Druck auf die Preise bleibt enorm
Lufthansa kann noch keine Entwarnung geben

Die Deutsche Lufthansa wird Branchenexperten zufolge an diesem Mittwoch deutlich rote Zahlen für das erste Halbjahr 2003 ausweisen. Die Analysten der Hypovereinsbank rechnen mit einem Umsatzrückgang von 7 % und einem operativen Verlust in Höhe von 430 Mill. Euro.

DÜSSELDORF. Im traditionell schwachen ersten Quartal, das zusätzlich vom Irak-Krieg und der Lungenkrankheit SARS belastet worden war, hatte der Konzern einen Verlust von 415 Mill. Euro eingeflogen.

Kein anderes deutsches Großunternehmen litt im ersten Halbjahr stärker unter Terror, Krieg und anderen Katastrophen als die Lufthansa. Vor allem die Lungenseuche SARS, die von März bis Mai 2003 zu einem dramatischen Einbruch auf den wichtigen Asien-Strecken führte (siehe Grafik), schlägt dem Konzern heftig ins Kontor. „Zwar werden die nächsten Quartale wieder besser aussehen. Doch das Loch, das SARS geschlagen hat, ist in diesem Jahr nicht mehr zu stopfen“, glaubt Philipp Goedeking, Luftfahrtexperte der Unternehmensberatung Roland Berger. Allerdings habe der Konzern im Laufe der Jahre gelernt, selbst die schärfsten Krisen sehr professionell zu meistern.

In der Branche wird deshalb erwartet, dass der Kranich-Konzern durch den schnellen Abbau von Kapazitäten schlimmere Einbrüche verhindern konnte. Im Gegensatz zu vielen anderen Fluglinien weltweit gilt der deutsche Konzern trotz heftigster Turbulenzen als finanziell solide und strategisch gut aufgestellt. „Lufthansa hat rechtzeitig entgegen gesteuert, um nicht in eine gefährliche Liquiditätsfalle zu geraten“, schreibt die Bayerische Landesbank in ihrer jüngsten Luftfahrt-Studie. Unter den etablierten europäischen Fluglinien sei der Kranich-Konzern deshalb „erste Wahl“.

Dennoch dürfte es die Lufthansa bis zum Ende des Jahres nicht mehr zurück in die Gewinnzone schaffen. Das konjunkturelle Umfeld bleibt schwach und das Kerngeschäft vor allem im Europaverkehr von den schmerzhaften Preisattacken der Billigflieger belastet. Trotz deutlicher Erholungstendenzen – vor allem nach der SARS-Entwarnung in Asien – will deshalb auch der langjährige Lufthansa-Chef und jetzige Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Weber noch keine Entwarnung geben: „Wer nur auf das Volumen achtet, übersieht den Druck auf die Durchschnittserlöse“, sagte Weber Ende Juli auf einer Veranstaltung in Schanghai.

Luftfahrt-Analyst Nils Machemehl von M.M. Warburg erwartet, dass die Durchschnittserlöse der Fluglinien auf absehbare Zeit im unteren einstelligen Prozentbereich rückläufig sein werden. „Es geht operativ voran. Das heißt aber nicht, dass sich das auch in den Gewinnen niederschlägt“, sagt auch Klaus Linde von SES Research.

Weil auch andere Geschäftsbereiche wie die Frachtsparte Lufthansa Cargo unter der schwachen Konjunktur leiden und zudem die 50 %-Touristiktochter Thomas Cook große Sorgen bereitet, treibt der Lufthansa-Konzern nun mit Macht einschneidende Strukturveränderungen voran. Um defizitäre Zubringerstrecken zu erhalten und effizienter zu machen, verhandelt der Konzern mit seinen Regionalpartnern seit Monaten über eine neue Form der Kooperation. In Branchenkreisen wird erwartet, dass unter einem neuen Markenauftritt namens „Lufthansa Regional“ bald nur noch die Tochter Cityline sowie Eurowings, Augsburg Airways, Contact Air und Air Dolomiti für den Konzern fliegen. Kleinere Fluglinien wie Cimber Air oder Cirrus Airlines sollen aus dem bisherigen „Team Lufthansa“ ausscheiden.

In einem weiteren Programm namens „Zukunft Kont“ sollen die Stückkosten im Kontinentalverkehr um 20 % gesenkt werden. Das Ziel: Lufthansa will mit einem produktiveren Flugbetrieb das stramme Wachstum der Billigflieger auf kürzeren Strecken bremsen.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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