Discountertochter in Ungarn verkauft
Tengelmann macht Kasse bei Plus

Die Unternehmensgruppe Tengelmann trennt sich von weiteren ausländischen Plus-Filialen. Die ungarische Tochter geht an Spar Ungarn, teilte Tengelmann am Montag mit. Der Mülheimer Handelskonzern erwartet noch vor Ostern mindestens einen weiteren Teilverkauf seiner Discountkette. Der stückweise Verkauf erweist sich als Geldbringer.

Cs/HB DÜSSELDORF. Gereizt reißt sich Rewe -Vorstandschef Alain Caparros sein Jackett vom Leib und hält es Tengelmann -Mitinhaber Karl-Erivan Haub unter die Nase. "Das wollen Sie bestimmt auch noch von mir haben", blafft er den Mülheimer Wettbewerber an.

Was sich am 9. November in Berlin bei der Verleihung des Branchen-Oskars "Goldener Zuckerhut" abspielte, hatte einen triftigen Grund, wie sich im Nachhinein zeigt. Durch kluges Verhandlungsgeschick nämlich hat Tengelmann beim Verkauf seiner Plus-Filialen nicht nur die Nerven zahlreicher Kaufinteressenten wie Rewe blank gelegt. Nach Informationen des Handelsblatts schaffte es der Mülheimer Familienunternehmer außerdem, für den defizitären Discounter bislang 2,1 Mrd. Euro einzusammeln. Dabei stehen die Verkäufe von vier Landesgesellschaften sogar noch aus.

Am Montag teilte Tengelmann nun mit, dass Spar Ungarn, eine Tochter des in Familienbesitz befindlichen Spar-Unternehmens in Österreich, die ungarischen Plus-Filialen kaufen wird. Angaben zum Preis machte der Mülheimer Handelskonzern nicht. Weil der Discountmarkt in Ungarn gesättigt ist, hatte es in Verhandlungskreisen geheißen, sei die Zahl der Bieter in diesem Land am höchsten gewesen. Es herrscht Verdrängungswettbewerb, Marktanteile kann man nur noch zukaufen.

Plus ist seit 1992 in Ungarn tätig und zählt dort derzeit 174 Filialen. Das Unternehmen erzielte im Geschäftsjahr 2006/2007 mit rund 2 300 Mitarbeitern einen Brutto-Umsatz von 402 Millionen Euro. Durch den Zusammenschluss kommt Spar in Ungarn auf insgesamt 378 Filialen und beschäftigt rund 13 000 Mitarbeiter.

Vermutlich noch vor Ostern wird auch die Gesellschaft in Österreich einen neuen Eigentümer finden, erfuhr das Handelsblatt aus Verhandlungskreisen. Mit den Veräußerungen in Bulgarien und Rumänien will man sich bis zum Jahresende Zeit lassen. Vor allem in Bulgarien, wo die im Bau befindlichen Filialen noch vor der Eröffnung stehen, will man Kaufinteressenten erst einmal konkrete Umsatzzahlen vorweisen können. Das stärke die Verhandlungsposition, heißt es.

Bei Tengelmann äußert man sich auf Anfrage zu diesen Dingen offiziell nicht. Das würde die laufenden Verhandlungen gefährden, sagt eine Konzernsprecherin.

Nach dem Vorabverkauf der hochdefizitären Plus-Gesellschaft in Spanien an Carrefour hatten viele in der Branche zunächst damit gerechnet, Tengelmann würde den Rest seiner 9,6 Mrd. Euro schweren Discounttochter en bloc abgeben. Am Ende aber überredete Alegro-Geschäftsführer Christian Bergmann, Partner der Londoner M&A-Beratung Alegro Capital, Tengelmann -Chef Haub, Ende November lediglich das Deutschland-Geschäft zu veräußern.

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