Drogeriemarktkette Dayli insolvent
Die zweite Schlecker-Pleite

Der österreichische Drogist Dayli wollte in die Fußstapfen von Schlecker treten – und ist damit gescheitert: Er hat einen Insolvenzantrag eingereicht. Trotzdem will Dayli weitermachen – mit einem neuen Investor.
  • 4

Düsseldorf/PuckingDie österreichische Drogeriemarktkette Dayli ist zahlungsunfähig. Das Unternehmen reichte am Donnerstag beim Amtsgericht Linz einen Insolvenzantrag ein. Die Sanierung solle in Fremdverwaltung erfolgen, teilte die Firma aus Pucking bei Linz mit.

Mit dem Antrag kam Dayli-Eigentümer Rudolf Haberleitner dem Kreditschutzverband KSV 1870 zuvor, der Dayli ein Ultimatum bis Donnerstagmorgen gestellt hatte. Sonst wolle man selbst einen Konkursantrag stellen, hatte der Verband mitgeteilt. Den Grund für die Insolvenz sucht Dayli allerdings nicht bei sich selbst, vielmehr hätten „negative äußere Einflüsse (...) die geplante Entwicklung schwer gestört und behindert“, hieß es in der Mitteilung.

Damit ist wohl vor allem die von Haberleitner entfachte Diskussion zur Sonntagsöffnung in Österreich gemeint. Das Verbot der sonntäglichen Öffnung blieb. Haberleitner kritisierte den Widerstand der Gewerkschaft und der Mitarbeiter. Sein Konzept eines Nahversorgers – einer Art moderner Tante-Emma-Laden mit Bistro und zahlreichen weiteren Dienstleistungen – sei deshalb bisher nur in einigen Dayli-Filialen in Österreich umgesetzt worden. Das Unternehmen hatte dort knapp 900 Geschäfte in ehemaligen Schlecker-Filialen eröffnet, von denen gut 100 zuletzt aber wieder geschlossen wurden.

Durch die öffentliche Diskussion sei es zu gravierenden Umsatzeinbrüchen gekommen. „Banken und mögliche Investoren wurden verunsichert und zogen sich zurück“, erklärte das Unternehmen. Knapp 3500 Mitarbeiter sind nun von der Insolvenz betroffen. Zusätzlich zu den Filialen in Österreich betreibt die Drogeriemarktkette mehr als 400 Geschäfte in Italien und Polen. Auch in Deutschland wollte Haberleitner expandieren, doch der Start verzögerte sich immer weiter. Ursprünglich sollten in diesem Jahr 400 ehemalige Schlecker-Filialen hierzulande wiedereröffnen.

Es sei geplant, das Unternehmen fortzuführen, teilte Dayli mit. Neben einem Mitarbeiterbeteiligungsmodell, das in der kommenden Woche vorgestellt werden soll, präsentierte Haberleitner auch einen neuen Investor. Die ICU Unternehmensberatung habe unmittelbar vor dem Insolvenzantrag die Dayli-Vertriebsgesellschaft von Haberleitners TAP 09 Beteiligungs GmbH übernommen.

Gesellschafter der ICU Unternehmensberatung ist Martin Zieger, ehemaliger Vorstand des Schweizer Modehändlers Charles Vögele. „Das Ziel ist, die Finanzierung des Unternehmens zu sichern und in Zusammenarbeit mit Politik und Gewerkschaft möglichst viele Arbeitsplätze und die Nahversorgung in Österreich zu sichern“, sagte Zieger laut Mitteilung.

Nach der Insolvenz meldete der erste Gläubiger bereits Forderungen an: Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz wartet nach der Pleite Branchenkreisen zufolge auf 4,6 Millionen Euro von Haberleitner. Der bisherige Dayli-Eigner soll Schlecker-Österreich 2012 für sieben Millionen Euro gekauft haben. Ein Geiwitz-Sprecher äußerte sich nicht zur Höhe des Kaufpreises. Erste Raten seien bereits gezahlt worden, auf eine Ende Juni fällig Zahlung wartete der Insolvenzverwalter allerdings noch. Sorgen um sein Geld hat Geiwitz aber nicht: „Unsere Forderungen sind gesichert“, sagte sein Sprecher.

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst

Kommentare zu " Drogeriemarktkette Dayli insolvent: Die zweite Schlecker-Pleite"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • was heißt denn "wollte in die Fußstapfen von Schlecker
    treten"
    Er ist in die Fußstapfen von Schlecker getreten bis zur
    letzten KOnsequenz jeden Schritt nachvollzogen

  • Langsam (zu langsam) werden Kunden erwachsen,wo man einkaufen sollte !Aber auch Arbeitnehmer sollten ihren ARBEITGEBER endlich richtig wählen !!! ENDLICH RÜCKGRAT ZEIGEN, in gewissen Branchen, einfach überfällig !!!

    Schaut euch Nordafrika an bei Demonstrationen, da setzt man sein eigenes LEBEN ein und hier in Deutschland ?
    Wacht auf Ihr betroffenen Arbeitnehmer (Werkverträge,Leiharbeit und andere moderne Sklavenarbeit)!

  • "....mit einem unterirdisch dummen Markennamen versehen wurde Gott sei Dank gescheitert ist..." - gut ausgedrückt, ich würde auch gerne wissen, WER der Marketingchef dieser Inszenierung gewesen ist. Denn zum "schlecken" fand ich diese verdreckten, nie hygienisch auf einwandfreiem Zustand befindlichen Läden ALLE nicht. Da ist ALDI aber pikfeinsauber dagegen, in hygienischer Sicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%