Drohende Insolvenz
Staat lässt Arcandor abblitzen

Arcandor kann offenbar endgültig nicht mehr mit einer Staatsbürgschaft aus dem „Wirtschaftsfonds Deutschland“ rechnen. Der Lenkungsausschuss des Fonds lehnte einen entsprechenden Antrag wie erwartet ab. Nun rückt die Insolvenz in unmittelbare Nähe. An der Börse stürzte die Arcandor-Aktie ab.

HB DÜSSELDORF/BERLIN. Der Lenkungsausschuss des Bundes hat sich am Montag gegen Bürgschaften und Kredithilfen aus dem Deutschlandsfonds für den angeschlagenen Handels- und Touristikkonzern Arcandor entschieden. „Das ist abgelehnt“, sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Die Chancen auf ein Ja des Ausschusses galten zuvor bereits als gering, da solche Hilfen für Unternehmen gedacht sind, die wegen der Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten sind.

Im nächsten Schritt muss die Regierung nun über einen Rettungsbeihilfekredit über 437 Mio. Euro für die Karstadt-Mutter entscheiden, mit dem Arcandor nach eigener Aussage das operative Geschäft für sechs Monate am Laufen halten könnte. „Diese Entscheidung warten wir natürlich ab“, sagte Arcandor-Sprecher Gerd Koslowski am Montag. Dies gelte auch, wenn sich die Entscheidung um einige Tage verzögere. Wenn der Konzern allerdings ein „Doppel-Nein“ erhalte zur Staatbürgschaft und zur Rettungsbeihilfe, müsse er unverzüglich den Gang zum Konkursgericht antreten, warnte Koslowski.

Die Bundesregierung macht Hilfen weiter von einer Beteiligung der Eigentümer abhängig. „Es ist für die Bundesregierung nicht ganz einsehbar, dass die öffentliche Hand ein Risiko übernhemen soll, wenn die Eigentümer es bisher nicht für nötig befunden haben, ein klares Signal zu geben, inwieweit sie bereit sind, Verantwortung für das Unternehmen und für eine gute Zukunft des Unternehmens zu geben“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg am Montag. „Wir erwarten, dass die Alteigentümer die Aktionärsgruppen ihrer Verantwortung auch gerecht werden.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich enttäuscht über das Engagement der Eigentümer und Gläubiger. Was fehle, sei „die Dringlichkeit“, mit der sich beide Seiten um eine Lösung bemühten, sagte Merkel in Berlin. Auch am Sonntag seien die Parteien nicht weit genug gekommen.

Merkel zeigte sich besorgt um die Arbeitnehmer. „Ich verstehe die Not.“ Anders als von manchen in der SPD geäußert, gehe es für sie nicht um eine Rettung für die nächsten zwei bis sechs Monate, sondern um eine Dauerlösung. Sie erinnerte daran, dass die von Arcandor jetzt verlangten Rettungsbeihilfen des Staates schon wegen der Vorgaben des EU-Rechts „mit einem erheblichen Stellenabbau“ verbunden sein müssten. Ob sie diese Beihilfen befürworten würde, sagte Merkel nicht.

Bis Freitag muss der Konzern Kredite über 650 Mio. Euro verlängern und braucht zusätzlich bis zu 900 Mio. Euro, um den geplanten Konzernumbau zu finanzieren. Die Banken wollen das Gesamtfinanzierungskonzept nach Aussage von Arcandor nur mittragen, sofern es Hilfe vom Staat gibt.

Seite 1:

Staat lässt Arcandor abblitzen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%