DRK sucht Lösung im Streit mit Kartellamt
Machtspiele im Geschäft mit Blutspenden

Nach einer Abmahnung durch das Kartellamt wegen der nicht angezeigten Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens im Blutspendengeschäft prüft das Deutsche Rote Kreuz nun Mittel und Wege, eine Rückabwicklung zu verhindern - und damit seine Kostenvorteile zu retten.

DÜSSELDORF. 2004 gründete das DRK mit den Universitätskliniken von Heidelberg und Tübingen Gemeinschaftsunternehmen, um den Blutspendedienst von DRK und Kliniken zusammenzuführen. Dies wurde dem Amt nicht angezeigt, was jetzt zu dem Brief der Behörde geführt hat. Die beteiligten Unternehmen müssen bis zum 31. März nachweisen, dass sich die marktbeherrschende Stellung des DRK in dieser Region nicht weiter verstärkt hat, sonst kann das Kartellamt den Zusammenschluss nachträglich verbieten und seine Auflösung anordnen: „Nach dem derzeitigen Stand sehen wir einen Verstoß in der Unternehmensgründung“, sagte eine Sprecherin des Kartellamts.

Der Leiter des betroffenen DRK-Blutspendedienstes Erhard Seifried bestreitet nicht, dass auf das Rote Kreuz etwa 80 Prozent der fünf Millionen Vollblutspenden in Deutschland entfallen. 200 000 bis 300 000 Spenden werden von kommerziellen Anbietern gesammelt, während der Rest des Marktes von etwa 15 Prozent auf kommunale und staatliche Stellen sowie auf Universitätskliniken entfällt.

Die Abmahnung des Kartellamts, die ihm am Mittwoch zugegangen ist, will Seifried jetzt prüfen. Auf den ersten Blick ist ihm nicht ganz klar, wieso die Transaktion überhaupt ins Visier des Kartellamts gerückt ist: „Das war keine feindliche Übernahme. Die Vereinbarungen sind im besten Einvernehmen ausgehandelt worden.“ Gemeinsam mit den beiden Kliniken habe das DRK je eine GmbH gegründet, an der die Kliniken eine Sperrminorität von 25,1 Prozent halten. Der Rest der Anteile liegt beim Roten Kreuz.

Eine Veränderung der Markverhältnisse durch die Aktion kann Seifried auch nicht ausmachen, denn wie andere Universitätskliniken könne sich etwa die Klinik in Heidelberg nicht selbst ausreichend mit Blut versorgen: „Heidelberg mit seiner Spitzenchirurgie hat schon vorher 90 Prozent des Bedarfs an Blutprodukten von uns bezogen.“

Der Zusammenschluss kleinerer Anbieter mit dem Riesen DRK sei für diese sinnvoll, weil dadurch die Kosten gesenkt werden könnten: „Wir testen in Baden-Württemberg-Hessen 750 000 Blutspenden im Jahr.“ Entsprechend könne das DRK die Sicherheitsprüfung auf Krankheitserreger stark rationalisieren und auch eine aufwändige eigene Forschung nach neuen Gefahrenpotenzialen, etwa neu auftretende Viren, betreiben: „Auch wenn ein Unternehmen nur 20 000 Blutspenden erhält, muss es dieselben Apparate, das Personal und ein Qualitätsmanagement vorhalten.“ Das treibe die Kosten.

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