Drive-in-Supermärkte: Drive-in-Kunden kaufen doppelt zu viel

Drive-in-Supermärkte
Shoppen im Vorbeifahren

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Drive-in-Kunden kaufen doppelt zu viel

In Frankreich läuft derweil das Geschäft mit Drive-in-Filialen immer besser. Die Franzosen haben keine Hemmungen, ihre Lebensmittel per Klick zu kaufen. Ihre Bestellungen werden bei Leclerc aufgeteilt. Das „pistolet“ von Stéphanie schickt nicht alle Wünsche an sie. Ein Teil landet nebenan im Kühllager. Dort sucht Hugo Tomaten und Kirschen zusammen. „Wir zeigen sie vor dem Einpacken den Kunden, damit sie sehen, dass sie 1a-Ware erhalten“, erklärt Bramas. Erst wenn der Kunde an der Säule vor dem Lager vorfährt und das Signal ertönt, wird die frische Ware auf den grauen Rollcontainer zu  den anderen Artikeln gestellt. „Drive-Käufer kaufen doppelt so viele Artikel wie Supermarkt-Kunden“, freut sich Bramas.

Seiner Erfahrung nach kommt diese bequeme Art des Einkaufens besonders bei jungen Führungskräften gut an. „Aber auch Mütter fahren lieber hierher, als mit ihren Kleinkindern durch den Supermarkt zu hetzen.“ An einem Wochentag sind es rund 80 Bestellungen täglich, am Wochenende kommen bis zu 200 Kunden angefahren. „Wichtig ist, dass wir  auf dem Weg von der Arbeit nach Hause liegen“, betont der Vorstandsvorsitzende, der die Autobahn A31 vor der Tür hat.

Im Gefriergutlager herrschen minus 25 Grad. „Wir haben extra mannshohe Glastüren eingesetzt, damit die Mitarbeiter gut an die Ware können. Dann sind sie nicht so lange den tiefen Temperaturen ausgesetzt“, sagt Bramas. Auch hier laufen seine Angestellten mit kleinen Lesegeräten herum. Die Ware wird allerdings nicht im Caddie gelagert, sondern im Gefrierschrank. „Die örtliche Krankenkasse hat uns gelobt, weil wir die Mitarbeiter regelmäßig an den drei verschiedenen Posten einsetzten. Sie räumen abwechselnd Regale ein, bereiten Einkäufe vor und liefern aus“, unterstreicht er.

Bramas hält sein Smartphone an den Barcode einer Essigflasche. Auf dem Display erscheint die Flasche mit Preis und Foto der Ware. „Das ist meine elektronische Einkaufsliste. Wenn etwas aufgebraucht ist, stellt meine Frau so die Liste zusammen und schickt sie mir per SMS“, lächelt Bramas. Er ist so überzeugt von der neuen Art des Einkaufens, dass er in einen dritten Abholmarkt investiert.

Böse Überraschungen für Kunden gibt es laut ihm nie. „Das pistolet kann sich dank der Technik nicht irren.“ Das demonstriert er mit Stéphanies Apparat. Er hält ihn an einen Artikel, der nicht auf der Liste steht. Statt zufrieden zu piepen und den Artikel mit einem Häkchen zu versehen, brummt der Apparat empört auf. „Sehen Sie“, sagt Bramas, „er kann sich nicht vertun.“

Für den Manager ist der neue Absatzkanal eine Zukunft – und im von Arbeitslosigkeit geplagten Frankreich auch eine Hoffnung. 15 Mitarbeiter arbeiten im Drive, 400 im Hypermarché nebenan. Die Filiale bringt Leclerc neue Kunden. „Wir brauchen allerdings sieben Jahre, um die Investition zu amortisieren“, rechnet Bramas vor. Der Abholmarkt ist 1700 Quadratmeter groß und damit deutlich kleiner als der Hypermarché nebenan mit seinen 11.000 Quadratmetern. Er arbeitet mit der deutschen Rewe-Gruppe im Einkauf zusammen und ist erstaunt, dass es in Deutschland noch keine Drives gibt. „Das Potential ist auf jeden Fall da.“

Stéphanie hat inzwischen zwei graue Kisten wie Zugwaggons aneinander gereiht. Sie geht zügig nach draußen zum Kunden und fährt die Ware bis vor den Kofferraum. Die junge Kundin zahlt nichts für den Service, den sie von 8 – 20.30 Uhr nutzen kann. Sie lächelt, schließt den Kofferraum und ist zufrieden, in fünf Minuten fertig mit dem Wocheneinkauf zu sein. Im Lager piept es bereits wieder. Ein grauer Peugeot ist vorgefahren und der Fahrer hält seine Kundenkarte an die Säule.

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  • Völlig unnötig! Wir brauchen Geschäfte in unmittelbarer Nähe die auch zu Fuß zu erreichen sind, nicht noch mehr Geschäfte außerhalb der Städte!
    Meine 80 Jährige Mutter verzweifelt schon fast, da es keinen Bäcker, Metzger und keinen Supermarkt mehr gibt. Sie wohnt in einem Stadtteil mitten in einer Stadt mit ca. 40.000 Einwohnern. Im Bereich der noch im hohen Alter zu Fuß erreichbar ist, gibt es nun nur noch 3 Döner-Läden, 2 Spielcasinos.
    Mit 80 Jahren die Ernährung umstellen ist auch nicht Einfach! Wir werden alle Älter und ich möchte mit 80 mich nicht nur von Döner ernähren müssen!

  • Als freiwilliger Expat, welcher in den USA lebt, kann ich nur sagen: ALLES, was bequem ist hat Nachfrage, bringt richtig Reibach und somit Zukunft, ob Ihnen das gefällt oder nicht, ist total egal.

  • Wenn ich erst mehrere Kilometer durch die Gegend fahren muß, um meinen Einkauf abzuholen, kann ich auch gleich in einen Laden und selbst einkaufen.
    Ich habe aber schon immer den Versandhandel bevorzugt- inzwischen auch für Lebensmittel (geschlossene Verpackungen). Nur frische Lebensmittel und Brot etc. kaufen wir noch im Laden um die Ecke.

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