Discounter
Aldi schafft die Einwegtüte ab

Viele Händler haben die Einweg-Plastiktüten bereits abgeschafft. Nun folgen auch die Discounter Aldi Nord und Süd. Sie wollen künftig nicht nur auf dünne Plastiktüten, sondern auch auf Papier verzichten.
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DüsseldorfEs war ein richtiger Wettbewerb unter den großen Lebensmittelhändlern. Als die Plastiktüte immer mehr als Umweltfeind ins Gerede kam, wurde im April 2016 nach einer Vereinbarung mit dem Bundesumweltministerium zunächst die kostenlose Abgabe eingeschränkt.

Doch schon im Herbst gingen die Rewe-Manager einen Schritt weiter: Als erste Händler schafften sie die Einwegplastiktüte komplett ab. Im Frühjahr 2017 folgte Lidl als erster Discounter. Auch andere Unternehmen wie Penny oder Real schlossen sich an.

Nur einer fehlte bisher beim Wettbewerb der Umweltschützer: der Discount-Primus Aldi, der ansonsten von Photovoltaikanlagen bis zum Pflanzen von Bäumen jede Gelegenheit nutzt, sich als nachhaltiges Unternehmen zu präsentieren. Sowohl die Nord- wie die Südschwester verkaufen weiterhin Plastiktüten – ab zehn Cent für die einfachste Variante. Damit bietet Aldi auch bei den Tragetaschen die günstigsten Preise bundesweit.

Doch damit soll bald Schluss sein. Ab Oktober wollen auch Aldi Süd und Aldi Nord schrittweise keine Einwegtüten mehr anbieten. „Mit der Entscheidung gehen wir einen weiteren Schritt Richtung Zukunft in Sachen nachhaltiges Handeln“, sagt Rayk Mende, Geschäftsführer Corporate Responsibility bei Aldi Nord. Die komplette Umstellung will der Discounter bis Ende 2018 abschließen. Die Unternehmen begründen die lange Übergangszeit mit bestehenden Lieferantenverträgen.

Doch dafür wollen die Aldi-Manager mehr erreichen als die Konkurrenz. Denn als bisher einziger Lebensmittelhändler wollen sie die Plastiktüte nicht durch eine Papiertüte ersetzen, sondern auf Mehrweg umsteigen. „Wir gehen ganz bewusst einen Schritt weiter und verzichten nicht nur auf umweltbelastende Plastik-Wegwerftüten, sondern auch auf die vielerorts gängigen Papiervarianten“, sagt Philipp Skorning, im Einkauf von Aldi Süd für Qualitätswesen und Corporate Responsibility zuständig. Denn die Papiertüten, so Skorning, böten nach jetzigem Stand der Technik keine Alternative.

In der Tat zweifeln viele Experten, dass die Papiertüte wirklich umweltfreundlicher ist als die Plastiktüte. Da für ihre Herstellung mehr Wasser und mehr Energie verbraucht wird, muss sie mindestens dreimal verwendet werden, um ökologisch sinnvoller zu sein als eine Einwegplastiktüte. Deswegen hat auch das Umweltbundesamt bereits gefordert, komplett auf Einwegtüten zu verzichten: „Als äußerst kurzlebige Produkte sollten sie aus Abfallgesichtspunkten generell vermieden werden, unabhängig von dem Material, aus dem diese bestehen.“

Der Kampf gegen die Plastiktüte begann im April 2015 mit einer EU-Richtlinie. Sie schreibt den Staaten vor, den Verbrauch von Tüten zu reduzieren. Bis Ende 2019 sollte er auf 90, bis Ende 2025 auf maximal 40 Tüten pro Kopf und Jahr sinken. Das Umweltministerium schloss daraufhin mit einem Teil der deutschen Handelsunternehmen eine Vereinbarung, nach der Plastiktüten nicht mehr kostenlos abgegeben werden dürfen. Nach Angaben des Handelsverbands HDE haben sich mittlerweile 350 Händler angeschlossen, die 41 Prozent des Handels abdecken.

Umweltschützer kritisieren die freiwillige Vereinbarung und fordern ein komplettes Verbot, wie es etwa schon in Italien und Frankreich besteht. Dabei hat selbst die freiwillige Vereinbarung durchaus Erfolge gezeigt. Lag der Verbrauch in Deutschland bei Verabschiedung der EU-Richtlinie noch bei 70 Tüten pro Kopf, sank er in der Folge auf jetzt rund 45 Tüten.

Viele Händler haben mittlerweile ein umfangreiches Sortiment an Tragetaschen. So hat Rewe beispielsweise neben dem Baumwoll- und dem Jutebeutel sowie der Papiertüte auch eine sogenannte Permanenttragetasche im Angebot, die aus zwei recycelten PET-Flaschen hergestellt wurde.

Auch Aldi will als Alternative zur Einwegtüte eine „neue langlebige Tragetasche aus über 80 Prozent Recycling-Material“ einführen, wie das Unternehmen stolz verkündet. Was der Kunde dafür zahlen muss, steht noch nicht fest, aber klar ist, dass sie die „preisgünstigste Alternative im bestehenden Mehrwegtaschenangebot“ sein soll. Dann bleibt nur zu hoffen, dass Kunden sie trotzdem mehrfach benutzen.

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

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