Drogerie-Pleite
Nur wenige Schleckerfrauen finden neuen Job

Besonders schwer haben es die ehemaligen Schlecker-Mitarbeiter auf dem Land - weite Strecken sind oft nötig, um zum neuen Job zu kommen. Zwei Drittel der Entlassenen suchen noch immer. Oft ist nur Teilzeit möglich.
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DüsseldorfZweieinhalb Monate nach der ersten Entlassungswelle suchen mehr als zwei Drittel der ehemaligen Schlecker-Mitarbeiterinnen weiter einen neuen Job. Dabei müssen sie sich auf weniger Geld, weniger Stunden oder weitere Fahrten einstellen.

11 272 Schlecker-Frauen haben sich seit März bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern gemeldet. 3 500 "Abgänge" vermeldet die Behörde unterdessen. Davon dürften nur etwa zwei Drittel einen Job gefunden haben, der Rest ist etwa krankgeschrieben oder in Schulungsmaßnahmen.

So haben sich etwa in Düsseldorf 66 Schlecker-Mitarbeiterinnen gemeldet, zwölf haben mittlerweile wieder einen neuen Job gefunden - wie Beate P. Nach sechs Wochen Suche und 25 Bewerbungen arbeitet sie jetzt bei einer anderen Drogerie-Kette. "Ich räume momentan Waren ein. Ich muss ja den Laden kennenlernen", sagt die 57-Jährige. Die Bezahlung sei etwas besser als bei Schlecker - obwohl der Tarif zahlte. Doch sie muss sich mit einer Teilzeitstelle begnügen. Die Zahl der offenen Stellen im Handel und Verkauf ist in Nordrhein-Westfalen um elf Prozent gesunken.

Im ländlichen Raum ist es für die ehemaligen Schlecker-Frauen schwieriger. Konnten sie bei Schlecker um die Ecke arbeiten, müssen sie jetzt mobil sein. Maria Hajdu wohnt in Nagold im Schwarzwald und ist auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Sie war Filialleiterin und war 30 Jahre lang im Einzelhandel beschäftigt. Mehr als ein Dutzend Bewerbungen hat sie bereits geschrieben. "Ich habe nur 20-Stunden-Jobs angeboten bekommen", sagt sie. Das rechne sich nicht, wenn sie noch pendeln muss.

Schwierig macht es auch die veraltete Arbeitsweise bei Schlecker. Buchhaltung machten die Filialleiterinnen mit Block und Stift, Preise klebten sie per Hand auf, berichtet Irina D. Sie ist eine von 121 Schlecker-Frauen, die sich in Stuttgart arbeitslos gemeldet hatten. 38 von ihnen haben mittlerweile wieder einen Job.

Damit ist die Situation in Baden-Württemberg laut Angaben der Arbeitsagentur besser als in anderen Regionen. In Handel und Verkauf sind dort 14 000 Menschen mehr beschäftigt als im Vorjahr, die Zahl der offenen Stellen stieg um 310, bundesweit um 1 600. In Bremen, Hamburg, NRW und im Saarland ging die Zahl der offenen Stellen zurück. Derzeit gibt es in Deutschland 25 000 offene Stellen, Helferjobs nicht eingerechnet. Bald spitzt sich die Situation zu: Ende Juni sollen die 13 200 verbliebenen Schlecker-Beschäftigten ihre Kündigungen bekommen.

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  • Unwort des Jahres: Schleckerfrauen

  • Bitte nicht so arrogant und oberflaechlich. Man kann das hier doch wirklich nachfuehlen, dass ganz fleissige Menschen unverschuldet in schlimme Verhaeltnisse geraten,

  • Derzeit gibt es in Deutschland 25 000 offene Stellen, Helferjobs nicht eingerechnet.
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    Bei wieviel Millionen Arbeitslosen?Hinzu kommt
    das diese jedesmal,eigene Arbeitsbemühungen nachweisen
    müssen,ohne das wirklich Arbeit vorhanden wäre.
    Was die Helferjobs anbelangt,krankt daran ganz Europa
    um Schulabbrecher und Hauptschüler auszubilden,oder
    in Helfertätigkeit sich langfristig selbst zu finanzieren.
    Das betrifft ein Drittel aller arbeitslosen Jugendlichen.
    Dem neoliberalem Rössler,fiel für die 11 000 Frauen
    und Mütter nur eine Anschlußverwendung ein.Wohlwissend,
    das es diese nicht gibt,während er sein Auskommen vom
    Steuerzahler,also auch diesen Schleckerfrauen finanziert
    bekommt.





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