Discounter entschuldigt sich wegen Übrwachungsmethoden
Aufruf zu Schadenersatzklagen gegen Lidl

Der Lebensmitteldiscounter Lidl hat sich am Donnerstag bei seinen Mitarbeitern wegen der in mehreren Filialen aufgedeckten Überwachungsmethoden entschuldigt. Politiker, Gewerkschaften und Verbände der Wirtschaft protestierten weiter gegen die Maßnahmen und riefen Betroffene sogar zum Handeln auf.

HB NECKARSULM. In einem Brief der Lidl-Geschäftsführung an die Mitarbeiter heißt es: „Wenn Sie sich in Misskredit gebracht und persönlich verletzt fühlen, so bedauern wir dies außerordentlich und entschuldigen uns dafür bei Ihnen.“ Das Schreiben ist nach Lidl-Angaben an alle 48 000 Mitarbeiter in Deutschland gegangen. Lidl teilte mit, „Inventurkontrollen“, bei denen Detekteien eingesetzt worden seien, habe es in etwa 200 Lidl-Filialen in Deutschland gegeben. Das entspreche etwa acht Prozent des deutschen Filialnetzes. Die Lidl-Sprecherin sagte, es sei um „Warensicherungsmaßnahmen“ gegangen.

Lidl soll Beschäftigte in zahlreichen Filialen systematisch überwacht haben, hatte das Magazin „Stern“ am Mittwoch berichtet. Über zahlreiche Überwachungskameras sei registriert worden, wann und wie häufig Mitarbeiter auf die Toilette gehen, wer mit wem möglicherweise ein Liebesverhältnis hat und wer nach Ansicht der Überwacher unfähig ist oder einfach nur „introvertiert und naiv wirkt“.

Der Ethikverband der Deutschen Wirtschaft rügte, bei Lidl sei ethisches Bewusstsein mit Füßen getreten worden: „Menschen zu bespitzeln ist weder fair noch bei einem berechtigten Interesse an Kontrolle in dieser Form nachvollziehbar.“ Die Gewerkschaft Verdi sprach von einer Verletzung der Grundrechte. Die Grünen forderten Sanktionen gegen Lidl, da nach ihrer Auffassung gegen den Datenschutz verstoßen wurde. Verdi prangert schon seit Jahren Methoden an, mit denen sich Lidl aus Sicht der Gewerkschaft gegen die Bestellung von Betriebsräten wehrt und hat darüber auch ein „Schwarzbuch“ veröffentlicht. Lidl selbst erklärte, künftig keine Detektivbüros mehr mit der Überwachung der Filialen zu beauftragen.

Die stellvertretende Verdi-Bundesvorsitzende Margret Mönig-Raane rief nach Angaben von Stern.de betroffene Lidl-Mitarbeiter zu Schadenersatzklagen gegen den Discounter auf.

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