Drogerie-Müller wehrt sich
Es war Kaninchen, keine Katze

Eine Tierschutzorganisation hat unter anderem der Drogeriekette Müller vorgeworfen, Mützen mit Bommeln aus echtem Katzenfell in Umlauf gebracht zu haben. Das Unternehmen wehrt sich mit Gegengutachten.
  • 9

DüsseldorfDie Drogeriemarktkette Müller wehrt sich gegen den Vorwurf, eine Mütze mit vermeintlich echtem Katzenfell-Bommel zum Verkauf angeboten zu haben. Drei Analysen hätten ergeben, dass „eindeutig die Übereinstimmung der Haarstruktur mit der von Kaninchen“ festgestellt worden sei. Die Untersuchungen wurden vom Deutschen Wollforschungsinstitut, dem Forschungsinstitut für Leder und Kunststoffbahnen sowie der Analysefirma Impetus Bioscience vorgenommen.

Die Tierschutzorganisation Animals' Liberty hatte vor wenigen Wochen auf eigene Untersuchungen verwiesen, wonach der Mützenbommel statt aus Kunstfell aus Echtpelz von Katzen stamme.

Dass die Mütze mit dem Hinweis „Oberstoff 100 Prozent Polyester“ ausgezeichnet worden war, ist laut Müller einem Fehler des Lieferanten geschuldet. Der Zusatz „mit Echtpelz-Applikation“ habe gefehlt. Nach Bekanntwerden der Auszeichnung sei die Mütze aus dem Handel genommen worden. Es sei aber nicht nachweislich, dass „100 Prozent Kunstfell“ auf der Mütze gestanden habe. Im Kundenmagazin „Body & Soul“ sei die Mütze mit dem Zusatz „Mit Echtfell“ beworben worden, so Müller.

Laut Animals' Liberty unterstützen Verbraucher oft „Tierquälereien aus purer Unwissenheit“. Eine Kampagne zielt darauf, nicht gekennzeichneten Echtpelz aufzuspüren. Denn es gebe echte Felle aus China, die billiger seien als Kunstpelz. „Für Mützenbommel werden alle möglichen Tierfelle verwendet und wir waren nicht davon ausgegangen, dass die ganze Charge aus Katzenfell bestand“, so eine Sprecherin der Organisation am Donnerstag. Müller habe nicht identischen Mützen untersucht, die von Animals' Liberty analysiert worden seien – lediglich Mützen des Modells.

Auch die Hamburger Modekette Tom Tailor wurde Mitte Januar mit den Vorwürfen konfrontiert. Laborergebnisse ergaben jedoch, dass in Tailor-Mützen ebenfalls kein Katzenhaar verarbeitet wurde – sondern Fell des Marderhundes.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

Kommentare zu " Drogerie-Müller wehrt sich: Es war Kaninchen, keine Katze"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Aha. Dann waren es also "nur" Kaninchenfelle. Eine seltsamere Entschuldigung habe ich noch nie gehört. War kein Rindfleisch-nee, war aber auch keine Katze, nur Pferd. Na, dann ist ja alles ok.

  • " und das Quälen beim Beutemachen (=>damit die armen Beutetiere vor Entsetzen den Darm vollständig entleeren<=, ...) ist angeboren."
    ---
    Ich glaube, Sie sollten sich erst mal mit der Wildbiologie und Ethologie von Beutegreifern vertraut machen. KEIN Beutegreifer spielt mit seiner Beute, um diese "in Entsetzen zu versetzen". Mit der Beute spielen kann
    a) gefährlich werden: Ein Schnabelhieb größerer Vögel kann leicht ins Auge gehen, und kein Beutegreifer riskiert unnötig Verletzungen, auch keine Hauskatze.
    b) provoziert, daß die Beute entkommt und der Magen leer, die Jungen hungrig bleiben.
    Das gilt auch für Haustiere, die das Jagen noch nicht verlernt haben, i.e.S. also auch für verwilderte Katzen.
    Was bei Feliden (häufig) und Caniden (selten) tatsächlich gelegentlich vorkommt, ist, daß lebende Beute als "Unterrichtsmaterial" für die Welpen mitgebracht wird. Unter der Anleitung der Elterntiere lernen diese dann an der (ungefährlichen) Beute, wie man fachgerecht tötet.
    Ansonsten ist spielen mit der Beute eine Degenerationserscheinung mancher Hauskatzen (in dieser Hinsicht gebe ich Ihnen recht), hat aber nichts mit "grausam" im ethisch/moralischen Sinne zu tun.

    Das Leben ist weder Ponyhof noch Disneyland und fressen und gefressen werden ist Bestandteil der Natur seit Anbeginn des Lebens. Der Begriff "arme" Beutetiere ist fehl am Platz und hat in der Natur nichts zu suchen. Beutegreifer sind Regulative, die die Bestände der Beutetiere gesund und zahlenmäßig umweltverträglich halten, ihrerseits aber durch die Beutetierbestände limitiert werden.
    Übrigens gilt das auch für den Menschen. Das, was wir Ackerbau und Viehzucht nennen, ist erst wenige tausend Jahre alt. Mit meiste Zeit seiner Existenz war der Mensch (Cro Magnon und moderner Schlag), also Homo sapiens in seinen verschiedenen Ausprägungen, Jäger und Sammler.

    Die Vegetarier- oder Veganerszene ist eine Zeitgeist-Luxuserscheinung und hat mit der Biologie des Menschen wenig zu tun. Aber das ist ein anderes Thema.

  • Ich hatte zwei aus Mitleid aufgenommene, übel zugerichtete Katzen und habe, eben weil sie gerade in der Brutzeit die in den ersten Tagen noch nicht sofort auffliegenden Jungvögel fingen und brutal zu Tode quälten, was ich erst spät mitbekommen habe, den gesamten Auslauf katzensicher vergittert - auch oben. Wer Tiere hat, trägt die Verantwortung für ihr Verhalten, und das Quälen beim Beutemachen (damit die armen Beutetiere vor Entsetzen den Darm vollständig entleeren, aber bei vollgefressenen, gelangweilten Hauskatzen dauert die Quälerei unendlich lange) ist angeboren. In einer intakten Wildnis haben Vögel genug Möglichkeiten, einigermaßen sichere Nistplätze zu suchen, und die Jungvögel können sich verkriechen, in unserer denaturierten aber Umwelt nicht, und Bodenbrüter haben gar keine Chance. Und da die meisten Katzenhalter ihre Katzen selbst in der Brutzeit frei laufen lassen und immer mehr Leute Katzen halten, entsteht ein zunehmender Druck. Das Perverseste an diese Lügendebatte ist die Anmaßung, dem einen Tier ein Lebensrecht zuzugestehen, und dem anderen nicht. Und Fleischessen ist für den Menschen keineswegs naturgemäß, sondern Folge bestimmter kultureller Entwicklungen in bestimmten Regionen, vor allem in kalten. Früher hat man auch bei jeder Auseinandersetzung dem andern gleich die Keule über den Schädel geschlagen. Gibt es einen Grund, das heute auch noch zu tun, weil Menschen das immer getan haben? Und wenn Sie der Zusammenhang zwischen Darmkrebs und Fleischverzehr interessiert (der zwischen BSE und Alzheimer ist übrigens auch sehr spannend, sehr ähnliche sponge-Sturkturen) - googlen hilft.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%