Discountkönig Aldi testet die Rückkehr zur Getränkedose
Die Dose kehrt zurück

Schon vor dem Start des bundesweiten Rücknahmesystems kehren die umstrittenen Einweggetränkeverpackungen zurück in die Läden.

DÜSSELDORF. Auf den deutschen Einzelhandel rollt erneut eine Welle von Getränkedosen zu. Schon zehn Monate bevor das bundesweite Rücknahmesystem für Einweggetränkeverpackungen an den Start gehen soll, räumen die Handelskonzerne die umstrittenen Weißblechbehälter wieder in die Regale. „Die Dose steht vor einem Comeback“, sagt Gerhard Boller, Verpackungsexperte beim Frankfurter Marktforscher AC Nielsen.

Zuletzt kehrten die Cash-and-Carry-Märkte der Metro zur einstigen Ex-und-Hopp-Verpackung zurück, für die Verbraucher seit 2003 ein Pfand von 25 Cent hinterlegen müssen. Mit den Biermarken „Felsgold“ und „Warsteiner“ machten die Großhandelsmärkte Anfang Juli den Anfang, in den kommenden Wochen werden „Erdinger“, „Holsten“ und „Beck’s“ folgen. „Bier in PET-Flaschen hat sich nicht durchgesetzt“, begründet ein Konzernsprecher den Rückgriff auf die Dose. Womöglich werde man bald auch wieder Bierdosen in die Regale der Extra-Verbrauchermärkte und Real-SB-Warenhäuser stellen.

Verantwortlich für die Renaissance der Dose sind vor allem Deutschlands Discounter. Sie hatten nach dem Start des Pflichtpfands die beliebten Trinkbehälter komplett aus ihren Läden geräumt und daraufhin empfindliche Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. Gleichzeitig brach in Deutschland der Dosenverkauf ein. Statt acht Milliarden verkauften Deutschlands Händler im letzten Jahr von ihnen nur noch 500 Millionen.

Der Umstieg auf PET-Flaschen, die durch ihre unverwechselbaren Formen so genannte Insellösungen erlaubten, blieb für die Discounter enttäuschend. Zwar gestattete Umweltminister Jürgen Trittin damit den Billigketten bis Mai 2006, die Rücknahme fremder Einweggetränkeverpackungen zu verweigern, das PET-Bier aber entwickelte sich zum Ladenhüter. Seit Herbst stagniert der Marktanteil laut AC Nielsen gerade einmal bei sechs Prozent. Im Sommer 2004 kehrten die Bierbüchsen deshalb zurück. Während sich Lidl bei Hasseröder und Veltins eindeckte, orderte Wettbewerber Plus Halbliterdosen bei Bitburger.

Dass Kunden bislang nur bei denjenigen Ketten das Pfandgeld zurückerhalten, wo sie die Getränke gekauft haben, nehmen Deutschlands Verbraucher offenbar zunehmend hin. Beim Kiosk- und Tankstellenlieferanten Lekkerland liegen die Dosenverkäufe 2005 deutlich über den Zahlen des Vorjahres. Im Unternehmen ist die Rede von Zuwächsen „im unteren zweistelligen Prozentbereich“. Stärker noch fällt der Anstieg bei Veltins aus. Die Brauerei verkaufte bis einschließlich Juni 60 Prozent mehr Bierdosen als im ersten Halbjahr 2004.

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