dm-Chef Erich Harsch: „Wir schauen bei dm wenig auf die anderen“

dm-Chef Erich Harsch
„Wir schauen bei dm wenig auf die anderen“

Erich Harsch erreicht mit seiner Drogeriekette seit Monaten zweistellige Zuwachsraten – nicht zuletzt auch wegen der Schleckerpleite. Die Verteilungskämpfe sind noch nicht vorbei. Der dm-Chef im Interview.
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Handelsblatt: Herr Harsch, Sie sehen in Deutschland Potenzial für weitere 800 bis 900 dm-Filialen. Trotzdem haben Sie Stand heute nur neun Läden von Schlecker und „Ihr Platz“ übernommen, angekündigt waren bis zu 80. Wie kommt das?

Erich Harsch: „Das liegt daran, dass der Insolvenzverwalter lieber größere Pakete schnüren wollte. Für uns aber bildete die Anzahl der Perlen kein Gegenwert für die im Angebot enthaltenen schlechten Standorte. Wir achten sehr darauf, dass wir ein gesundes Ladennetz haben. Es gab einfach nicht genug gute Objekte.“

Wurmt es Sie denn gar nicht, dass sich Ihr Verfolger Rossmann 100 „Ihr Platz“-Filialen gesichert hat – vor allem die hochfrequentierten Bahnhofsläden?

„Sicher gibt es ein paar Standorte, die wir gerne gehabt hätten. Aber die Bahnhofsfilialen haben auch viel höhere Aufwendungen als andere Läden, etwa wegen der längeren Öffnungszeiten. Das spielt mit eine Rolle.“

Trotzdem kämpfen Sie noch immer mit Rossmann um einzelne Filialen, etwa im hessischen Limburg an der Lahn ...

„Es gibt ein paar Vermieter ehemaliger Schlecker-Filialen, die lieber dm als Mieter hätten. Da werden wir uns natürlich bei den Objekten, die wir ohnehin haben wollten, nicht verschließen. Da freuen wir uns auch drüber, wenn wir dann doch noch am Ende des Tages den Zuschlag erhalten.“

Rossmann hat rund 2000 ehemalige Schlecker-Mitarbeiter eigenstellt. Und dm?

„Es sind geschätzt 800 Mitarbeiter – und dass, obwohl wir nur eine Handvoll Filialen übernommen haben.“

Viele Experten sagen, die Schlecker-Kunden zieht es eher zu Rossmann, da sie stark auf den Preis achten und von den Rabattaktionen angelockt werden ...

„Das halte ich für ein Märchen. Wenn die Schlecker-Kunden so sehr auf den Preis fixiert wären, dann hätten sie nicht über so viele Jahre 15 bis 20 Prozent Preisunterschied zu uns akzeptiert. Man darf die Menschen nicht für bescheiden erkenntnisreich halten, das wäre ein Fehler.“

Aber warum sind sie dann zu Schlecker gegangen?

„Ich denke, die meisten hatten nur einen Grund bei Schlecker zu kaufen: die Bequemlichkeit, weil die Läden meist um die Ecke lagen. Deswegen arbeiten wir intensiv daran, dass in den nächsten Jahren jeder Bundesbürger einen dm-Markt in erreichbarer Nähe findet.“

Wo fehlt Ihnen denn noch diese Nähe?

„Natürlich sind wir in den nördlichen Bundesländern, weil wir dort später angefangen haben, noch weniger dicht verbreitet. Wir betrachten aber Standort für Standort, deswegen kann ich das nicht pauschal beantworten. Viele machen den Fehler, zu mechanistisch zu arbeiten. Das wollen wir vermeiden.“

Wie stark schauen Sie auf die Konkurrenz, gerade auf die Discounter und Supermärkte? Die buhlen ja auch massiv um die Schlecker-Kundschaft!

„Wir schauen bei dm wenig auf die anderen. Wir gucken auf uns und unsere Stärken. Der Kunde entscheidet den Rest.“

Sie waren auch interessiert an dem Online-Shop von Schlecker. Warum haben Sie da nicht zugegriffen?

„Im Online-Shop von Schlecker wurden viele Nicht-Drogerieartikel verkauft und die Drogerieartikel, die verkauft wurden, hatten eine sehr geringe Marge. Bei unserer Prüfung hat sich gezeigt, dass es sich wirtschaftlich schlichtweg nicht rechnet, diese Produkte in die entlegensten Gegenden zu transportieren.“

Sie verkaufen Ihre Eigenmarken-Produkte seit etwas gut einem Jahr über einen eigenen Webshop bei Amazon. Wie läuft das Geschäft?

„Da müssen wir längerfristig denken. Amazon hat mit dem breiten Sortiment sicher bessere Möglichkeiten als wir, eine vernünftige Mischkalkulation zu gestalten.“

Seit 2011 sitzt Christoph Werner, der Sohn von dm-Gründer und –Aufsichtsrat Götz Werner, in der Geschäftsführung. Wird er Sie irgendwann beerben?

„Das ist mir nicht bekannt [lacht].“

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