Discounter Das Comeback von Aldi und Lidl

In den vergangenen Jahren sah es aus, als ginge den Discountern die Luft aus. Nun können die Billigsupermärkte verlorenen Boden zurückgewinnen. Und spielen ihre Marktmacht umso mehr aus.
Update: 24.01.2014 - 13:39 Uhr 1 Kommentar
Das Wiedererstarken der Discounter ist kein Zufall. Vor allem Aldi und Lidl haben zuletzt Millionen in die Modernisierung von Filialen und Sortiment gesteckt. Quelle: ap

Das Wiedererstarken der Discounter ist kein Zufall. Vor allem Aldi und Lidl haben zuletzt Millionen in die Modernisierung von Filialen und Sortiment gesteckt.

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DüsseldorfComeback für Aldi und Co.: Nach einer Schwächephase gewinnen die Discounter in Deutschland wieder an Boden. Im vergangenen Jahr steigerten sie nach Berechnungen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ihren Marktanteil auf fast 44 Prozent. Dabei hatte es noch bis Mitte 2012 so ausgesehen, als hätten Rewe, Edeka und Co. den Siegeszug der Billiganbieter gestoppt.

Doch das ist Vergangenheit. „Was wir in den zurückliegenden Jahren erlebt haben, war eine kleine Wachstumsdelle, nicht das Ende des Wachstums der Discounter. Aldi und Co. stoßen immer noch auf ein empfängliches Umfeld in Deutschland“, erklärt Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Rhein-Sieg.

Das Wiedererstarken der Discounter ist kein Zufall. Vor allem Aldi und Lidl haben zuletzt Millionen in die Modernisierung von Filialen und Sortiment gesteckt. So wurden Tausende von Geschäften mit Backstationen ausgerüstet. Auch ihr Frischeangebot - egal ob Obst und Gemüse, Fleisch oder Fisch - haben die Billiganbieter Schritt für Schritt ausgeweitet. Mit Erfolg. „Es gibt eine starke Wanderungsbewegung vom Fachhandel zum Discounter - auf Kosten von Bäckereien, aber auch von Metzgern oder Gemüsehändlern“, sagt GfK-Handelsexperte Wolfgang Adlwarth.

Doch geht das Comeback der Billigheimer nach den Zahlen der GfK nicht auf Kosten der „klassischen“ Supermärkte. Vor allem Edeka und Rewe lieferten sich weiterhin ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Discountern, meint Adlwarth. Verlierer in der Verbrauchergunst sind vor allem die SB-Warenhäuser. Sie hätten aufgrund der Sortimentsausweitung der Konkurrenten in den vergangenen Jahren viel an Attraktivität verloren und litten außerdem im Non-Food-Bereich unter der Online-Konkurrenz, erklärt der Experte.

Nicht nur billig

Die starken Marken hinter den Aldi-Etiketten
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Martina Schneider hat zu Beginn dieses Jahres das Aldi-Sortiment getestet. Von Süßigkeiten bis zu Hygieneartikeln war alles im Testeinkaufswagen. In ihrem Buch "Aldi - welche Marke steckt dahinter" stellt sie Produktklassiker und deren Firmenverflechtungen vor. Foto: dpa

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"Katjes-jes-jes-jes" - ebenso süß wie Heidi Klum und ihre Yoghurt Gums von Katjes sind die Joghut Früchtchen von Sweetland. Übrigens auch genauso fettfrei. Die Verwandtschaft ist kein Zufall. Gehört doch das Label Sweetland zum Hause Katjes Fassin. Katjes setzt Schätzungen zufolge rund die Hälfte seiner Produktion über Aldi ab. Foto: dpa

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Der traditionsreiche Bäcker Burger, der seit 2001 zum Zwieback-Riesen Brandt gehört, produziert Knäckebrot. Unter anderem auch für Aldi. Auf dem Etikett ist aber die Firma "good food" gelistet. Die hat ihren Sitz in der Niegripper Chaussee 7 in Burg. Das ist auch die Anschrift den Unternehmens Burger. Foto: Brandt Zwieback

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Leibniz-Kekse sind nur echt, wenn die Ränder mit 52 Zähnen geschmückt sind und wenn Bahlsen auf der Packung steht. Aber zum Verwechseln ähnliche Plätzchen hat auch die Firma Biscotto im Angebot. Die Produkte der Aldi-Hausmarke kosten nur die Hälfte vom Preis der Leibniz-Kekse. Die Marke Biscotto wurde von Bahlsen entwickelt und angemeldet. 2007 kaufte Aldi die Rechte an dem Namen. Beide Firmen sitzen in Hannover. Foto: dpa

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"Alles Müller - oder was?" Ohne Frage ist die Buttermilch von Müllermilch auch im Aldi-Sortiment zu finden. Die größte Privatmolkerei Deutschlands beliefert seit Jahren den Discounter. Die Großhandelsgesellschaft T.M.A. wickelt die Geschäfte ab. Milsani Reine Buttermilch und Milfina Reine Buttermilch heißen die Müller-Produkte bei Aldi Nord beziehungsweise Aldi Süd. Foto: dpa

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"Grandessa Premium Eiskrem Vanille mit echter Bourbon-Vanille" ist nicht nur ein klangvoller Name für einen 2500 Gramm schwere Packung Eis. Dahinter verbirgt sich auch ein Spitzenprodukt, bei dessen Zubereitung beste Zutaten benutzt werden. Hinter der Firma Prima Eis, die offiziell Aldi Nord beliefert, steckt der Eiscremespezialist Roncadin. Der produziert unter anderem auch das Eis für Landliebe. Foto: dpa

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Wer am Sonntag warme Brötchen haben möchte, kann zum Bäcker gehen oder sich bereits am Samstag bei Aldi Nord mit Aufbackbrötchen von Goldähren eindecken. Hinter Goldähren steht der Branchenriese Harry-Brot. Der beliefert neben Aldi noch 9000 Einzelhandelsgeschäfte und 5000 Backstationen. Foto: dpa

Beim Versuch die Attraktivität für Kunden zu steigern und die Umsätze anzukurbeln, haben die Discounter viele alte Zöpfe abgeschnitten. So bietet Aldi inzwischen deutlich mehr Markenprodukte an. Die Aufnahme von Coca-Cola, Fanta und Sprite ins Angebot kurbelte das Geschäft kräftig an. Lidl punktete im Weihnachtstrubel mit Premium-Angeboten für seine Kunden.

Denn billig sein, ist längst nicht mehr das alleinige Erfolgsrezept von Aldi und Co.. Im Gegenteil: Die Discounter bemühen sich recht erfolgreich darum, ihren Kunden etwas teurere Produkte zu verkaufen. Nur noch gut vier von zehn Euro verdienen Aldi, Lidl und Co. laut GfK im Preiseinstiegsbereich. Eine immer größere Rolle spielen Angebote mit „Mehrwert“ - etwa Bioprodukte oder Waren aus regionalem Anbau, für die der Käufer etwas tiefer in die Tasche greifen muss.

Und ein Ende des Siegeszuges der Discounter ist wohl nicht in Sicht. Auch im neuen Jahr kämpfen sie aggressiv um Marktanteile. Das zeigt nicht zuletzt Marktführer Aldi, der zurzeit praktisch im Wochentakt mit Rotstiftaktionen wirbt, um sein Preisimage zu schärfen.

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  • dpa
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1 Kommentar zu "Discounter: Das Comeback von Aldi und Lidl"

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  • Die GFK ist ein Garant für falsche Zahlen, genauso wie übrigens der IFO-Index, dessen Fragebogen immer häufiger nicht von den Leuten ausgefüllt werden, die es eigentlich tun sollten.

    Zurück zur GFK. Das ist nichts weiter als eine Jubelperser-Organisation, ein Einpeitscher, der die Leute in die Märkte locken soll.

    Alle Jahre wieder vor Weihnachten hören wir von denen, dass der Kaufrausch alles übertrifft, was man bisher erlebt hat.

    Spätestens im Januar kommt dann von den Handelsorganisationen, nicht von der GFK, die kleinlaute Meldung, dass die Umsätze, wie in den vergangenen Jahren rückläufig sind.

    Wer wissen will, ob die Discounter oder Rewe und Co. das Geschäft machen, muß nur einmal die Belegung der Parkplätze der Unternehmen anschauen.

    Dazu braucht man aber nicht die GFK mit ihren Falschmeldungen.

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