Diskussion um Medienberichterstattung
„Lebensmittel sind ein extrem emotionales Thema“

Die Lebensmittelbranche fühlt sich in Diskussionen oft missverstanden. In Berlin luden Vertreter deshalb zum Dialog ein. Es ging um die Fragen was Lobbyismus darf und was gute Medien ausmacht.

Berlin„Es gibt Sendungen, da weiß man vorher schon, dass unsere Botschaften nicht gehört werden.“ Stephan Nießner, Präsident des Spitzenverbands der Lebensmittelwirtschaft BLL ist nicht gut auf die Medien zu sprechen. Und damit steht er nicht allein: In Diskussionen etwa um Zucker in Kinderlebensmitteln und Pferdefleisch in der Lasagne sieht sich die Branche oft missverstanden. In Berlin luden die Interessenvertreter am Dienstag zum „Mediendialog“. Im Mittelpunkt die Frage: Was darf Lobbyismus? Und was macht gute Medien aus?

„Auch der Kampf um die beste Quote darf journalistische Standards nicht aufweichen“, forderte Nießner, im Hauptberuf Manager bei Ferrero. „So wie wir die Lebensmittelsicherheit über alles stellen, sollten die Journalisten ihren Ethos über alles stellen“, forderte er. Das sei allerdings nicht immer der Fall.

Der Kronzeuge für vermeintliche Unfairness bliebt jedoch überraschend gelassen: Claus Weselsky, vielgescholtener Chef der Lokführergewerkschaft GdL, berichtete zwar von rüden Methoden wie der Veröffentlichung seiner Privatadresse. Auch hätten viele Journalisten weniger Zeit, Standpunkte zu diskutieren. „Viele Meinungen waren vorgefertigt“, beklagte er sich – fast wie einst beim SED-Zentralorgan „Neues Deutschland“. Doch verbittert sei er nicht, halte weiter guten Kontakt zu den Medien, sagte Weselsky.

Der Vorsitzende der Journlistengewerkschaft DJV, Michael Konken, verwies auf mehr Arbeitsdruck bei sinkenden Auflagen und Anzeigenerlösen. Das mache zusammen mit dem Zeitdruck im Internet den Journalismus schlechter, vermutete der Medienanwalt Christian Schertz – auch bei den Qualitätsmedien. Seine These: Die Leser verlangten nach positiven Geschichten. Das habe der People-Journalismus mit Foto-Storys etwa über Promi-Hochzeiten bereits verstanden, jetzt müsse der politische und Wirtschaftsjournalismus nachziehen.

Die anwesenden Journalisten hielten dagegen: Es sei die Aufgabe des Journalismus, kritisch zu bleiben, sagte „Cicero“-Chefredakteur Christoph Schwennicke. Der Publizist Nikolaus Blome betonte, viele Medien seien heute deutlich besser als vor 20 Jahren – auch im Print.

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„Das Wort Lobbyismus ist zur Karikatur verkommen“

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