Drogeriemarktkette
dm lehrt Marktführer Schlecker das Fürchten

Schlecker steckt in der Krise, die Konkurrenten dagegen wachsen. Heute stellte die Drogeriemarktkette dm die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vor. Beim Umsatz hat die Drogeriemarktkette erneut zweistellig zugelegt.

DÜSSELDORF. Unter den elf größten deutschen Handelskonzernen verteidigt die Drogeriemarktkette dm die Spitzenposition als wachstumsstärkste Firma der Branche. Wie das Karlsruher Familienunternehmen am Mittwoch mitteilte, kletterten die Umsätze im abgelaufenen Geschäftsjahr (bis Ende September) deutschlandweit um 11,5 Prozent auf 3,75 Mrd. Euro. Schon im Vorjahr hatte dm in nahezu demselben Tempo zugelegt. Zum Vergleich: Der gesamte deutsche Einzelhandel büßte in diesem Jahr bis August 1,8 Prozent seines Vorjahresgeschäfts ein.

Das erstaunliche Wachstum verdankt der von dem Anthroposophen Götz Werner gegründete Filialist unkonventionellen Einfällen. Anders als Wettbewerber wie Schlecker oder Lidl verzichtet dm weitgehend auf Sonderangebote, engagiert Künstler für Theaterworkshops mit Auszubildenden und setzt seit 1989 - damals noch mit mäßigem Erfolg - auf Bioprodukte in den Regalen.

Drei Mio. Euro ließ sich dm allein im vergangenen Jahr sein soziales und gesellschaftliches Engagement kosten. Ähnliche Summen will die Kette im laufenden Geschäftsjahr Projekten wie "Singende Kindergärten 2010" oder dem Bildungsprojekt "Kraftwerk Schiller" spendieren. Zudem verteilte dm - wie schon in den Vorjahren - 3,5 Mio. Euro Prämien an die Mitarbeiter.

Im Gegenzug kassiert der Filialist seit Jahren nicht nur Bestnoten beim Deutschen Kundenmonitor in Sachen Kundenzufriedenheit. Die Karlsruher rücken dem Marktführer Schlecker immer dichter auf die Fersen. Der erlöste, so ermittelte das Marktforschungsinstitut Nielsen/Trade-Dimensions, im Heimatmarkt vergangenes Jahr nur noch 5,1 Mrd. Euro - und damit fünf Prozent weniger als 2007. Um den Abstand nicht allzu klein werden zu lassen, hatte der verschwiegene Schlecker zuletzt den renditeschwachen Wettbewerber Ihr Platz übernommen, der einen Umsatz von 700 Mio. Euro mitbrachte.

Das ungewöhnliche Konzept von dm, mit dem die Karlsruher den Lokalmatador in die Enge treiben, kostet nach Meinung von Branchenexperten viel mehr Geld als nötig. "Der Filialist zeigt einen extrem großzügigen Umgang mit Ausgaben, die für das Tagesgeschäft nicht zwingend notwendig sind", moniert Handelsprofessor Thomas Roeb von der Hochschule Bonn/Rhein-Sieg. "Bei der hoher Flächenproduktivität von dm müsste die Umsatzrendite bei vier bis fünf Prozent liegen."

Dort aber liegt sie keineswegs. "Sie beträgt etwas weniger als zwei Prozent", sagte dm-Geschäftsführerin Petra Schäfer auf Anfrage - und damit sogar noch weniger als dem Vorjahr, als vom Umsatz ein Betriebsgewinn (Ebit) von 2,7 Prozent blieb. Damit liegt das Familienunternehmen nicht nur hinter den Wettbewerbern wie Metro, Rewe oder Edeka, die üblicherweise eine drei vor dem Komma sehen. Auch Verfolger Rossmann verdient deutlich besser. Deutschlands Nummer drei im Drogeriegeschäft schaffte 2007 - neuere Daten sind nicht veröffentlicht - immerhin eine Rendite von 3,9 Prozent.

dm selbst begründet die bescheidene Marge nicht nur mit den Ausgaben für Soziales. Auch die hohen Investitionen des letzten Jahres hätten den Ertrag geschmälert - 140 Mio. Euro wanderten in ein neues Vertriebslager, 114 Mio. in das Filialnetz und 25 Mio. in die IT.

Dass der Drogeriefilialist einen Großteil seiner Ausgaben in die Nachhaltigkeit des Unternehmens steckt, erkennt selbst dm-Kritiker Roeb an. "Unsere Untersuchungen haben ergeben", berichtet er, "dass bei dm die Kundentreue deutlich höher ist als bei allen Wettbewerbern - einschließlich Rossmann."

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