Dienstleister übernehmen immer mehr Aufgaben in der Produktion
Deutsche Industrie konzentriert sich auf Kernkompetenzen

Ausschließliche Produktion in Deutschland wird für die heimischen Maschinen- und Anlagenbauer bald zur Ausnahme werden. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger wollen nur 17 Prozent der insgesamt 70 befragten Unternehmen keine Betriebsstätten im Ausland errichten. Für sie lohnt sich wegen der technologieintensiven Produkte oder der hochautomatisierten Fertigung die Verlagerung nicht.

HB DÜSSELDORF. 33 Prozent der befragten Unternehmen bedienen bereits die Weltmärkte aus Werken vor Ort. Und 28 Prozent haben ein globales Netzwerk aufgebaut und für jede Unternehmensfunktion den optimalen Standort ausgewählt.

Günther Schuh, Professor an der RWTH Aachen und Mitautor der Studie, sieht in den Verlagerungen keine Bedrohung für den Industriestandort Deutschland. „Das größte Wachstum wird im unteren und mittleren Segment des Maschinenbaus sein. Dafür ist die Entwicklung und Fertigung vor Ort nötig“, sagt Schuh. „Die Wachstumsmärkte Asiens können nicht mehr nur von Deutschland aus bedient werden“, ergänzt Reinhardt Geissbauer, Partner bei Roland Berger.

Wer nicht verlagert, vergibt immer mehr Wertschöpfung an Dritte, um so Kosten zu sparen und sich auf die Kernkompetenzen zu konzentrieren. In der Autoindustrie geht hier Daimler-Chrysler besonders weit. Im Jeep-Werk in Toledo im US-Bundesstaat Ohio plant der Konzern, große Aufträge an externe Partner zu vergeben. So wird der Roboter-Hersteller Kuka aus Augsburg eine Halle für die Herstellung der Karosserie bauen und auch betreiben. Der Anlagenbauer Dürr wird in Eigenregie eine neue Lackierstraße bauen, der japanische Autohersteller Hyundai das komplette Chassis liefern. Daimler kümmert sich nur noch um die Endmontage.

Einen ähnlichen Weg ist der Papierkonzern Myllykoski bei seiner neuen Papierfabrik Rheinpapier in Hürth bei Köln gegangen. Die Finnen konzentrieren sich nur noch auf das Kerngeschäft Papierproduktion, alle anderen Bereiche wurden an Partner vergeben. Sie stellen nicht nur die Arbeitskräfte, sondern liefern auch das Know How. So betreibt die Infraserv GmbH die Kläranlage, Voith Industrial Services ist zuständig für das Gebäudemanagement und die Instandhaltung der Anlagen, die Firma Drekopf übernimmt die Altpapierannahme sowie die Eingangskontrolle und die Firma PLI die Logistik der Papierrollen. „Wir wollten uns auf unsere Kernkompetenzen konzentrieren und die Fixkosten senken“, begründet Werkleiterin Anne Murtola das für die Papierindustrie neuartige Konzept. Da die bisherige Erfahrungen gut sind, überlegt der Konzern, es auf andere, bereits bestehende Papierfabriken auszudehnen.

„Die Vergabe von Dienstleistungen an Dritte ist eine Alternative zur Verlagerung der Produktion“, sagt Martin Hennerici, Vorstandsvorsitzender der zur Voith-Gruppe gehörenden DIW Deutsche Industriewartung AG in Stuttgart. Die Abgabe von Tätigkeiten wie Kantine, Gärtner oder Werksschutz an Dritte gehört längst zum Alltag der Industrie, neu ist der Trend, auch sensible Bereiche wie die EDV oder die Instandhaltung an Dritte zu vergeben.

Am weitesten sind hier die Automobilbauer, die Ölindustrie und die Chemie, während die Papierindustrie noch zögert. Wird die Fertigung dennoch ausgelagert, so können Dienstleister trotzdem im Geschäft bleiben. „Der Kunde optimiert auch im Ausland seine Fertigung“, sagt der DIW-Chef. „Wir haben durch Verlagerungen bisher noch keinen Kunden verloren.“

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