Dolce & Gabbana umgarnt Muslimas
Luxus-Kopftücher vom Designer

Muslimas würden von anderen Konsumentinnen getrennt

Allerdings war die Reichweite dieser Linien bislang gering. Die meisten waren nur im Nahen Osten verfügbar. Dolce & Gabbanas Kopftücher und Abajas können dem Unternehmen zufolge nur in den Vereinten Arabischen Emiraten sowie in einigen ausgewählten Boutiquen etwa in Paris und Mailand gekauft werden. Mit ihren Kollektionen sprechen die Luxuslabels zudem nur einen Bruchteil der muslimischen Konsumentinnen an – die, die sich eine Abaja für mehrere Tausend US-Dollar leisten können.

Wie gut sich die Kollektion von Dolce & Gabbana bislang verkaufte, gibt das Unternehmen nicht preis – es präsentierte aber wenige Monate später eine zweite Linie für muslimische Kundinnen, zum Ramadan. Im Westen zeigten sich allerdings viele Muslimas skeptisch. Kritisiert wurde etwa, dass die Designer ihre Bedürfnisse nicht wirklich verstünden: Die meisten gläubigen Muslimas würden weder ein langes Kleid mit Schlitz noch rückenfreie oder ärmellose Oberteile tragen.

Aus Sicht von Zeynep Mutlu sind Kollektionen eigens für Muslimas in Deutschland nicht wirklich nötig. Mutlu betreibt zusammen mit Makbule Balin den Blog „Makzey“, in dem sie über Mode, Reisen und Essen schreibt. Nicht alle Muslimas hierzulande würden sich bedeckt anziehen. Zudem entspreche der derzeitige Modestil ohnehin oft ihren Wünschen, und was nicht passt, werde ergänzt.

Der Verband Textil und Mode sieht es ähnlich. Sprecher Hartmut Spiesecke vermutet, „dass der Markt dafür hier in Deutschland nicht sehr groß ist, weil die meisten Muslime keine religionsspezifische Kleidung tragen.“ Zudem sieht Mutlu es als äußert problematisch, würden etwa Firmen wie Zara oder H&M eigene Modelinien rausbringen – „weil es Muslimas von anderen Konsumentinnen trennt.“ Firmen könnten ihrer Ansicht nach muslimische Kundinnen viel eher mit Kleinigkeiten gewinnen: Etwa mit den richtigen Schnitten, blickdichten Stoffen oder Schals, die als Kopftuch getragen werden können.

Worauf es Mutlu zufolge viel eher ankommt: Werbung. „Es wäre besser, wenn Muslimas mehr durch Werbung angesprochen werden“, sagt die Modebloggerin. Damit könnte auch eine Wertschätzung für die Kundinnen gezeigt werden. Eine Muslima, die mit Kopftuch und Oversize-Mantel in einer H&M-Werbung auftauchte, schlug im vergangenen Jahr hohe Wellen. „Ich fand die Werbung toll“, sagt Mutlu. Und: „Wenn man immer wieder Muslimas in der Werbung sehen würde, wäre es irgendwann selbstverständlich, dass wir zur Gesellschaft dazugehören, ohne großartig anders zu wirken.“

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Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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