Dieter Heuskel
„Es ist ein gefährliches Rennen“

Dieter Heuskel attackiert Finanzinvestoren. Im Interview spricht der scheidende Deutschland-Chef der Boston-Consulting-Group über Hedge-Fonds und Private-Equity-Gesellschaften. Diese seien zu sehr auf kurzfristige Gewinne fixiert, die Unternehmenskultur bleibe auf der Strecke.

Handelsblatt: Herr Heuskel, Private-Equity-Firmen und Hedge-Fonds stürmen den deutschen Markt. Welche Folgen hat das?

Heuskel: Die Unternehmenskultur wird sich nachhaltig ändern. Die neuen Finanzinvestoren sehen ein Unternehmen mehr als Projekt auf Zeit und nicht als Institution, die Waren und Dienstleistungen produziert, langfristig bestehen soll und eine gesellschaftliche Rolle spielt.

Kehrt der Kapitalismus in Reinkultur zurück?

Sagen wir es so: Derzeit erleben wir eine weitere Verstärkung der Finanzmarktseite gegenüber der Realwirtschaft. Die Kapitalsammelstellen geben heute in Unternehmen stärker den Ton an als das Management, das für die Produktion der realen Güter verantwortlich ist.

Dabei agieren Private-Equity-Fonds wie Familinunternehmer: Klare Eigentumsverhältnisse, kein Einfluss durch die Börse.

Auf den ersten Blick handeln die neuen Eigentümer wie Familienunternehmer. Nur sind ihre Aktionen darauf gerichtet, möglichst schnell den Ausstieg zu organisieren. Es kann aber nicht das einzige Unternehmensziel sein, die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis zu maximieren.

Die neuen Investoren interessieren sich auch für große Dax-Konzerne wie Telekom oder Continental. Kommt da noch mehr?

Davon ist auszugehen. Derzeit ist bereits eine tief greifende Neuordnung der Eigentümerstrukturen in deutschen Firmen zu beobachten. Kurzfristig orientierte Finanzinvestoren werden in den nächsten Jahren als Shareholderklasse an Bedeutung gewinnen. Da sie sich verstärkt zu Konsortien zusammentun, werden auch große Konzerne davon betroffen sein.

In der Wirtschaft kursiert schon ein Gag: Chefs schauen sich morgens nicht mehr den Aktienkurs an, sondern zuerst die aktuelle Zusammensetzung des Aktionärskreises. Ist da was dran?

Das wird zunehmend so sein. Im Ernst: Für Manager und deren Strategie spielt es mehr denn je eine entscheidende Rolle, wer die Eigentümer des Unternehmens sind und was diese Eigentümer an strategischen Vorgaben machen.

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