Dienstleistungsgewerkschaft
Bsirske als Verdi-Chef wiedergewählt

Mit dem Ergebnis hätte wohl selbst Verdi-Chef Frank Bsirske nicht gerechnet. 94,3 Prozent der Delegierten bestätigten den 55-Jährigen am Dienstag auf dem Verdi-Bundeskongress in Leipzig in seinem Amt.

HB LEIPZIG. Mit minutenlangem Beifall und stehenden Ovationen kommentierten die Delegierten das Traumergebnis. Zu den ersten Gratulanten gehörte DGB-Chef Michael Sommer. Bsirske, der Verdi seit Gründung 2001 vorsteht, wird die Gewerkschaft nun weitere vier Jahre führen.

Zu seiner Hauptbotschaft gehört die Umsetzung eines gesetzlichen Mindestlohnes von 7,50 Euro. Verdi war mit dieser Forderung Vorreiter innerhalb der Gewerkschaften und musste Skeptiker wie die IG Metall oder die IG BCE auf ihre Seite ziehen. Jetzt machen alle Einzelgewerkschaften im DGB mit. Der Mindestlohn wird Wahlkampfthema. Auch das beschloss der DGB-Bundesvorstand in Leipzig. Ein Erfolg, den sich Bsirske auf seine Fahnen schreiben kann.

Die nächste schwierige Aufgabe wartet aber schon auf den wiedergewählten Gewerkschaftschef. Im Dezember will Verdi die Tarifforderung für die Auseinandersetzung im öffentlichen Dienst vorlegen. In Leipzig schwor er die Delegierten auf harte Verhandlungen ein. „Wir müssen uns darauf einrichten, dass dies die konfliktreichste Runde seit langen Jahren ist“, sagte Bsirske vor den rund 1 000 Delegierten.

Einig ist sich die Gewerkschaft, dass der öffentliche Dienst nach mageren Jahren jetzt vom Konjunkturaufschwung etwas abhaben will. Nach dem spektakulären Abschluss der IG Metall mit 4,1 Prozent und weiteren Runden bei Chemie, Handel und Druck sind nun die Angestellten und Beamten an der Reihe. Lineare Lohnerhöhungen fordert der Gewerkschaftschef und droht mit einem „Großkonflikt“.

Schon im August hatte Verdi zusammen mit dem Deutschen Beamtenbund (DBB) die Kampagne „Genug gespart“ gestartet und eine Kooperationsvereinbarung unterschrieben. Damit soll deutlich werden, dass beide Gewerkschaften nicht in Konkurrenz zueinander stehen und sich nicht gegeneinander ausspielen lassen.

Bsirske ist unbestritten der starke Mann bei Verdi. Trotz der enormen Vielfalt an Positionen sind seine vier Stellvertreter weitgehend unbekannt, konnten oder wollten sich nicht öffentlich profilieren. Für die Gewerkschaft, die viele starke Stimmen braucht, ist dies ein Makel.

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