker Albert Schmidt keinen Hehl mehr daraus, dass er einen Rücktritt Mehdorns für angemessen halten würde.

„Das Vertrauen zwischen Parlament und Vorstand ist schwer, wenn nicht irreparabel gestört“, sagte Schmidt gestern nach einer Sondersitzung des Verkehrsausschusses. Auch der SPD-Verkehrspolitiker Reinhard Weis äußerte Kritik. Zwar sei zu Gunsten Mehdorns anzuerkennen, dass dieser auch gute fachliche Arbeit leiste. Zur Frage, ob der Bahn-Chef angesichts der jüngsten Entwicklung noch tragbar bleibe, wage er „keine Prognose“.

Bei den Parlamentariern kommt überhaupt nicht gut an, mit welchem Stil Mehdorn für seine Bahn-Interessen kämpft. Schmidt präsentierte einen Brief, in dem sich Mehdorn bei BDI-Präsident Michael Rogowski beklagt, dass dessen Verband zu einer Podiumsveranstaltung mit der Bahn die „sog. Verkehrsexperten Friedrich, Fischer und Schmidt“ geladen habe – dies sei eine „bösartige“ Besetzung.

Der Verschiebung des Börsengangs war ein Gespräch von Aufsichtsratschef Michael Frenzel mit Schröder vorangegangen. Nach Informationen aus dem AufsichtsratsUmfeld unterrichtete Frenzel den Kanzler am Dienstagnachmittag über ein Treffen mit Transnet-Chef und Aufsichtsratsvize Norbert Hansen, in dem dieser eine Verschiebung des Börsengangs gefordert hatte. Zu dieser Zeit kursierte bereits ein weiterer Brief Mehdorns mit abfälligen Bemerkungen über die Mitglieder des Verkehrsausschusses.

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