Diskussion über Mindestlohn Die Kehrseite der Lidl-Lohnerhöhung

Die Supermarktkette Lidl erhöht die Löhne. Mindestens elf Euro gibt es seit August für jeden Beschäftigten. Doch die Meldung darüber stößt nicht nur auf Gegenliebe, über die Beschäftigungsbedingungen wird diskutiert.
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Lidl-Mitarbeiter bei einem Firmenlauf: Von Schlecker gelernt? Quelle: dpa

Lidl-Mitarbeiter bei einem Firmenlauf: Von Schlecker gelernt?

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Höhe der Löhne kann für Einzelhändler überlebenswichtig sein. Als Vorwürfe gegen die mittlerweile insolvente Drogeriemarktkette Schlecker laut geworden waren, in den Filialen würden Mitarbeiter teils zu sehr niedrigen Löhnen beschäftigt, hatte das eine nachhaltig negative Wirkung auf das Unternehmen. Viele Kunden blieben aus, der Wechsel zur Konkurrenz war für viele Käufer sehr einfach möglich. In vielen Städten balgen sich viele Ketten um die Kundschaft.

Mit einem firmeneigenen Mindestlohn versucht der Discounter Lidl, sich vorsorglich solchen Diskussionen zu entziehen. Anfang des Monats kletterte das niedrigste Salär für Mitarbeiter auf elf Euro pro Stunde – zur gleichen Zeit trat für das Friseurgewerbe ein Mindestlohn von 7,50 Euro (im Westen Deutschlands) in Kraft, der bis auf 8,50 Euro steigen wird. Für Gerüstbauer gibt es mindestens zehn Euro. Eine Umfrage des ZDF Politikbarometers ergab, dass rund 84 Prozent der Befragten die Einführung eines Mindestlohns von 8,50 Euro befürworten.

Als nun Lidl ankündigte, seine neue Mindestschwelle ankündigte, hätte die Freude also eigentlich groß sein müssen. Doch die über die Facebook-Seite des Discounters verbreitete Nachricht traf auf Kritik – obwohl sogar die Gewerkschaft Verdi die Entscheidung lobt als einen Schritt, der für die Beschäftigten eine Verbesserung bedeute.

Das Problem: Lidl hängt unter anderem auch der Vorwurf an, keine älteren Mitarbeiter einzustellen, wie eine Kommentatorin anmerkt. Außerdem würden die Mitarbeiter schlecht behandelt. Eine Frau berichtet davon, schlechte Stimmung unter den Mitarbeitern beobachtet zu haben und dass sie deswegen „nicht mal für 11 Euro die Stunde“ bei Lidl arbeiten wolle.

Wieder andere Kommentatoren schreiben, dass der vermeintlich großzügige Lohn darüber hinwegtäusche, das die Anforderungen an die Beschäftigten auch extrem seien, was etwa die geforderte zeitliche Flexibilität angesichts langer Öffnungszeiten betrifft. „Putzkraft, Kassierkraft, Lagerkraft, Logistikkraft, Backkraft, Regalauffüllkraft – alles in Einem für 11,00 Euro“, meint ein anderer.

Mitarbeiter springen in die Bresche
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22 Kommentare zu "Diskussion über Mindestlohn: Die Kehrseite der Lidl-Lohnerhöhung"

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  • "Ja, Geld ist genug da. Es muss nur gerechter verteilt werden."

    Ja,das wächst von selbst, am Baum der Erkenntnis? Und für die "gerechte" Verteilung sorgt das Zentralkommitee der Einheitspartei.^^
    Leistungsstreben, Anstrengung, Wettstreit der Ideen des Einzelnen - brauchen wir ja nicht, ist ja genug da, ist immer genug da, wir brauchen nur zu ernten (und natürlich für jeden das gleiche).

    Prima System - ich bin, also steht mir (...) zu:-)

  • Sorry, aber ich kenne inzwischen kein asozialeres Land, als Deutschland. Überall im EU-Ausland, das ich bereise, komme ich mir mit meinen Landsleuten wie ein Wirtschaftsflüchtling vor.

    --------------------------------------------------------

    Da muß ich Ihnen zu 100% zustimmen!! Deutschland ist das asozialste, bereits wieder faschistoideste Land in der EU. Deutschland hat soviel Geld und verteilt es nur an die, die eh schon genug haben!!

    Ich hatte mal 1992 Steuererklärung in einem Verein für Arbeiter/Angestellte mitgemacht. Seid Schröder ging es krass den Bach herunter! Der betrug an den Arbeitern/Angestellten wurde mittels bester Prpaganda ala Göppels in der BRD vertuscht!

    Die Deutschen sind einfach zu blöd sich ihre Rechte einzufordern, weil Untertan!! Hat was mit der Geschichte zu tun...dem Preußentum an sich. Ich glaube es gibt keine dümmeres Volk als die DEUTSCHEN :)...

  • @netshadow

    Sie machen wohl für Geld auch alles, was....tzzt...

  • Mehr Rückgrat wünsche ich den betroffenen Arbeitnehmer !

    Warum Sklavenlöhne ? Weil man es mit sich machen lässt !

    Wenn mir jemand so ein unseriöses Angebot machen würde,
    der lernt Fliegen, da bin ich mir sicher !!!

    Es ist erschreckend, das der Entzug von Leitplanken im Arbeitsrecht still hingenommen wird, das man sich ergibt.

    Sollte der LOBBY-POLITIK einfallen, noch ein paar wenige Leitplanken zu entfernen, dann sind wir im Mittelalter !

    Und ich befürchte, es unterwerfen sich immer noch genügend Arbeitnehmer. Wacht auf !

  • Da bin ich doch ausnahmsweise mal mit der FDP einer Meinung: Leistung muss sich wieder lohnen! Richtig so ...

  • In meiner "Klitsche" ging es ohne Kollegialität/Teamgeist nicht, denn die Projekte konnten nur gemeinsam ersonnen, erstellt und verkauft werden. Wer nicht ins Team paßte, ging von ganz alleine.
    Ich wußte aus meiner Studentenzeit, wenn der Zusammenhalt stimmt, kann man jede stupide Drecksarbeit machen.
    Mein Stundenlohn war damals 4,80 DM, davon habe ich mein Studium finanziert, Sie Trojaner.

  • KÖNNTE es sein, daß hier Einige auf die Lidl-Mitarbeiter neidisch sind? (o:)
    Na ja, dann weiß man ja, wer als Nächster bis zur Insolvenz boykottiert wird!

  • Die Heuchelei des Ekelprekariats hier ist unerträglich. Wenn euch das zuwenig ist, dürft ihr eben keine drei Pizzen für 2,49 kaufen, ansonsten ist das nicht darstellbar. Ihr könnt an der Kasse abstimmen, da kneift ihr aber. Ansonsten, ich reder jetzt eher von Aldi als von Lidl, aber wer derartig dem Kunden den Stinkefinger zeigt, hat auch nicht mehr verdient

  • Glaubt das Handelsblatt mit seiner lächerlichen Auflage von 124.000 Exemplaren, dass es Lidl die Stirn bieten kann? Flachbildhirnis gegen 38 Mrd. Euro Umsatz? Lidl hat ja schon fast so viele Filialen in Europa wie das umstrittene Handelsblatt Kioskverkäufe?
    Was ich bis heute nicht verstanden habe: Wo ist mein geldwerter Vorteil, wenn ich das Handelsblatt kaufe? Die meisten Artikel sind Schleichwerbung für obskuren Hersteller und Firmen, weil man von deren Werbebannern abhängig ist, der Rest DPA-Streaming.

    Mit "eigener Meinung" hat der Artikel rein gar nichts zu tun. Praktisch frodert der Autor, er möchte bitte in einer billigen Klitsche unter versifften Zuständen einkaufen. Warum nicht? Aber alle wollen das eben nicht.










  • +++ Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte "schreien" Sie die anderen Forumsteilnehmer nicht an und verzichten Sie auf die vollständige Großschreibung Ihrer Beiträge. Halten Sie sich an unsere Forenregeln: www.handelsblatt.com/netiquette +++

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