Discounter setzt Preissenkungen durch
Aldi behauptet sich als größter deutscher Weinhändler

Der größte deutsche Weinhändler bleibt der Discounter Aldi. Gegenüber 2004 hat der Discountprimus im vergangenen Jahr 3,4 Prozent mehr Wein verkauft und liegt mit einem Anteil von 26,5 Prozent in der Absatzstatistik vor allen anderen Geschäftstypen.

ire DÜSSELDORF. Selbst große Verbrauchermärkte oder SB-Warenhäuser setzen nur jeweils etwa zehn Prozent der Gesamtmenge ab. Dies hat das Marktforschungsunternehmen AC Nielsen ermittelt. Die Absatzgewinne erkaufte sich Aldi (Nord wie Süd) aber mit zum Teil erheblichen Preissenkungen und verlor nach AC Nielsen gegenüber dem Vorjahr 3,1 Prozent des Jahresumsatzes. Mit einem Umsatzanteil von 22 Prozent erzielte Aldi rund 510 Mill. Euro mit Rebensaft aus dem In- und Ausland. Dabei sank der Durchschnittspreis für eine Flasche Wein 2005 von 1,80 auf 1,69 Euro.

Diese Preisentwicklung dürfte vor allem den rund 3 000 Ausstellern der am kommenden Sonntag (26.3.) in Düsseldorf beginnenden Fachmesse Prowein die Tränen in die Augen treiben, denn mehr als die Hälfte des Weines findet in Deutschland über die Discounter den Weg in die Karaffen der Verbraucher.

Gute Chancen für deutsche Spitzenweine erhoffen sich die ausstellenden Winzer deshalb in erster Linie im Ausland. „Interessante Märkte für die Zukunft“ sieht beispielsweise Steffen Christmann, stellvertretender Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Prädikatsweingüter der Pfalz, „vor allem in den skandinavischen Ländern und den Benelux-Staaten.“

Der deutsche Qualitätsweinbau fokussiert sich wegen des anhaltenden Preisverfalls immer mehr auf „Erste“ oder „Große Gewächse“, vergleichbar mit den französischen „Premier“ oder „Grand Crus“. Neue, erfrischende Geschmackstöne haben Zusammenschlüsse junger deutscher Weinbauern wie „Message in a Bottle“ oder „Südpfalz-Connexion“ in die deutsche Winzerszene gebracht. Sie könnten davon profitieren, dass der Weinkonsum in Deutschland – wie im Rest der Welt – weiter moderat wächst.

Über die Überkapazitäten, die vor allem aus den USA, aus Australien, Chile, Kalifornien und Südafrika, auf den Weltmarkt drängen, freuen sich vor allem die Verbraucher. Denn auch die Spitzenweine aus Chile und Australien kommen jetzt voraussichtlich für Flaschenpreise von deutlich unter drei Euro in den Handel.

Auf der Erzeugerseite haben allein die französischen Bordeaux-Winzer Grund zur Freude. Nach Weinen des exzellenten Jahrgangs 2005 herrscht jetzt schon große Nachfrage. Weinkenner rechnen damit, dass ein „Château Margaux“ oder „Mouton Rothschild“ nicht unter 250 Euro pro Flasche zu haben sein wird, wenn er frühestens ab 2008 auf den Markt kommt. Das setzt allerdings voraus, dass japanische oder US-amerikanische Weinliebhaber sowie auf Spitzenweine spezialisierte Fonds überhaupt noch etwas übrig lassen. Selbst einfache lagerfähige Bordeaux-Weine dürften nach Ansicht von Experten noch Flaschenpreise von 20 bis 40 Euro erzielen.

Doch auch in Bordeaux gibt es für den Verbraucher noch preisliche Alternativen. „Qualität und Preis müssen stimmen“, sagt Bruno Boucher, Exportleiter beim Weinhandelshaus Producta. Man wolle sich bewusst von der Tradition Bordelaiser Lagerweine abheben. „Gefragt ist sofortiges Trinkvergnügen“, weiß Boucher.

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