Digitale Landwirtschaft
Die Angst der Bauern vor Google

Die Digitalisierung hat die Landwirtschaft voll erfasst. Doch wer wird künftig die großen Geschäfte mit den Daten machen? Dass Google oder IBM bald die Trecker übernehmen könnten, bereitet der Branche Sorgen.

HannoverSie heißen Farmfacts, Digitroll oder 365 Farmnet. Selbst der Deutsche Wetterdienst ist mit einer neu entwickelten „Warn-Wetter-App“ auf der Agritechnica in Hannover vertreten. Angeboten werden auf der weltgrößten Landtechnikmesse alle nur denkbaren Software-Programme, um die Arbeit der Landwirte zu erleichtern.

Schließlich ist es dem modernen Bauern von heute nicht mehr genug, selbst noch den Boden zu prüfen, den Düngemitteleinsatz festzulegen und mit kritischem Blick gen Himmel zu schauen. Die digitalen Helfer dokumentieren, messen, regeln die Spurführung von Mähdrescher und Co und werten nebenbei noch die Aufnahmen der Hofdrohne aus, wenn sie von ihrem Überwachungsflug wieder sicher auf dem Bauernhof gelandet wird.

Doch je mehr es solche Angebote gibt, umso stärker steigt die Komplexität. „Die Landwirte finden hier so unterschiedliche Lösungen, dass sie ganz verwirrt werden“, räumt Claas-Chef Lothar Kriszun selbstkritisch ein. Der westfälische Mähdrescher-Spezialist und Traktorhersteller gehört zu den Pionieren der Digitalisierung in der Landwirtschaft. Bislang war das alles kein Problem, da die Landtechnik-Hersteller stets darauf geachtet haben, dass über offene Schnittstellen alle Software-Programme auf allen Plattformen laufen können. Das verlangen schon die Landwirte, die eine Abhängigkeit von einem Anbieter um jeden Preis vermeiden wollen.

Doch die Unübersichtlichkeit wird langsam zum Problem. Bereits jetzt wird der Platz auf den Displays rechts und links am Fahrersitz des Traktors knapp. Mit Sorge schielt die Branche auf die großen amerikanischen IT-Konzerne, die das Thema Digitalisierung in der Landwirtschaft entdeckt und ein großes Potenzial ausgemacht haben. „Die Offenheit der Systeme ist eine Gefahr, wenn sich Google, IBM oder auch der Agrarkonzern Monsanto für eins entscheiden sollten und es dann beherrschen“, sagte Christian Dreyer, Geschäftsführer des Pflanzenschutz- und Bodenbearbeitungsgeräte-Herstellers Amazonen-Werke.

Noch schützt die Hartnäckigkeit der Bauern, die auf ihre digitale Unabhängigkeit pochen, die Branche. Doch auch Industrievertretern wie Martin Richenhagen, Präsident von Agco mit seinen bekannten Marken Fendt und Massey Ferguson, geht die Vielfalt der Softwarelösungen inzwischen zu weit. „Vielleicht brauchen wir eine Art SAP oder Microsoft für die Landwirtschaft“, sagte er, „anwenderfreundlich und einfach.“ Die Frage ist nur, wer dann das Geschäft mit den großen Datenmengen macht: Die Agrartechnik-Hersteller oder ein externer Konzern.

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Die Angst der Bauern vor Google

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„Eine Farm ist wie eine Fabrik auf dem Land“

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