Dirk Schiereck, Professor für Bank- und Finanzmanagement an der European Business School
Experteninterview: „Finanzplatz ist nicht beschädigt“

Interview mit Dirk Schiereck, Professor für Bank- und Finanzmanagement an der European Business School, zum Führungswechsel an der Deutschen Börse.

Für viele Beobachter galt der Einstieg der Hedge-Fonds bei der Deutschen Börse als Gefahr für den Finanzplatz Frankfurt. Hat sich das bewahrheitet?
Der Finanzplatz hat sicher nicht gelitten. Schließlich haben sich die Hedge-Fonds überhaupt nicht in das operative Geschäft eingemischt. Herr Francioni findet ein gut funktionierendes, hochprofitables Unternehmen vor.

Was könnte der Führungswechsel bei der Deutschen Börse denn für die Zusammenarbeit mit den kleinen Konkurrenten hier zu Lande bedeuten?
Ich denke, Herr Francioni könnte so etwas wie ein Katalysator für die Entwicklung sein. Er hat mit der SWX durch den Kauf der Bremer Börse schon eingegriffen und die kleinen Börsen damit unter Druck gesetzt. Nun kann er die von seinem Vorgänger begonnenen Gespräche mit den Regionalbörsen fortsetzen. Man hört schließlich lautes Flüstern, dass die Deutsche Börse mit den Konkurrenten spricht.

Wie könnte eine Zusammenarbeit der Börsen aussehen?
Vorstellbar ist, dass es in Deutschland demnächst für jeden Wert auf dem Parkett einen Skontroführer gibt. Das würde die Liquidität bündeln und den Finanzplatz attraktiver machen. Damit es nicht zu Monopolstrukturen kommt, wäre das Leistungskontrollsystem sinnvoll, wie es die Deutsche Börse schon praktiziert.

Ist das politisch durchsetzbar?
Eine CDU-geführte Bundesregierung könnte dies gemeinsam mit den mehrheitlich unionsgeführten Bundesländern durchsetzen. Ob die im Grunde viel zu kleinen Regionalbörsen formal weiterbestehen, ist zweitrangig. Es spielt letztlich keine Rolle, wo das Computersystem steht. Außerdem: Wer sagt, dass die Eigentümer der kleinen Börse nicht irgendwann verkaufen?

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