Drogerieimperium
Haben die Schleckers Geld beiseite geschafft?

Sie haben ihr Unternehmen in die Pleite geführt, aber haben die Schleckers auch Millionen zur Seite geschafft, um sie vor dem Zugriff der Gläubiger zu sichern? Das Handelsblatt ist auf brisante Informationen gestoßen.
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DüsseldorfFinanziell scheint es der Familie Schlecker nach der Mega-Pleite gut zu gehen. Offenbar hat sie in den letzten Jahren vor dem Zusammenbruch ihres Drogerieimperiums doch noch Mittel und Wege gefunden, um viele Millionen Euro vor dem Zugriff der Gläubiger zu sichern.

Nach Recherchen des Handelsblattes hat allein das Logistik-Unternehmen LDG mit Sitz in Ehingen, das ausschließlich für Schlecker gearbeitet hat, zwischen 2006 und 2010 insgesamt 58,5 Millionen Euro Jahresüberschuss erwirtschaftet — bei einem Umsatz von 161 Millionen Euro.

LDG gehört Meike und Lars Schlecker, den Kindern von Anton Schlecker. Sie erzielten Gewinnmargen von 27,5 Prozent, obwohl ihr einziger Kunde, das Unternehmen ihres Vaters Anton  Schlecker, bereits zweistellige Millionenverluste einfuhr.

Die LDG war für die Bewirtschaftung der beiden größten Läger im Schlecker-Imperium zuständig. Nach Berechnungen der Gewerkschaft Verdi hätte Schlecker fünf Millionen Euro pro Jahr sparen können, wenn diese Arbeit von eigenen Mitarbeitern und nicht zu LDG-Konditionen erledigt worden wäre. „Diese Zahlen sind ein Skandal“, sagte Bernhard Franke von Gewerkschaft Verdi dem Handelsblatt. „Schlecker hätte fünf Millionen Euro pro Jahr sparen können, wenn die Läger von den eigenen Mitarbeitern bewirtschaftet worden wären. Wir erwarten von dem Insolvenzverwalter, dass er diesem Thema nachgeht.“

Ein Sprecher des Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz sagte auf Anfrage, die Verträge mit LDG seien bereits nachverhandelt und angepasst worden - nach unten. Geiwitz werde auch prüfen, ob das Arrangement zwischen der Firma Schleckers und der Firma seiner Kinder den Tatbestand einer Vermögensverschiebung erfülle. Grundsätzlich seien Zahlungen noch zehn Jahre rückwirkend anfechtbar.

Allein 2010 wies die Bilanz von LDG als Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit einen Betrag von 16,8 Millionen Euro aus. Gerechnet auf den Umsatz von 32,8 Millionen Euro eine Rendite von 51,2 Prozent. Selbst nach Steuern blieben den Gesellschaftern der LDG noch 12,2 Millionen Euro. Ihr Kunde, die Firma ihres Vaters, schrieb 2010 einen Verlust von 200 Millionen Euro.

Kommentare zu " Drogerieimperium: Haben die Schleckers Geld beiseite geschafft?"

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  • Bei vielen Kommentaren hier kann man erkennen wieso Adolf so ein leichtes Spiel hatte in Deutschland. Auch wenn ich unsinnigen Blödsinn über die "armen" Unternehmer und den notleidenden Mittelstand zum zigsten Male wiederhole so wird er nicht wahrer.
    Anton Schlecker hat mit Sicherheit eine Aufbauleistung vollbracht, vor der man den Hut ziehen kann, aus einfachsten Verhältnissen ( Metzger) zum Grossunternehmer. Da hört dann allerdings die Verbeugung bereits auf. Anstatt eine moderene Struktur und fortschritlliches Management zu etablieren hat er sein Unternehmen weiterhin wie eine Metzgerei geführt, hat niemandem vertraut und zuerst auf den Eigennutz geschaut, anstatt mit einem schlagkräftigen Team noch mehr zu erreichen.
    Und wer hier glaubt, dass der Schleckerclan nicht hunderte Millionen € in der Schweiz, der Karibik oder in Singapur liegen hat, der ist ein naiver Träumer.
    Aber wie in unserem Land üblich werden Gewinn privatisiert und Verluste (in diesem Fall die Kosten der Insolvenz und dem Verlust von 10.000enden Arbeitsplätzen) der Allgemeinheit aufgebürdet.
    Schlecker ist an seinem eigen Geiz, Grössenwahn und an seinem Misstrauen gescheitert, weder Verdi, noch die Medien haben hier eine Schuld.

  • Ein Blick in die - im Bundesanzeiger veröffentlichte - Bilanz hätte dem Verfasser gezeigt, dass so brisant die Information nicht ist.
    Der Gewinn ist nicht ausgeschüttet worden, sondern als Darlehen an Schlecker gegangen - ca. € 51,6 Mio.Diese Forderung ist in der Insolvenz nicht mehr viel wert.Der Kassenbestand belief sich per 12/10 auf lediglich € 2,6 Mio. Bei Personalkosten von ca. € 12 Mio. p.a. und Wegfall des einzigen Auftraggebers dürfte auch der Bestand dieser Firma mehr als gefährdet sein. Ein Beiseiteschaffen von Geldern lässt sich jedenfalls daraus nicht erkennen.

  • Mir kommen die Tränen, wenn ich lese, wie hier einige Leute den armen Anton Schlecker bemitleiden und ihn als Unternehmer glorifizieren.

    Dass er kein fähiger Unternehmer ist, konnte man unter anderem daran ablesen, dass er ein Unternehmen dieser Größe als e.K. führte. Warum tut das jemand, wenn er dann voll in die Haftung kommt? 1. weil er sich nicht in die Karten gucken lassen will, 2. weil er sich selbst überschätzt.

    Dem Mann irgendwelche edlen patriarchalischen Motive zu unterstellen, ist lächerlich.
    Inzwischen weiß man auch, dass er das betriebswirtschaftliche Einmaleins nicht verstand: Einen guten Umsatz (sprich: Warenumschlag) pro Quadratmeter oder Beschäftigte macht man nur mit einem Sortiment ausgewogener Tiefe und Breite zu konkurrenzfähigen Preisen, und diese wiederum kann man nur machen, wenn die Logistikkosten stimmen. Schleckerfilialen waren Onkel-Anton-Läden in den Räumen von Tante-Emma-Läden - ebenso aus der Zeit gefallen und unwirtschaftlich.

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