Drogeriehändler
Müller bringt Douglas durcheinander

Die Aktienzukäufe des Drogeriehändlers Erwin Müller beim Hagener Douglas-Konzern stoßen bei Analysten auf Unverständnis. Warum der 78-jährige Unternehmer mit seinem Griff nach Douglas chancenlos bleiben dürfte.

DüsseldorfDie Aktienzukäufe des Drogeriehändlers Erwin Müller beim Hagener Douglas-Konzern stoßen bei Analysten auf Unverständnis. „Mir ist völlig unklar“, sagte Commerzbank-Handelsexperte Jürgen Elfers dem Handelsblatt, „ wie Müller damit strategisch bei Douglas eingreifen will.“ Auch andere Branchenanalysten rechnen damit, dass der 78-jährige Drogerieunternehmer mit seinem Griff nach Douglas chancenlos bleibt.

Der Ulmer Unternehmer hatte im November 2009 drei Prozent der Douglas-Aktien erworben, um das Paket im Mai 2010 auf 6,35 Prozent zu vergrößern. Mit Hilfe der Schweizer Bank Sarasin, die seit Juli 2009 sieben Prozent der Douglas-Papiere einsammelte, stockte Müller am Montag auf 10,06 Prozent auf. Zudem soll Sarasin über Finanzinstrumente Zugriff auf weitere 2,72 Prozent der Douglas-Anteile besitzen.

Die Aktienzukäufe – deren Wert die Commerzbank auf 153 Millionen Euro schätzt – sind laut Müller zu 45 Prozent fremdfinanziert.

In der Pflichtmitteilung, die Douglas jetzt veröffentlichte, kündigt der Drogist für 2011 weitere Zukäufe an. Zuletzt hatte der als eigenwillig geltende Unternehmer erklärt, seine Beteiligung am MDax-Konzern auf 15 bis 18 Prozent aufstocken zu wollen – um nach Oetker zum zweitgrößten Aktionär aufzusteigen.

Der Douglas-Vorstand reagierte gereizt auf den Vorstoß aus Ulm. Henning Kreke, dessen Familienstamm 12,14 Prozent der Anteile hält, mahnte nun sogar das Kartellamt zur Wachsamkeit. Die Bonner Behörde müsste die Aktienzukäufe prüfen, sobald Müller die Anteilsgrenze von 25 Prozent erreicht – oder in den Aufsichtsrat drängt. Dazu aber ließ dieser jetzt offiziell mitteilen: „Die Müller Management Limited“ strebe „eine Einflussnahme auf die Besetzung von Verwaltungs-, Leitungs- und Aufsichtsorganen der Douglas Holding AG derzeit nicht an“.

Gleichwohl bestätigte der Betreiber von Deutschlands viertgrößter Drogeriemarktkette, durch die Zukäufe „strategische Ziele“ zu verfolgen. Schon früher hatte er den Wunsch formuliert, sowohl den Parfümeinkauf wie auch die Logistik beider Ketten zu vereinen.

Allenfalls im Einkauf – die kartellrechtliche Genehmigung vorausgesetzt – könnte es laut Douglas-Chef Kreke Synergien geben. Douglas verkaufte zuletzt in Europa Parfümerieartikel für 1,9 Milliarden Euro, Müller kam nach Firmenunterlagen, die dem Handelsblatt vorliegen, 2009 auf 348 Millionen Euro. In der Logistik aber sieht Douglas kein Verbesserungspotenzial. Die Hagener Parfümeriekette unterhält deutschlandweit fünf Warenverteilzentren, Müller nur ein Lager in Ulm. Für die aggressive Expansion der Drogeriekette nach Norddeutschland käme den Schwaben eine Kooperation mit Douglas daher wie gerufen.

Mit seinen Plänen aber dürfte Müller an den derzeitigen Großaktionären scheitern. Gemeinsam mit der Verwandtschaft aus der Familie Eklöh kommt Kreke auf rund 30 Prozent, auch wenn die Familiengesellschafter ihre Anteile nicht gepoolt haben. Großaktionär Oetker hält 25,81 Prozent. Wie bei den Bielefeldern hinter vorgehaltener Hand zu hören ist, bestehe das „in fast 40 Jahren gewachsene gute Einvernehmen mit Kreke“ weiterhin.

Müllers jüngste Kritik am Douglas-Management steht ohnehin auf schwachen Beinen. Sein eigener Konzern, die Müller Ltd. & Co. KG, schafft gerade einmal eine Umsatzrendite (bezogen auf das Vorsteuerergebnis) von 1,3 Prozent. Douglas bleibt vom Umsatz dreimal so viel.


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