Dr. Oetker Wie die Schokopizza ein Social-Media-Hit wurde

Eigentlich wollte Dr. Oetker seine Schokopizza zunächst ohne großes Aufsehen in die Supermärkte bringen. Doch die Kuriosität aus dem Tiefkühlregal wird über Nacht zum Social-Media-Hit – dank einer Stewardess aus Hamburg.
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Fake oder echt? Die Schokopizza von Dr. Oetker

Fake oder echt? Die Schokopizza von Dr. Oetker

HamburgHinter einem viralen Hit auf Facebook oder Youtube steckt oft harte Arbeit. Der Einzelhändler Edeka gibt zum Beispiel stattliche Summen dafür aus, um seine rührseligen oder lustigen Videos in die sozialen Medien zum Millionenklick zu machen. Kosmetikhersteller wie Nivea und L'Oréal schicken Hunderte Proben an Blogger - nur damit diese die Produkte positiv erwähnen. Dagegen ist der Nahrungsmittelhersteller Dr. Oetker in Sachen Social Media eher konservativ. Und trotzdem fällt den Bielefeldern der Social-Media-Erfolg einfach so in den Schoß.

Das neuste Produkt des Unternehmens scheint dabei wie gemacht für die sozialen Medien, könnte es doch von einer Bande bekiffter Teenager erfunden worden sein. Nach dem Pizza-Burger, einer tiefkulinarischen Fusion von italienischer und amerikanischer Fastfood-Küche, kommt jetzt die mit Schokolade belegte Pizza. Seit Tagen laufen die Bilder der absurd anmutenden Tiefkühlpizza mit Schokoladensoße und Schoko-Würfeln im Netz rauf und runter.

Was nach dem Verkauf von Hamburg Süd übrig bleibt
Das Oetker-Firmenimperium
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Beim Namen Dr. Oetker denken die meisten Deutschen an Backpulver. Doch zuletzt machte die Oetker-Gruppe in der Container-Schifffahrt von sich reden: Im Dezember 2016 gab Oetker bekannt, die Schifffahrtssparte an das dänische Unternehmen Maersk zu verkaufen. Auch in der Schifffahrt gehört Oetker zu den Großen. Was vor fast anderthalb Jahrhunderten mit drei Dampfern und monatlichen Liniendiensten nach Brasilien und dem La Plata begann, hat sich zu einem weltumspannenden Netzwerk entwickelt.

Abschied vom Schifffahrtsgeschäft
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Wenn die Kartellbehörden zustimmen, soll der Verkauf bis Ende 2017 umgesetzt werden. Das Oetker-Management verwies zu den Gründen des Verkaufs auf den seit Jahren laufenden Konsolidierungsprozess in der Branche. Schifffahrtsanalyst Thomas Wybierek von der NordLB meinte dazu, dass sich vermutlich die Verluste im Reedereigeschäft in den vergangenen Jahren derart angehäuft hätten, dass Oetker nun den Schritt gegangen sei. Damit verliert Oetker auf einen Schlag fast die Hälfte seines Umsatzes: 6,06 Milliarden Euro setzte die Hamburg Süd 2015 um. Allerdings ist die Oetker-Gruppe noch immer in den verschiedensten Sparten aktiv. Eine Übersicht des Oetker-Imperiums.

Von Brauereien bis hin zu Luxushotels
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Denn zur Oetker-Gruppe gehört viel mehr als nur Lebensmittel oder Schifffahrt. Ob Brauerei, Privatbank oder Luxushotels – das Traditionsunternehmen ist in etlichen Branchen aktiv und kam 2015 auf einen Jahresumsatz von 12,23 Milliarden Euro. Über Gewinne, das war schon immer so, spricht man bei den Bielefeldern aber nicht.

Nahrungsmittel
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Das Oetker-Imperium begann mit einer einfachen Idee. Im Jahre 1891 verkaufte der Apotheker August Oetker das bis dahin relativ unbekannte Backpulver erstmals in kleinen Tütchen an Hausfrauen – und fand damit eine Marktlücke. Der Gründer erweiterte die Produktpalette zunächst um Puddingpulver und Speisestärke, etliche andere Marken kamen mit den Jahren dazu. Mittlerweile macht die Lebensmittelsparte des Konzerns knapp drei Milliarden Euro Umsatz im Jahr.

Wachstum durch Zukäufe
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Wachstum generiert Dr. Oetker vor allem durch Zukäufe im Ausland wie in Nordamerika, Australien und Mexiko. Aber auch auf dem heimischen Markt hat Dr. Oetker in den vergangenen Jahren Marken übernommen. So zählt der Tiefkühlanbieter Coppenrath & Wiese aus Osnabrück seit 2015 zum Konzern und liefert im laufenden Jahr voraussichtlich rund 400 Millionen Euro Umsatz zu.

Getränke
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Mit der Radeberger Gruppe besitzt Oetker auch die größte deutsche Brauereikette. Im Geschäftsbereich Bier und alkoholfreie Getränke erwirtschaftete Radeberger im Geschäftsjahr 2015 einen Umsatz von 1,96 Millionen Euro.

Was alles Radeberger ist
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Zu den mehr als 40 Marken gehören Radeberger, Jever, Schöfferhofer und Clausthaler, aber auch Marken wie Guiness, Estrella und Kilkenny. Das Archivbild von 2006 zeigt den ehemaligen Geschäftsführer Ulrich Kallmeyer.

Wie kam es dazu? Die Antwort hat Suzan Meise: „Ich habe am Samstagabend durch die Werbeprospekte geblättert und im Famila-Blatt ein Produkt gesehen, das ich nicht kannte: eben die Schoko-Pizza", berichtet die Flugbegleiterin aus Hamburg. Sie stellt bei Instagram und auf ihrer Website „Food News Germany“ schon seit längerem neue Produkte vor, die sie im Supermarkt findet. „Die Unternehmen haben so viele tolle Ideen, und wir Verbraucher erfahren davon kaum etwas", schwärmt sie. Also zieht sie in ihrer Freizeit auf Fotosafari.

Als Meise die Schoko-Pizza nicht im Netz finden konnte, witterte sie einen Scoop. Doch bei der Oetker-Pressestelle habe sie telefonisch nur die Antwort bekommen: „Rufen sie den Verbraucherservice an“.

Gleich am Montagmorgen rief sie bei im Famila-Supermarkt im Hamburger Stadtteil Steilshoop an, um sich eine Pizza zu reservieren. „Mir wurde gesagt: Davon haben wir genug“, berichtet sie. Und tatsächlich. Um 11 Uhr konnte Meise die Beute erst ablichten und dann - auf Instagram dokumentiert - kaufen.

Was beim Famila-Abteilungsleiter in der Filiale für Gelächter sorgte, wird im Netz zum Hit: Denn Meise fuhr weiter zu einem befreundeten Youtuber. „JunkFoodGuru“, mit heute weniger als rund 2500 Abonnenten keine große Nummer bei dem Videodienst, filmte denn Test in der eigenen Küche. Fazit: 99 Punkte auf einer Skala von 1 bis 10. „Ich raste komplett aus!“, jubelt der Youtuber im Clip.

Weil Meise auf Twitter Redakteure von „Chip“, Pro Sieben und dem „Müttermagazin“ folgen, kam die Schokopizza auch in klassische Medien. „Ich habe die Twix- und Bounty-Brotaufstriche als erste gezeigt. Seitdem folgen mir die Redakteure“, erklärt Meise.

Die bis dahin weitgehend tatenlose Oetker-Pressestelle wurde von dem Ansturm überrascht – und schickte erst am Dienstagmorgen eine eigene Pressemitteilung über den zum 1. April offiziell bevorstehenden Produktstart raus. „Der Test hat sich online sehr schnell verbreitet und zahlreiche weitere Artikel und Nennungen sowie Anfragen von Journalisten, Influencern und Verbrauchern nach sich gezogen, die wir seitdem gern beantworten“, sagt Sprecherin Katharina Ahnepohl.

Zahlreiche Twitter-Kommentare habe ihr Team seitdem beantwortet. „Ab April wird es überdies einen TV-Spot auf allen reichweitenstarken Sendern sowie eine Digitalkampagne geben“, sagt Ahnepohl. TV-Spot und Digitalkampagne stammten von der Agentur BBDO.

Dabei, so zeigt der Fall, geht es mit begeisterten Multiplikatoren auch kostenlos. „Ich liebe es einfach, neue Produkte zu entdecken“, sagt Foodbloggerin Meise. Die Hamburgerin hat selbst auch etwas davon: Vor der Aktion hatte sie 14.000 Follower bei Twitter, danach 21.000. Bei Facebook stieg die Zahl sogar von 100 auf 1700.

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5 Kommentare zu "Dr. Oetker: Wie die Schokopizza ein Social-Media-Hit wurde"

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  • Auch unter „Neue Produkte“ findet man nichts!

    https://www.oetker.de/unsere-produkte/alle-produkte-im-ueberblick.html#anchor-elem-32851

  • Auf der Dr. Oetker Webseite ist die „Schokopizza“ auch nicht gelistet.
    Ich halte es deshalb für einen Aprilscherz und Werbekampagne, um der Marke Dr. Oetker kostenlose mediale Aufmerksamkeit zu verschaffen.
    FAKE!

  • Gesundheit

  • Da die „Schokopizza“ am 1. April erstmals im Handel erhältlich sein soll, halte ich das Ganze für eine Werbekampagne und einen vorgezogenen Aprilscherz, dem natürlich die Medien voll auf den Leim gehen!
    Am 1.04. wird dann aufgelöst, dass es sich um Fake-News handelt.
    Zudem NIEMAND braucht eine Schokopizza, ruiniert bei regelmässigem Verzehr die Zähne und die Geundheit. Typ 2 Diabetes ist bei regelmäßiger Verkostung damit vorprogrammiert.

  • Da fehlt doch nur noch die Insulinspritze dazu, als Nachtisch. Anders formuliert: DAS IST SPITZE.

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