Die Vorteile eines „krummen“ Geschäftsjahres
Der Einzelhandel und das "problematische" Weihnachtsgeschäft

Die Düsseldorfer Horten AG, der kleinste der vier Warenhaus-Konzerne, schockte Anfang der 90er- Jahre die Öffentlichkeit: Im Bundesanzeiger stand im Halbjahresbericht zu lesen, dass der Konzern rote Zahlen schreibt. Beunruhigt griffen Zeitungen die Nachricht auf. Tatsächlich war die Aufregung unbegründet. In vielen Vertriebslinien des Einzelhandels – vor allem den Warenhäusern und dem geschenkorientierten Fachhandel – wird ein wesentlicher Teil von Umsatz und Ertrag im Weihnachtsgeschäft gemacht.

HB Düsseldorf. Die hohen Fixkosten fallen dagegen gleichmäßig in allen Quartalen an. Die Konsequenz: Die Quartalsergebnisse sind in schöner Regelmäßigkeit negativ – erst mit dem vierten Quartal dreht das Ergebnis ins Plus.

Deshalb hatten sich börsennotierte Handelskonzerne wie Karstadt, Kaufhof oder die Hagener Douglas Holding AG lange geziert, im Quartalsbericht neben dem Umsatz auch den Ertrag zu nennen – als das im Verarbeitenden Gewerbe längst üblich war. Auch die Horten AG, die 1994 von Kaufhof übernommen wurde, verzichtete nach dem Wirbel umgehend auf die Veröffentlichung von Quartalserträgen.

Die Schaffung des Neuen Marktes für High-Tech-Unternehmen, die Notierung deutscher Unternehmen an der New Yorker Börse im Zuge der Globalisierung und dem Werben um internationale Investoren und vor allem die Bilanzierung nach dem International Accounting Standard (IAS), zwangen schließlich auch den börsennotierten Einzelhandel, Quartalserträge vorzulegen.

Als erster stellte der Düsseldorfer Metro-Konzern seine Bilanzierung auf IAS um und veröffentlichte Quartalserträge resp. -verluste. Beim Metro-Konzern kommen die Probleme indessen nicht ganz so stark zum Tragen, weil sein größtes Geschäftsfeld, der SB-Großhandel (Cash & Carry), von Beginn an schwarze Zahlen schreibt und im Konzern per Saldo immer ein Gewinn zu Buche steht.

Doch bei Handelsunternehmen, bei denen sich die saisonalen Schwankungen stärker auswirken, führt der quartalsweise Verlustausweis – im schnelllebigen Zeitungsgeschäft – regelmäßig zu Irritationen. Missverständnisse und Schlagzeilen wie „Unternehmen XY hat seinen Verlust ausgeweitet“ oder „XY steckt weiter in den roten Zahlen“, sind keine Seltenheit, obwohl das Unternehmen kerngesund ist.

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