Discounter-Expansion
Wie Aldi die Welt erobert

Wird die ganze Welt zum Aldi-Land? Die Expansionsstrategen des Discounter-Duos spannen die Filialnetze immer weiter aus. Doch nur eines der beiden Unternehmen ist im Ausland tatsächlich erfolgreich.
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DüsseldorfAls Janel das erste Mal im Aldi-Markt an der Grayson Road in Harrisburg/Pennsylvania einkauft, braucht sie eine Gebrauchsanweisung. Eine Viertel-Dollar-Münze soll sie in den kleinen Schlitz des Einkaufswagens schieben, liest sie auf dem Schild am Ladeneingang – und wundert sich.

Als die Amerikanerin den ausgelösten Einkaufswagen durch die geöffnete Schiebetür aus Glas bugsiert, stellt sie verstört fest, dass niemand hinter den Kassen steht, der gekaufte Waren, wie sonst immer, in braune Gratis-Tragetüten stopft. All das ist ihr aus dem Wal-Mart unbekannt, wo sie üblicherweise ihre Einkäufe erledigt. Janel, die sich bei Youtube „The Good Deal Mama“ nennt, war so erstaunt, dass sie über ihren ersten Kontakt mit dem Discounter-Weltreich der Gebrüder Albrecht ein Video drehte und ins Netz stellte. Nun lernt Amerika im Internet, was den Discount-König aus Germany so erfolgreich gemacht hat – und was ihn immer größer werden lässt.

Die einst reichsten Deutschen, die Aldi-Gründer Karl und Theo Albrecht, gelten über ihren Tod hinaus als die größten Pioniere des deutschen Einzelhandels. Sie haben mit ihren beiden Unternehmen Aldi Nord und Aldi Süd das Discount-Prinzip im Lebensmittelhandel zunächst in Deutschland perfektioniert: Übersichtliches Angebot zu Niedrigstpreisen. Eine Sorte Seife, nicht sieben, zwei Sorten Nudeln, nicht neun. Doch mittlerweile lehren sie die ganze Welt das sparsame Einkaufen.

Das Imperium der Brüder umfasst derzeit rund 10.350 Filialen in 17 Ländern, schätzt Denise Klug, Handelsanalystin bei Planet Retail. Und das nicht nur in Europa. Auch in den Vereinigten Staaten können die Kunden schon heute in mehr als 1300 Filialen entlang der Ostküste abgepacktes Gemüse, Müsli und Brot kaufen. Bis 2018 sollen sogar noch 650 Märkte dazukommen. Derzeit beläuft sich der geschätzte Umsatz im US-Geschäft allein auf sechs Milliarden Euro.

Selbst Schnäppchenjäger in Down Under treiben die Billigheimer zunehmend in ihre Läden. 2001 hatte Aldi Süd seine ersten beiden Läden in Sydney eröffnete, derzeit sind es rund 450. Eine Aldi-ähnliche Kette namens Franklins hatte sich dort zuvor nie durchgesetzt. „Der Eintritt von Aldi hat den australischen Lebensmittelmarkt gehörig aufgemischt“, sagt Klug.

Innerhalb von nur drei Jahren hat Aldi den Vorsteuergewinn in Australien auf 174 Millionen Euro mehr als verdoppelt, wie aus einer Mitteilung vom Montag hervorgeht. Der Discounter plant angeblich, dort in Zukunft 500 bis 600 Läden zu betreiben. Down Under will Aldi Süd dafür weitere zwei Milliarden Euro investieren.

Nicht die einzige Großinvestition. Noch in diesem Jahr sollen in Großbritannien weitere 60 Filialen entstehen. 557 gibt es dort bereits – genug, um den einst stolzen Lebensmittelriesen Tesco in die roten Zahlen zu treiben.

Das Aldi-Imperium soll sich Brancheninsidern zufolge demnächst auch auf China ausdehnen. Gleichzeitig wird Italien aldisiert – alles unter der Regie von Aldi Süd.

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