Discounter eröffnet erste Märkte in der Schweiz
Aldi für die Eidgenossen

Der deutsche Discounter Aldi will voraussichtlich schon in diesem Monat seinen ersten Markt in der Schweiz eröffnen. Nach Handelsblatt-Informationen sollen dann in schneller Folge noch dieses Jahr bis zu zehn weitere Märkte entstehen. Dabei ist die Expansion in den Nicht-EU-Marktist mit zahlreichen Hürden verbunden.

oli WEINFELDEN. Im nächsten Jahr soll nach Möglichkeit noch einmal eine zweistellige Zahl an Aldi-Niederlassungen in der Schweiz hinzu kommen. Einer der ersten Märkte wird in Weinfelden unweit der deutsch-schweizerischen Grenze eröffnet. Dort könne es morgen losgehen, bestätigte Aldi-Schweiz Sprecher Sven Bradke. Er gibt offiziell den November als Eröffnungsmonat an. Zur Zahl der Märkte macht er keine Angaben.

Der Eintritt in den Nicht-EU-Markt Schweiz ist für Aldi-Süd, der die Expansion betreibt, mit zahlreichen Hürden verbunden. Dabei geht es nicht nur um hohe Zölle, die die Einfuhr von Waren verteuern, sondern auch um kostentreibende Vorschriften: So verlangt der Gesetzgeber in der mehrsprachigen Schweiz beispielsweise, dass jede Lebensmittelverpackung in allen drei Landessprachen bedruckt wird. Dazu kommt ein Markt, den sich zu mehr als 80 Prozent drei Handelsketten teilen: Migros, Coop und Denner. Von den dreien tritt nur Denner als billiger Discounter auf. Die Platzhirsche versuchen alles, um ihre Marktanteile gegenüber den Deutschen zu verteidigen.

Lieferanten, die sie beliefern, hatten Mühe ihre Auftraggeber davon zu überzeugen, künftig auch mit Aldi Geschäfte machen zu dürfen. So berichtet der Präsident des Schweizer Bauernverbands Hansjörg Walter vom „Druck der Großverteiler“ auf die Landwirte. Ziel sei gewesen, dass Aldi nicht beliefert werden sollte. Auch für Aldi selbst war die Suche nach Lieferanten schwierig, weil nicht alle die Qualitätsansprüche des Discounters erfüllten. „Wir lassen uns nicht mit zweiter Wahl abspeisen“, sagte Bradke.

„Hard-Discounter“-Strategie gibt es in der Schweiz bisher nicht

Nachdem der Lieferboykott fehlgeschlagen war, zettelte die größte Schweizer Gewerkschaft Unia eine Diskussion um die angeblich zu niedrigen Löhne an, die Aldi zahlen werde. Die Deutschen konnten diese Diskussion nur beenden, indem sie schließlich die Löhne bekannt gaben, die mit umgerechnet knapp 2 500 Euro im ersten Anstellungsjahr die hohen Schweizer Löhne sogar übertreffen.

Für den deutschen Discounter bedeuten die unerwartet großen Hürden, dass er in der Schweiz nicht die gleichen Preise anbieten kann, wie in seinem Heimatland. Die Expansion wurde dennoch vor dem Hintergrund vorangetrieben, dass in Deutschland die Zuwachsraten von Aldi zurückgehen werden und sich der überschaubare Schweizer Markt auch dafür eignet, neue Konzepte auszuprobieren. Man werde ein typisches Schweizer Sortiment anbieten, sagte Aldi-Sprecher Bradke. Das Angebot in den Märkten werde sich aber deutlich von dem der Schweizer Supermärkte unterscheiden, schon allein weil Aldi sich auf ein beschränktes Sortiment und die übliche karge Präsentation der Waren konzentrieren werde. Diese so genannte „Hard-Discounter“-Strategie gibt es in der Schweiz bisher nicht.

Seit der Ankündigung von Aldi, den Schweizer Markt bearbeiten zu wollen, liefern sich die Schweizer Einzelhändler einen Preiskrieg. Einzelhandelsexperten wie Unternehmensberater Gotthard Wangler warnen bereits vor einer Zeit, in der auch in der Schweiz die Margen im Einzelhandel so gering sind, dass der Händler nur noch zum „Geldwechsler“ wird.

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