Duell der Billigflieger
Easyjet sticht Ryanair aus

Auch wenn Easyjet im abgelaufenen Jahr ein Gewinneinbruch von 30 Prozent verkraften musste – der britische Billiganbieter ist besser für die Zukunft gerüstet als der Rivale Ryanair. Er setzt an zum großen Angriff.
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FrankfurtBislang war es vor allem der irische Billiganbieter Ryanair, der in Deutschland für Schlagzeilen sorgte. Regelmäßig präsentierte Ryanair-Chef Michael O’Leary neue Kampfpreise, Strecken oder den Start an neuen Flughäfen wie Frankfurt – natürlich wie immer mit launischen und zugespitzten Sprüchen. Doch innerhalb weniger Wochen hat sich das Blatt gewendet. Plötzlich ist es der eher zurückhaltend agierende Wettbewerber Easyjet, der zum großen Angriff in Deutschland ansetzt – mit durchaus guten Chancen.

Sichtbar ist das vor allem in Berlin. Während sich O’Leary frühzeitig aus dem Bietergefecht um die insolvente Air Berlin zurückgezogen hat und das angeblich abgekartete Spiel mit Lufthansa bei der Verwertung der zweitgrößten deutschen Airline beklagte, schlug Easyjet zu. Die Briten übernehmen große Teile des Kurz- und Mittelstreckenverkehrs von Air Berlin am Flughafen Tegel. Dazu kommen 25 neue Airbus-Jets, die zum Teil wohl ebenfalls von Air Berlin kommen werden.

„In Berlin haben wir zurzeit rund sechs Millionen Passagiere im Jahr. Mit den Start- und Landerechten von Air Berlin werden es dann 16 Millionen Passagiere sein“, sagte Thomas Haagensen, Managing Director von Easyjet Europe und zuständig für die deutschsprachigen Länder, dem Handelsblatt. Schon im Januar sollen die ersten Flugzeuge in Tegel für Easyjet abheben.

Dabei werden neben ein paar eigenen Jets zunächst auch Flugzeuge und Personal zum Einsatz kommen, das man bei anderen Anbietern mietet (WetLease). „Wir werden auch WetLease nutzen, bis Ende Sommer kommenden Jahres dann aber diese gemieteten Maschinen Stück für Stück durch eigene Flugzeuge ersetzen, die in die Flotte kommen“, erklärt Haagensen.

Schlagartig wird Easyjet damit zur führenden Airline in der Bundeshauptstadt. Zwar ist noch nicht ganz klar, auf welchen Strecken die neuen Flugzeuge eingesetzt werden „Wir evaluieren das zurzeit noch. Aber es werden europäische und auch innerdeutsche Strecken sein“, so Haagensen. Aber fest steht: Easyjet besetzt damit einen stark wachsenden Markt.

Der Schritt ist aber weit mehr als nur eine simple Akquisition. Er ist Teil einer umfassenden Zukunftssicherung des Unternehmens. Dazu gehört vor allem die Gründung einer österreichischen Airline, die Easyjet Europe Airline GmbH in Wien. Mit der dazugehörigen Betriebserlaubnis, im Fachjargon AOC genannt, sorgt das Easyjet-Management für den Ausstieg der Briten aus der EU vor. Denn nach einem Brexit dürfte Easyjet mit der bestehenden britischen Betriebserlaubnis nicht mehr in Europa fliegen. Auch die Berliner Flugzeuge werden deshalb in den österreichischen Ableger integriert.

„Die Herausforderungen eines Brexits sind adressiert mit der Etablierung von Easyjet Europe“, lobt Andrew Lobbenberg von HSBC Global Research. Und Björn Fehrm vom Informationsdienstleister Leeham findet, dass „Easyjet einen guten Job macht ungeachtet des Gewinnrückgangs um 30 Prozent“.

Ganz anders die Situation beim sonst so lautstarken Rivalen Ryanair. Zwar hat die Airline ihren Sitz in Irland und damit in einem Land, das weiterhin zur EU gehören wird. Doch viele Anteilseigner von Ryanair sitzen in Großbritannien. Eine Airline, deren Aktionäre aber zu mehr als 50 Prozent von Nicht-Europäern gehalten werden, verliert ihre europäischen Verkehrsrechte. „Ryanair muss seine europäischen Verkehrsrechte sichern”, mahnen Daniel Roeska und sein Team von Bernstein Research. Immerhin würden zurzeit 58 Prozent des Verkehrs von Ryanair auf innereuropäische Strecken entfallen. Bislang beschränke sich die Strategie des Airline-Managements auf Lobbyarbeit und das Warten auf eine politische Lösung. Das reiche nicht, so Roeska: „Die Zeit, eine Alternative zu finden, um die Situation zu entschärfen, läuft davon.“

Hinzu kommen operative Probleme. Weil bei der Urlaubsplanung für die Piloten ein gravierender Fehler gemacht wurde, stehen zurzeit zu wenig Flugzeugführer für die Ryanair-Jets zur Verfügung. Deshalb musste die Airline bis zum kommenden März tausende Verbindungen streichen. Noch dazu begehren die Piloten immer massiver gegen die Arbeitsbedingungen bei dem Billiganbieter auf. Gerade erst haben sich in Deutschland und anderen Ländern Tarifkommissionen gebildet, die von O’Leary die Aufnahme von Tarifgesprächen fordern.

Auch in diesem Punkt steht Easyjet eindeutig besser da. Die Airline zahlt den Flugzeugführern gute Gehälter. Das zeigt sich aktuell in der Air-Berlin-Pleite. Piloten von Air Berlin berichten, dass die Easyjet-Löhne über denen liegen, die die Lufthansa-Tochter Eurowings bietet. Noch dazu stellt die Airline die Crews anders als Ryanair nach deutschem Recht ein. „Die Konditionen sind teurer als die der Rivalen, aber das sorgt für weniger Wechsel“, lobt Lobbernberg von HSBC Global Research.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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