Drittgrößter deutscher Paketdienst
DPD stoppt Ausbau seiner Paketshops

Der drittgrößte deutsche Paketdienst DPD ändert überraschend seine Strategie. Das Unternehmen stoppt die Pläne, das Netz von Paket-Shops auszubauen. Stattdessen will DPD nun in das Geschäft mit Eilsendungen (Express) einsteigen und das internationale Paketgeschäft stark erweitern, sagte Deutschland-Chef Arnold Schroven dem Handelsblatt. Ziel ist es, profitabler zu werden

DÜSSELDORF. In beiden Bereichen erzielen die Unternehmen der Branche deutlich höhere Renditen als im nationalen Paketgeschäft. Mehrheitsgesellschafter des DPD ist der französische Postkonzern La Poste. Deutschland-Chef Schroven hatte erst im April angekündigt, das Shop-Netz des drittgrößten Paketdienstleisters in diesem Jahr von 3 000 auf 4 500 Annahmestellen zum Beispiel in Sonnenstudios aber auch in Metro-Märkten auszubauen. Nun sollen zunächst die bestehenden Shops besser ausgelastet werden.

Hintergrund des Strategieschwenks ist offenbar, dass DPD die für dieses Jahr geplante Preiserhöhung um vier Prozent laut Schroven "nicht voll durchsetzen konnte". Dies drückt bei wachsendem Paketvolumen und steigenden Kosten auf die Rendite.

Angaben zur Gewinnentwicklung des Unternehmens machte Deutschland-Chef Schroven nicht. Nur so viel sagte er: "Wir schreiben in allen Bereichen schwarze Zahlen." In der Branche gilt eine operative Rendite von drei bis fünf Prozent als üblich. Doch soll der Umsatz von DPD mit sechs Prozent stärker wachsen als der Markt mit schätzungsweise vier Prozent, kündigte Schroven an. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz des Paketdienstleisters in Deutschland nach seinen Angaben um sechs Prozent auf 1,3 Mrd. Euro und überschritt damit erstmals die Milliardengrenze. Zum Vergleich: Marktführer DHL (Deutsche Post) macht rund 2,5 Mrd. Euro Umsatz in Deutschland. DHL hat einen Marktanteil von etwa 40 Prozent.

Das Paketvolumen von DPD legte um fünf Prozent auf 280 Millionen zu. Im Gegensatz zu den Konkurrenten DHL, UPS, Hermes (Otto-Gruppe), TNT Express und Fedex konzentriert sich der DPD auf Pakete für Geschäftskunden, liefert aber auch an Privatkunden aus. Kunden sind große Versender wie Metro, Adidas oder Sony.

Der Anteil des Expressgeschäfts am Umsatz sei mit fünf Prozent derzeit noch bescheiden, sagte Schroven. Doch will er hier künftig jährlich ein Plus von 50 Prozent erwirtschaften und das Geschäft auch international ausweiten. Bei Kassel wurde ein Express-Umschlagzentrum eingerichtet, das nächtlich von 20 Kleinlastern angefahren wird. Beim Ausbau des internationalen Geschäfts stützt sich Schroven auf das Netz der Franchise-Gruppe in Europa. Auch in diesem vergleichsweise lukrativen internationalen Geschäft erwartet er zweistellige Wachstumsraten.

Im Geschäft mit Übersee bleiben dagegen Wünsche offen. Dies sei der Pferdefuß des DPD, sagte Logistikexperte Horst Manner-Romberg. Im Geschäft außerhalb Europas sei der Paketdienstleister auf Partner angewiesen.

Den Einstieg in das Briefgeschäft schließt Schroven aus. Mutterkonzern La Poste sei nicht mehr an der deutschen Pin Group interessiert. Nachdem Pin-Mehrheitsaktionär Axel Springer der Pin Ende 2007 den Geldhahn zugedreht hatte, wird die Gruppe nun zerschlagen und in Einzelteilen verkauft.

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