Drohende Pleite
Arcandor: Die Zwickmühle der Großaktionäre

Arcandor balanciert am Rande des Abgrunds. Die Situation der Hauptaktionäre wird immer prekärer. Vor allem die Privatbank Sal. Oppenheim steht vor einem grundlegenden Dilemma. Über das komplexe Geflecht der Interessen im Fall Arcandor.

FRANKFURT. Je schlechter die Aussichten für Arcandor, desto prekärer die Situation für die beiden Hauptaktionäre: die Eigner der Privatbank Sal. Oppenheim und die Familie Schickedanz. Zusammen halten sie rund 55 Prozent an Arcandor. Seit dem rettenden Einstieg im vergangenen Oktober sind die Oppenheim-Eigner sogar mit 28,7 Prozent der größte Einzelaktionär. Der „Pool Madeleine Schickedanz“ hält 26,7 Prozent.

So mancher bei Sal. Oppenheim mag sich schon gewünscht haben, dass man an jenem Tag im Oktober den Hörer nicht abgenommen hätte, als die Familie Schickedanz nach Geld anfragte und man sich für eine Eigenkapitalspritze entschied. Jetzt gilt es, die Insolvenz zu verhindern, die sich mit dem Auslaufen eines Großkredits über 650 Mio. Euro am 12. Juni bedrohlich nähert. „Als Eigentümer unterstützen wir jedes Fortsetzungsszenario“, sagte ein Sprecher von Sal. Oppenheim gestern. Wie genau das aber aussehen soll, ist derzeit die Gretchenfrage.

Friedrich Carl Janssen, persönlich haftender Gesellschafter von Sal. Oppenheim, tourt durch Berlin und versucht zu retten, was bei Arcandor noch zu retten ist. In Gesprächen mit Spitzenpolitikern – unter anderem SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier (SPD) – bietet er an, dem Bund die 28,7 Prozent an Arcandor als Sicherheit für Kreditbürgschaften zu überlassen. So versucht er, den Forderungen nachzukommen, bevor sich die Politik einschalte, müssten sich erst einmal die Aktionäre von Arcandor bemühen. Auch Quelle-Erbin Schickedanz stehe hinter den Vorschlägen, hieß es gestern. Die Interessenlage beider Großaktionäre sei die gleiche. Von der öffentlichkeitsscheuen Aktionärin selbst war nichts zu hören.

Sal. Oppenheim ist in einem Dilemma. Ihren Anteil an Arcandor können und wollen die Kölner Bankiers nicht erhöhen, denn bei mehr als 30 Prozent wäre ein öffentliches Übernahmeangebot fällig. So wollen die Bank-Eigner nur anteilig zu ihrem jetzigen Anteil eine von Arcandor geplante Kapitalerhöhung über 100 Mio. Euro mitzeichnen und nicht über ihren Anteil hinausgehen.

Sal. Oppenheim sieht derzeit aber das Management und den Aufsichtsrat am Zug, Alternativen für eine staatliche Bürgschaft zu suchen. Dies sei nicht die Aufgabe der Eigentümer, sagte ein Sprecher der Privatbank am Donnerstag. „Wir unterstützen weiterhin alles, was uns dem Ziel nahe bringt, Arcandor zu retten“, betonte er. Die Chancen für eine Rettung des schwer angeschlagenen Handelskonzerns sind seit Donnerstag gesunken.

Die EU-Kommission hatte erklärt, dass sie keine Grundlage für die beantragte Sonder-Bürgschaft für Arcandor sehe. „Die Lage ist damit nicht besser geworden, aber auch nicht aussichtslos“, sagte der Sal.-Oppenheim-Sprecher. Die Eigner der Bank halten fast 30 Prozent an Arcandor.

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