Drohender Bankrott
Eurotunnel gibt Deutscher Bank die Schuld

Dem hochverschuldeten Betreiber des Tunnels unter dem Ärmelkanal bleiben nach dem Scheitern der Gespräche mit rebellischen Gläubigern nur noch zwei Monate, um einen Bankrott zu vermeiden. Die Anleihen von Eurotunnel erlebten am Donnerstag die schlimmsten Kursverluste seit einem Jahr.

HB LONDON. Am Donnerstag stellte Eurotunnel bei einem französischen Gericht Antrag auf Gläubigerschutz. Sollte dem stattgegeben werden, hat das Unternehmen rechtlich zwar bis zu 18 Monate Zeit, um einen Sanierungsplan nach Auflagen des Gerichts auszuarbeiten. Eurotunnel-Chef Jacques Gounon äußerte sich allerdings pessimistischer. „Wenn wir den Aktionären nicht Ende September einen Plan präsentieren können, ist der Rest der Geschichte ganz schnell geschrieben“, sagte er in Paris. Für die Zuspitzung der Krise mach Gounon vor allem die Deutsche Bank verantwortlich.

Eurotunnel kämpft seit über 20 Jahren mit neun Mrd. Euro Schulden aus dem Tunnelbau. Die britische Premierministerin Margaret Thatcher hatte damals durchgesetzt, dass kein öffentliches Geld in das Jahrhundertprojekt fließt. Stattdessen wurde Eurotunnel an die Börse gebracht. Doch die Baukosten fielen mit 15 Mrd. höher aus als erwartet. Außerdem blieb das Verkehrsaufkommen unter dem Kanal hinter den Planungen zurück.

Die Deutsche Bank führt eine Gruppe rebellischer Gläubiger an, die den Sanierungsplan für Eurotunnel ablehnt. Auch in einer letzten Verhandlungsrunde von Mittwoch auf Donnerstag Nacht konnten sich Management und rebellische Gläubiger nicht auf einen Kompromiss einigen.

Um zu überleben, muss Eurotunnel entschuldet werden. Mit den vorrangigen Gläubigern – also Kreditgebern, die über gute Sicherheiten für ihre Forderungen verfügen – hat sich Vorstandschef Jaques Gounon geeinigt. Diese Gruppe steht für rund sechs Mrd. Euro der Gesamtschulden.

Die Deutsche Bank führt dagegen nachrangige Gläubiger an, deren Forderungen erst nach den vorrangigen bedient werden. Die Gruppe, die gut 2,8 Mrd. Euro der Verbindlichkeiten repräsentiert, lehnt den Eurotunnel-Plan strikt ab, weil er ohne Beteiligung der nachrangigen Gläubiger ausgehandelt worden sei und diese massiv benachteilige. Gounon sagte gestern, er verstehe nicht, warum die Deutsche Bank ihre „unvernünftigen“ Forderungen aufrechterhalte, angesichts der Verantwortung gegenüber 2 300 Beschäftigten und 800 000 Aktionären. „Wir hoffen, dass die Gespräche in einer konstruktiveren Atmosphäre wieder aufgenommen werden, sobald das Gericht den Antrag auf Gläubigerschutz genehmigt hat“, betonte eine Sprecherin des von der Deutschen Bank geführten Konsortiums.

Die Anleihen von Eurotunnel erlebten am Donnerstag die schlimmsten Kursverluste seit einem Jahr. Die Kreditbewertungsagentur Standard & Poor’s stufte die Bonität der Papiere auf „Ramsch“ herab. Die Aktien sind seit Mai vom Handel ausgesetzt.

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